Austria

WHO: „Viele Länder fühlten sich zu sicher“

Aus trügerischer Sicherheit haben viele Länder nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die ersten Warnungen vor dem Coronavirus im vergangenen Jahr zu langsam reagiert. „Vielleicht brauchen einige Leute Hörgeräte“, sagte WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan am Montag zum ersten Jahrestag der Ausrufung der Corona-Pandemie (11. März) durch die WHO an diesem Donnerstag.

„Wenn man im Tal ist und der Damm bricht, fühlt man die Gefahr“, so Ryan. Wer auf dem Berg stehe, spüre die Gefahr nicht, bis das Wasser anschwelle. „Ich fürchte, zu viele Länder dachten, sie stehen auf einem Berg.“

Schon die Kennzeichnung der Verbreitung des Coronavirus als gesundheitliche Notlage von internationaler Bedeutung Ende Jänner 2020 sei die größtmögliche Warnung gewesen, erinnerte Ryan. „Alle waren sich einig, dass dies der Auslöser für gemeinsame Anstrengungen sein muss“, sagte Ryan. Diejenigen, die erfolgreich bei der Kontaktverfolgung der ersten Fälle gewesen seien, hätten das Schlimmste verhindert, sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove.

WHO skeptisch über Impfpass
Zugleich zeigte sich die WHO erneut skeptisch, ob ein Impfpass ein Zugang zum Reisen oder andere Erleichterungen sein sollte. Praktische und ethische Fragen seien dabei zu klären, meinte Ryan. Sollte der Zugang zu Impfungen nicht für alle gleich sein, könne das problematisch werden - zumal einige Menschen aus bestimmten Gründen nicht geimpft werden dürften. Unbenommen davon seien elektronische individuelle Impfzertifikate sinnvoll, so die WHO-Expertin Kate O‘Brien. Schnell verfügbare Informationen über viele Einzelheiten rund um die Impfung seien erstrebenswert.

Franz Hollauf

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