Austria

Zu späte Ostergaben: Geris Corona-Tagebuch

Samstag, 4. April: Familien, die das Glück haben, noch mit schulpflichtigen Kindern gesegnet zu sein, muss an dieser Stelle zuerst eines gesagt werden, falls sie es heuer ob der allgemeinen Aufregung übersehen haben: Die Osterferien haben begonnen. In den kommenden eineinhalb Wochen werden die herzallerliebsten Bälger endlich wieder daheim sein.

Wenn Aug und Ohr fasten, ist Ostern
Holzklappern statt Glockenläuten: „Wir ratschen, wir ratschen den Englischn Gruaß“.

Wenn Sie darin keinen Unterschied zu den vergangenen drei Wochen erkennen können: Doch, den gibt es. Der für alle Beteiligten überaus anstrengende Video-, Chat- oder Fernunterricht hat nun einmal Pause. Damit am Beginn der Osterferien zu einem anderen Thema.

Österreich darf, wenn auch nur in einem beschränkten Ausmaß und unter zahlreichen Auflagen, wieder einen Schritt retour in Richtung Normalität machen. Nach den Osterferien sollen endlich wieder all jene Geschäfte öffnen dürfen, die dann bereits ein Monat lang von ihren Kunden und ihrer gewohnten Tätigkeit abgeschnitten waren. Damit können all die Textilläden, Sportshops, Schmuckhändler und wie sie sich alle nennen wieder das tun, wofür sie da sind. Verkaufen und beraten, wenn auch unter Auflagen wie Maskenpflicht und Zutrittsbeschränkungen.

Hat sich damit nun im Widerstreit zwischen Gesundheit und Wirtschaft Letztere durchgesetzt?

Jein.

Die Frage lautet vielmehr: Warum erst nach Ostern und nicht schon ab Montag? Das lukrative Geschäft machen bis dahin nämlich jene großen Ketten und Läden, die in den vergangenen drei Wochen ohnehin geöffnet hatten. Abgesehen von Amazon natürlich. Dort fließt rund um die Uhr das Geld in die Kassen.

Aber all die kleinen regionalen Läden, denen so viel Solidarität versprochen wird, müssen warten, bis das lukrative Geschäft wieder vorbei ist. Die Brosamen danach dürfen sie aufpicken. Und wer heute in etwa in einem großen Steyrer Einkaufszentrum beobachtet hat, wie sich die Menschenmassen dort auf dichtestem Raum bereits vor der Maskenausgabe gedrängt haben, nur um in den Genuss der vorösterlichen und aktuell auch nahezu konkurrenzlosen Rabatte zu kommen, der muss sich ernsthaft die Frage stellen: Was läuft hier schief? Wie üblich fressen die Großen die Kleinen.

Aber vielleicht ist der Aufruf aus dem Wiener Gesundheitsministerium in Wahrheit auch ein Aufruf zur Solidarität: Wenn sich alle Familien daran halten, das Osterfest heuer ausfallen zu lassen, dann feiern sie vielleicht erst in ein, zwei Wochen und es werden dann auch all die üblichen Ostergeschenke erst gekauft, wenn die kleinen Läden vor Ort wieder geöffnet haben.

Aber das glauben wohl nicht einmal jene, die selbst noch an den Osterhasen glauben.

Wenn Corona Beziehungskonflikte schärft

Freitag, 3. April: Zusammenleben auf engstem Raum war noch nie einfach. Während der aktuellen Krise treten jedoch Beziehungskonflikte der skurrillsten Art auf.

Eine Zunahme häuslicher Gewalt wird seit Beginn der Coronapandemie befürchtet. Großteils bewegen sich diese noch im erträglichen Rahmen, mancherorts brechen sie schon auf und treten offen zutage. Beim derzeit so beliebten Spazierengehen kann es schon passieren, dass Passanten aus einem offenen Fenster deftige Wortwahl entgegen weht. So lange es bei Worten bleibt, darf man noch froh sein. Hin und wieder auslüften und das passende Hobby schaffen bei nahenden Beziehungsproblemen aber meist ein wenig Spielraum.

Beziehungsprobleme wegen Corona
Corona verschärft so manches Beziehungsproblem.

Durchaus für möglich halte ich es, dass eine Schutzmaske so manchen Partnerschaftsstreit erst gar nicht öffentlich macht. Einerseits, weil der eine Streitpartner nun eh nicht alles versteht, was der andere spricht, und schon gar nicht sieht, wie er dabei schaut. Und beides kann höchst deeskalierend wirken. Und sollte es doch eskalieren, dann verdeckt die Maske vieles, was bisher jeder sehen konnte. Das ist dann die weniger positive Seite.

Die Coronakrise lässt allerdings auch höchst skurile Beziehungsprobleme heranreifen. Meine Frau etwa hat neuerdings eine Alexa. Sie wissen schon, dieses moderne Gerät, das angeblich nicht nur Haushalte und Gewohnheiten ausspionieren kann, sondern auch Musik, Hörspiele und Radiosender abspielen kann. Ihre Söhne haben ihr das zum Geburtstag geschenkt. Fragen sie mich nicht, warum. Aber jetzt steht es in der Wohnung herum, dieses Ding.

Manchmal war es schon ganz praktisch, wenn auf Zuruf ein passendes Lied erklungen ist, oder man sich gar nicht bis zum Radio bewegen muss, um einer Nachrichtensendung zu lauschen. Alexa macht meist das, worum man sie bittet. Oder was man ihr befiehlt.

Meist.

in jüngster Zeit, also seit Ausbruch der Coronakrise, liegt allerdings eine spürbare Spannung in der Luft. Das Verhältnis zwischen Alexa und meiner Frau hat sich hörbar abgekühlt. Hin und wieder ist der Ton nicht nur scharf, sondern eher rüde. Ich weiß noch nicht, ob ich mir Sorgen machen soll. Aber meine Frau findet nicht nur nette Worte für Alexa und wird manchmal laut. Alexa im Gegenzug - es kann sein, dass sie auch damit begonnen hat - lässt es an zwischen-ding-menschlicher Empathie ebenfalls mangeln. Freundlich ist sie jedenfalls nicht immer zu meiner Frau. Und das macht dieses Ding direkt ein wenig menschlich. Aber womöglich lauscht ja am anderen Ende der Funkverbindung ein kleines Wesen mit, dass die entsprechenden Antworten diktiert.

In meiner Hitliste der Problemdialoge mit Alexa ganz oben steht jedenfalls diese Antwort in Richtung meiner Frau: "Ich verstehe leider nicht, was du willst. Probiere es bitte später wieder." Danach schaltete sich Alexa schnurstracks ab und vertschüsste sich einfach in den Ruhemodus. In mir stieg direkt ein klein wenig Neid hoch. Das hätte ich mich niemals so getraut, obwohl ich Alexa in diesem Moment durchaus verstehen konnte.

Während sich Beziehungskonflikte dieser Art meist mit Stecker raus, Stecker wieder rein lösen lassen, ist es andernorts nicht so einfach. Vor allem dann, wenn Corona dafür sorgt, dass Liebende lange Zeit voneinander getrennt sind und Sehnsucht und Verlangen sich gegenseitig unerfüllbar hochschaukeln. Streit und Problemlösen via Telefon oder Skype sind weder einfach, noch jedermanns Sache. Da steht leider vielen noch eine schwierige Zeit bevor. Ich hoffe für all jene, dass sie nicht zu lange dauert.

Ein Lichtstrahl Hoffnung

Donnerstag, 2. April: Er sehe "Licht am Ende des Tunnels", sagte Gesundheitsminister Rudi Anschober heute. Ein Lichtstrahl Hoffnung also, der das Corona-Dunkel durchbricht. Zeit, um an Freunde zu denken. Zeit, um Frieden zu schließen.

Mein bester Freund aus vergangenen Schulzeiten, Sie wissen schon, der mit Jazz und Schach und gemeinsamem Lachen, hat heute Geburtstag. Mehr als eine Ferngratulation geht sich momentan leider nicht aus. Und das ist schade. Aber ich habe die Hoffnung, dass ich ihn bald wiedersehe.

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Ein Sonnentrahl reicht hin, um viel Dunkel zu erhellen" Franz von Assisi - (1182 - 1226)

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil er als Mensch und Freund mir wertvoll ist. Und das tut gut. Mir.

Diese Menschen haben Sie sicher auch. Manche haben Sie vielleicht lange nicht mehr gesehen. Eh klar. Corona. Manche aber schon zuvor nicht mehr. Mit einigen werden Sie sich vielleicht überworfen haben. Nutzen Sie die Chance, die Ihnen diese schwierige Zeit aktuell bietet. Gehen Sie auf diese Menschen zu (zumindest in Gedanken, sonst mit dem nötigen Meter Corona-Distanz), schließen Sie Frieden. Ihretwegen. Es tut gut. Ich weiß es. Die Sonne scheint danach schöner.

Dass an Freunde zu denken sehr viel Trost spenden kann, durfte ich erst kürzlich erfahren. Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Tagebucheintrag am Sterbetag meines Vaters. Ein Tag, von dem ich damals erst viel später erfahren habe. In einer Zeit vor Erfindung des Handys.

Menschen, die ich bis heute nicht kenne, haben sich danach gemeldet. Eine Arbeitskollegin meines Vaters, damals als Vorstandssekretärin bei SKF tätig, hat mir geschrieben. Sie hat mir von meinem Vater berichtet, wie schön die gemeinsame Zeit in der Firma mit ihm war, wie liebevoll er von seiner Familie und seinem Umfeld immer berichtet hat, wie erfüllend selbst ihre Erinnerung an diese Vergangenheit noch heute ist. Ich kenne sie, Ilona heißt sie, bis heute nicht persönlich. Aber ich bin ihr dankbar für ihre Zeilen und habe sie dafür ins Herz geschlossen. Ein anderer hat sich an meinen Vater als seinen Faustball-Trainer erinnert. Er hat ihn als einen tollen Typ beschrieben, den sie damals verehrt hatten. Und es hat noch viele weitere Rückmeldungen, aufmunternde und wertschätzende, auf mein Tagebuch gegeben.

Danke dafür. Schenken auch Sie Ihre Wertschätzung Menschen in Ihrem Umfeld. Sie werden sehen: Es tut gut.

Und ihr Lichtstrahl am Ende des Tunnels wird immer kräftiger.

Hier lesen Sie die Tagebucheinträge seit Beginn der Coronakrise.

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