Austria

"Weihnachtskonzerte sind heilsam für mich"

Warum ihn der weihnachtliche Liedklassiker „Es ist ein Ros entsprungen“ enttäuscht hat und wie er sich in Sinatra, Astaire und Crosby „verschaut“ hat, verrät der 54-Jährige im Interview.

„The Christmas Show“ wird als ein „kultig-amerikanisches Entertainmentkonzert“ beworben. Darf man in Zeiten von Trump überhaupt noch mit dem Wort „amerikanisch“ werben?

Viktor Gernot: Aber unbedingt! Weil das, was wir hier tun, überhaupt nichts mit einer Ära Trump zu tun hat. Ich berufe mich auf Zeiten, in denen die Amerikaner noch „Voll-Helden“ waren. Erstens, weil sie die Nazis aus Europa und der Welt geschmissen haben und sie das Land danach mitaufgebaut haben. Und zweitens, weil sie uns Musiker, Tänzer und Sänger wie Bing Crosby, Fred Astaire und Frank Sinatra geschenkt haben. Auch das alte Hollywood, seine Filme und „White Christmas“. Ich stelle hier die positiven Konnotationen her.

Crosby und Sinatra stehen ja beinahe schon für nostalgische Klänge. Wie sind deren Melodien zu Ihnen gekommen?

Ich bin ein 1965er-Jahrgang. Ich habe Anfang der 1970er-Jahre das erste Mal fernsehen dürfen, als diese alten Hollywood-Schinken mit ihren Songs im ORF gespielt worden sind. Und ich glaube, „Holiday Inn“ (Tanzfilm aus 1942, mit Crosby und Astaire, Anm.) war wie eine Erweckung für mich. Wenn Crosby mit seiner Pfeife auf die Glockerl auf dem Christbaum klopft und singt (Gernot intoniert im sonoren Crosby-Stil „I’m Dreaming Of A White Christmas“). „White Christmas“ wurde auch meine erste Langspielplatte.

Crosby und Astaire, aber auch die Frauen dieser Zeit wie Rita Hayworth hatten eine ganz besondere Lässigkeit, eine aus heutiger Sicht entschleunigende Coolness. Suchen Sie diese auch in Ihrem Leben, in unserer schnellen Welt?

Ja, sicher. Obwohl diese „Entschleunigung“ auch schon wieder ein oft strapazierter Begriff ist, gehört das für mich in der Vorweihnachtszeit absolut dazu – als Wunsch. Denn ich weiß, dass natürlich zum Jahresende alles zusammenläuft. Alle wollen das noch abgeschlossen und dies erledigt haben, jenes soll noch gebucht sein. Eigentlich, so fürchte ich, wird es wohl immer hektischer. Es ist für mich auch nicht leicht, langsamer zu sein, weil ich ja immer eine Tournee spiele. Aber die Konzerte selbst sind heilsam für mich. 

Warum?

Weil ich auch spüre, wie die Menschen – mit uns auf der Bühne – gemeinsam runterkommen. Wir leben einfach in einer Zeit, in der viele Leute wahnsinnig darauf achten, dass sie ja mehr als 10.000 Schritte am Tag machen, da muss auch gleich die Pulsuhr dabei sein. Es ist sehr vieles auf Produktivität ausgelegt und auf den Gedanken: Zahlt sich das überhaupt aus? Diese Tage und Abende, die ich als Weihnachten betrachte – und die dann auch oft „Christmas“ heißen – gehen gegen diesen Trend. 

Was wurde im Hause Gernot eigentlich zu Weihnachten daheim gesungen? 

Meine Mama ist ja eine echte Oberösterreicherin. Und wir – sie, meine drei Brüder und ich – haben jeden Adventsonntag die Kerzen auf dem Kranz angezündet und die traditionellen Lieder gesungen. An den Weihnachtsfeiertagen sowieso – mit der Oma, den Tanten, Cousinen ist so richtig gesungen worden.

Beinhart Traditionelles wie „Es wird scho glei dumpa“?

Ja, ja. Was mir als Kind so gut gefallen hat, war „Es ist ein Ros entsprungen.“ Ich habe mir immer gedacht, irgendwo ist ein Pferd hinausgesprungen (lacht). 

Gut, dass wir das noch einmal vor Weihnachten klären, damit sind alle Irrtümer ausgeräumt. 

Als ich 21 Jahre alt war, haben sie mir dann gesagt, dass damit kein Ross gemeint ist (lacht, schnauft und wiehert im Grundton ungelöster Enttäuschung).

Was es noch zu klären gilt: Viktor Gernot tritt in Linz mit „His Best Friends“ auf. In welchen Menschen findet ein Künstler einen echten Freund?

Nachdem ich inzwischen seit mehr als 30 Jahren im Geschäft bin, sind viele meiner Freunde tatsächlich Kollegen und Kolleginnen. Auch weil ich lange sehr intensiv gearbeitet habe. Ich bin noch immer fleißig, aber in den 90er- und Nullerjahren war ich sehr wild, fast manisch unterwegs. Da hätte ich gar keinen anderen Umgang pflegen können. 

Und Ihre Band? 

Wir spielen seit 31 Jahren zusammen, mindestens drei der Musiker kenne ich seit 1985. Und wenn ich sie alle als meine besten Freunde bezeichne, passt das. Das sind Menschen, die mich in guten wie in schlechten Zeiten begleiten. Ich hoffe, dass ich für sie auch dazuzähle. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, für die ich so etwas wie ein Bekannter bin, weil ich aus dem Fernsehkastl schau. 

Wie zeigt sich das?

Sie grüßen mich wie einen Bekannten. Und ich denke, ihnen ist oft gar nicht klar, dass sie den Viktor Gernot grüßen. Ich bin ein vertrautes Gesicht. Wenn sie mich dann tatsächlich als Viktor Gernot erkennen, ist da meistens ein Lächeln dabei. Und ich denke mir: Die hatten mit mir einmal eine schöne Zeit.

Wieso haben Sie Ihren Vater nicht bei den familiären Singereien aufgezählt? 

Er hat nicht dürfen. Er ist begeisterter Musikhörer, aber als Sänger hätte er den Chor schwerst gefährdet.