Austria

Prozess nach Fünffachmord in Kitzbühel: 26-Jähriger bekannte sich schuldig

Die vorsitzende Richterin hat nur einen Prozesstag eingeplant. Das Urteil soll voraussichtlich schon heute am Abend fallen. Zu Beginn der Verhandlung bekannte sich der 26-Jährige schuldig im Sinne der Anklage.

"Flo bezahlte seine Hilfsbereitschaft mit dem Leben"
Florian Janny mit seiner Freundin Marlene. Die beiden waren seit der Hauptschule ein Paar.

Die Untersuchungen der Polizei, insbesondere die Spurenauswertung, bestätigten das Geständnis des jungen Mannes, sagte die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsplädoyer. Laut einem psychiatrischen Gutachten war der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat allenfalls alkoholbedingt enthemmt, aber zurechnungsfähig. Er soll zum Tatzeitpunkt zwischen 0,6 und 1,65 Promille gehabt haben, erklärte die Staatsanwältin.

Es sei eine "außergewöhnliche Tat", meinte die Verteidigerin in ihrem Eröffnungsplädoyer. Anders als von den Medien dargestellt, handle es sich aber nicht um eine reine Tat aus Eifersucht. "Es ist viel komplexer", sagte die Rechtsanwältin. Ihr Mandant sei sehr wohlbehütet aufgewachsen. Trotzdem habe er nie gelernt seine emotionalen Bedürfnisse zu artikulieren. Er habe einen großen Wunsch nach Stabilität gehabt, zitierte die Verteidigern aus dem psychiatrischen Gutachten.

In der Nacht vor der Tat sei es dann schließlich in einem Nachtclub zu dem schicksalhaften Aufeinandertreffen zwischen der 19-Jährigen und dem Angeklagten gekommen. Er habe sie zurückgewinnen wollen, sie wollte jedoch nicht. "Er fühlte sich von seiner ehemaligen Freundin und ihrer Familie verraten und abgewiesen", sagte die Verteidigerin.

Der Beschuldigte soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft Innsbruck am Sonntag, 6. Oktober 2019, gegen 5.30 Uhr in der Früh zum Elternhaus seiner Ex-Freundin gegangen sein und dort zunächst ihren Vater (59), ihre Mutter (51) und ihren Bruder (23) erschossen haben.

Danach kletterte er vom Erdgeschoß über den Balkon ins Obergeschoß, wo seine Ex-Freundin eine eigene Wohnung hatte. Dort soll er mit einem Baseballschläger die Scheiben eingeschlagen und die 19-Jährige und deren Bekannten, den aus Gmunden stammenden Eishockey-Profi Florian Janny (24), der früher für die Linzer Black Wings spielte, erschossen haben. Kurz vor sechs Uhr früh tauchte E. bei der Polizeiinspektion Kitzbühel auf, wo er die Pistole und den Baseballschläger mit den Worten präsentierte: "Ich habe gerade fünf Menschen erschossen."

Wie die Ermittlungen zeigten, war der Angeklagte bereits am Samstagabend mit seiner Ex-Freundin, die sich etwa zwei Monate zuvor von ihm getrennt hatte, in einen Streit geraten. Um vier Uhr früh läutete der Kitzbüheler an der Tür des Elternhauses. Der Vater der 19-Jährigen konnte den jungen Mann aber abwimmeln. Zu Hause nahm E. die Pistole seines Bruders aus einem Safe. Die Waffe besaß dieser legal. Erneut begab sich der 26-Jährige zu dem Haus. Dieses Mal fielen die tödlichen Schüsse.

Tatmotiv war Eifersucht

Als Tatmotiv gilt Eifersucht. Offenbar dachte der junge Mann, der zu diesem Zeitpunkt FPÖ-Mitglied war, dass der Begleiter seiner Ex-Partnerin deren neuer Freund sei. E. wurde nach der Tat in Untersuchungshaft genommen. Er wurde auch aus der Partei ausgeschlossen.

Heute im Prozess sollen mehrere Gutachter zu Wort kommen, darunter auch die forensische Psychiaterin Heidi Kastner aus Linz. Die Sachverständige hat das Seelenleben des mutmaßlichen Mörders untersucht. Demnach war der Kitzbüheler aufgrund einer Alkoholisierung zwar "enthemmt", zum Tatzeitpunkt aber zurechnungsfähig.

Zudem hat die Staatsanwaltschaft drei Zeugen beantragt, die den Angeklagten nach dem Streit im Lokal noch gesehen hatten.

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