Austria

Wege aus der Bier-Krise

Ottakringer-Geschäftsführer Matthias Ortner 

© Kurier/Gilbert Novy

08/02/2020

Bierbrauer müssen mit Umsatzeinbrüchen rechnen. Die Gegenstrategie der Ottakringer Brauerei ist ein Mix aus Tradition, neue Sorten und Events.

von Andreas Anzenberger

Die heimischen Bierbrauer haben vor der Ausbreitung des Coronavirus vieles richtig gemacht. Die Ottakringer Brauerei etwa setzt auf regionale Landwirtschaft. Die Braugerste für die Biersorte „Wiener Original“ wird auf 105 Hektar nur im Bundesland Wien angebaut, betont der Geschäftsführer der Ottakringer Brauerei, Matthias Ortner. Die Bauern freuen sich über den höheren Gerstepreis und Ottakringer macht mit der Einkaufspolitik fleißig Werbung. Regionale Produkte sind nun mal im Trend.

Das „Wiener Original“ wird nach einer alten Wiener Rezeptur gebraut und ist mittlerweile nach dem „Ottakringer Helles“ die Nummer zwei beim Verkauf. Bei den Bier-Spezialitäten steigt die Nachfrage. Das Ottakringer BrauWerk versorgt die Freunde des Craftbiers.

Eigentlich ist das eine erfolgversprechende Strategie, doch dann hat die Corona-Krise den Biermarkt einbrechen lassen. In den vergangenen Jahren war der Bierkonsum in etwa konstant. Seit dem Jahr 2000 ist der Pro-Kopf-Verbrauch jedoch leicht gesunken. Der Markt wächst nicht, sondern schrumpft.

Jeder gegen jeden

Es gab daher schon vor der Corona-Krise einen Verdrängungswettbewerb am heimischen Biermarkt. Was eine Brauerei an Marktanteilen gewinnt, muss eine andere verlieren. „Weil der Markt nicht wächst, ist das Geschäft härter geworden“, erklärt Ortner die Lage. „Wir müssen uns darauf einstellen.“

Die Ottakringer Brauerei war vergangenes Jahr mit einer Jahresproduktion von rund 500.000 Hektoliter die Nummer drei hinter der Brau Union mit mehr als fünf Millionen Hektoliter und der Salzburger Stiegl Brauerei mit 890.000 Hektoliter.

Heuer werden alle verlieren, weil der Umsatzrückgang in der Gastronomie nicht kompensiert werden kann. Das verschärft den Verdrängungswettbewerb. Die Befürchtung der Branche lautet, dass ein Teil der Gastronomie, etwa Lokale der Nachtgastronomie, überhaupt nicht mehr aufsperren.

Das würde den Markt auf Dauer verkleinern, den Konkurrenzkampf weiter verschärfen und in manchen Brauereien zu finanziellen Problemen führen. Eines ist schon heute klar: Alle Gastronomiebetriebe werden die Krise sicher nicht überstehen.

Wichtige Wirte

Im Vorjahr wurden von den 298 heimischen Brauereien insgesamt 8,61 Millionen Hektoliter Bier für den Inlandsmarkt produziert. Der Anteil der Gastronomie am Verkauf liegt bei den meisten Brauereien zwischen 35 und 50 Prozent. Wann es wieder uneingeschränkt große Festveranstaltungen und Abendgastronomie geben wird, lässt sich nicht abschätzen. Die Umsätze der Brauereien werden wohl um mindestens 40 Prozent sinken.

Auch der größte Bierbrauer in Österreich, die Brau Union, sorgt sich um die Gastronomen. Neben einem Gratisausschank wurde auch ein Schankservice eingerichtet. Damit die Schankanlagen wieder in Betrieb genommen werden können, müssen sie gereinigt und gewartet werden. Die Brau Union hat nach eigenen Angaben für diesen Zweck bisher mehr als eine Million Euro ausgegeben.

Natürlich bemüht sich auch Ottakringer um die Wirte. Das Ottakringer Zwickl Rot wird exklusiv für die Gastronomie gebraut. Zum Sortiment gehören etwa auch ein Pilsbier oder ein Biobier. Zuletzt hat Ottakringer das Angebot an Radlersorten erweitert. Außerdem wurde ein Lieferservice aufgebaut.

Eventlocation

Das alte Brauereigelände in Wein-Ottakring ist längst mehr als nur eine Brauerei. „Unsere besondere Position in Wien stärken wir mit der Brauerei als Eventlocation. Wir hatten in der Brauerei bisher jährlich rund 250.000 Besucher“, freut sich Ortner.

Derzeit läuft dort das Ottakringer Bierfest. Selbstverständlich werden alle medizinischen Vorgaben zum Schutz vor dem Coronavirus eingehalten.

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