Austria

"Wenn’s erlaubt ist, kann es nicht so schädlich sein"

Ab 16 Jahren ist in den deutschsprachigen Ländern wie Oberösterreich und Bayern der Alkoholkonsum erlaubt. Doch wie sich dieses gesetzliche Mindestalter auswirkt, darüber gab es bisher kaum europäische Studien – hauptsächlich existieren dazu Daten aus den USA, doch dort ist das Mindestalter weit höher.

Wirtschaftswissenschafter der Johannes Kepler Universität Linz und der Universität Passau haben nun erstmals Daten der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse über Alkoholvergiftungen Jugendlicher im Alter von 13 bis 21 Jahren mit den Ergebnissen aus Jugendbefragungen und Daten über Mystery Shopping verknüpft. Das Ergebnis: Haben Jugendliche das 16. Lebensjahr erreicht, steigt der Alkoholkonsum sprunghaft an. "Unsere Frage lautete, wie sich das Schutzalter von 16 Jahren auswirkt", sagt Professor Martin Halla, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik der JKU, der die Studie zusammen mit dem Linzer Big-Data-Experten Professor Alexander Ahammer und den Passauer Forschern Professor Stefan Bauernschuster und Hannah Lachenmaier verfasst hat.

Die Zahlen sind eindeutig: von 15 auf 16 steigt die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Alkoholvergiftung ins Spital eingeliefert zu werden, um 42 Prozent. Ebenso erhöht sich die Menge des wöchentlichen Alkoholkonsums von 55 Gramm auf 105 Gramm, was drei Halben Bier entspricht.

Befragungen zeigen auch, dass die Risikoeinschätzung, wie gefährlich starker Alkoholkonsum ist, vom 15. zum 16. Lebensjahr deutlich sinkt: von 70 Prozent auf 60. Mit dem leichteren Zugang zu Alkohol ab 16 lassen sich diese Daten aber kaum erklären, sagt Halla. Vielmehr würden die Jugendlichen ab dem 16. Geburtstag einfach ihre Einschätzung ändern, wie schädlich das "Koma-Saufen" am Wochenende sei. "Dieses Ergebnis spricht für eine normative Kraft des gesetzlichen Schutzalters, die auch die Einschätzung der Gefahr beeinflusst. Die Jugendlichen denken anscheinend, wenn es gesetzlich erlaubt ist, dann kann auch starker Alkoholkonsum gar nicht so schädlich sein", fasst der Forscher zusammen.

Soll Schutzalter erhöht werden?

Besonders stark sei der Anstieg des Alkoholtrinkens ab 16 Jahren bei Burschen und bei sozial benachteiligten Jugendlichen, ergänzt Ahammer. Dies vor dem Hintergrund, dass europäische Länder beim Alkoholkonsum weltweit an der Spitze liegen.

Das Fazit der Forscher: "Wenn die Politik Jugendliche aus prekären Familienverhältnissen vor Alkoholmissbrauch schützen möchte, könnte man eine schrittweise Anhebung des Mindestalters in Erwägung ziehen."

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