Austria

Wie streng Israel jetzt mit der Delta-Variante umgeht

Deutlicher Anstieg auf über 100 Neuinfektionen. Masken, Quarantäne und andere scharfe Maßnahmen sollen einen Ausbruch verhindern.

von Daniela Davidovits, Elisabeth Gerstendorfer

Israel gilt für viele Länder in der Corona-Pandemie als Vorbild. Das Land hatte seine Infektionszahlen weitgehend unter Kontrolle gebracht und fast alle Maßnahmen gelockert. Nach einem neuen Anstieg von Corona-Neuinfektionen wurden jetzt wieder Beschränkungen verhängt.

Am zweiten Tag in Folge wurden mehr als 100 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden registriert, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte. Die meisten davon stehen nach offiziellen Angaben in Verbindung mit der Delta-Variante des Virus. Diese wurde zuerst in Indien entdeckt und gilt als besonders ansteckend (siehe unten).

Israels neuer Ministerpräsident Naftali Bennett hatte am Dienstagabend von einem "neuen Ausbruch" des Coronavirus im Land gesprochen. Er wies auch die Wiedereinrichtung des sogenannten Corona-Kabinetts an, es wurden auch wieder Kontrollpersonen eingestellt, die die Einhaltung der Maßnahmen überprüfen.

Unter den Neuinfizierten in Israel sind viele jüngere Menschen. Zwei große Corona-Cluster in Schulen sorgten für große Unsicherheit. Inzwschen wird nachdrücklich empfohlen, die Jugendlichen impfen zu lassen.

Er appellierte an Israelis, auch in den Ferien nicht ohne Grund ins Ausland zu reisen. Die Reisen in sechs Krisen-Regionen, in denen es zu erheblichen Virusausbrüchen kommt, sind verboten: Russland, Indien, Mexiko, Brasilien, Argentinien und Südafrika. Geplant ist, dass für Reisen dorthin Geldstrafen von rund 1.300 € verhängt werden. Außerdem werden Bußgelder gegen Eltern verhängt, die nicht auf die Quarantäne-Vorschriften bei ihren Kindern achten.

Auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion, an Grenzübergängen und in medizinischen Einrichtungen müssten ab sofort wieder Masken getragen werden, teilte das Gesundheitsministerium  mit.

Der Parlamentarier Dov Lipman informierte auf seiner Facebook-Seite über die neuen Verschärfungen.

Auch Geimpfte oder Genesene sollen künftig in Quarantäne geschickt werden, falls sie Kontakt mit einer Person hatten, die sich mit einer "gefährlichen Variante" des Coronavirus infiziert hat. Dies gilt auch für Kontakte mit Infizierten in Flugzeugen. Bisher sind Geimpfte und Genesene von der Quarantänepflicht befreit worden.

Derzeit dürfen nur israelische Staatsbürger über direkte Familienmitglieder von Israelis mit einer Sondergenehmigung einreisen. Auf Twitter kündigte die neue Tourismus-Ministerin Ayelet Shaked an, dass sie sich sehr um eine Einreisemöglichkeit für alle Touristen ab 1. Juli bemühen würde, doch noch gibt es keinerlei Regelungen dazu. Es wird sogar spekuliert, dass Touristen weiterhin warten müssen.

Im Neun-Millionen-Einwohner-Land Israel haben mehr als 5,5 Millionen Menschen bereits eine erste Corona-Impfung erhalten, rund 5,2 Millionen Menschen auch die zweite Dosis. Die Impfkampagne war besonders zu Beginn sehr erfolgreich und sorgte international für Aufsehen.

Die Delta-Variante ist deutlich infektiöser als bisherige Varianten. Schon flüchtige Kontakte für wenige Sekunden reichen für eine Ansteckung aus. Während bei der Ursprungsvariante aus Wuhan im Schnitt zwei Personen von einem Infizierten angesteckt wurden, sind es bei der Delta-Variante fünf bis acht weitere Personen. In einigen Ländern, darunter Großbritannien, hat die Delta-Variante die bisherigen Varianten bereits abgelöst – sie sorgt für die meisten Neuinfektionen. Großbritannien verschob deshalb sogar geplante Lockerungen bei Corona-Maßnahmen.

Die höhere Infektiösität ist auch der Grund dafür, dass eine Herdenimmunität immer schwieriger zu erreichen ist. Der deutsche Immunologe Carsten Watzl schätzt, dass es mittlerweile eine Durchimpfungsrate von 85 Prozent bräuchte, um Ungeimpfte vor einer Infektion schützen zu können. Zum Vergleich: Der deutsche Virologe Christian Drosten ging zu Beginn der Pandemie noch von einem Wert von 70 Prozent aus. Experten wie die österreichische Epidemiologin Eva Schernhammer gehen daher zunehmend davon aus, dass Herdenimmunität möglicherweise nicht das Ziel sein könnte, sondern möglichst viele zu impfen und anzunehmen, dass jene, die sich infizieren und dadurch ebenfalls immun werden, zum Schutz der Personen beitragen, bei denen eine Impfung nicht möglich ist.

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