Austria

Vorbild Papst: Bischof zieht nicht in Residenz

Der Neue an der Spitze der Diözese, Josef Marketz, will das Gespräch mit Vorgänger Alois Schwarz suchen. Im Zentrum stünde für ihn das Anliegen von Franziskus: den Blick auf die Armen zu richten.

Klagenfurt. Das Anforderungsprofil eines Bischofs ändert sich mit jedem Papst ein wenig. Besonders groß fällt diese Änderung unter Franziskus aus. Fahnenfragen wie die Ablehnung von Pille und Kondom oder das unbedingte Festhalten am Zölibat gehören der Vergangenheit an. Jetzt wird die Nähe zu den Armen und den Rändern der Gesellschaft gepredigt.

Der Kärntner Caritas-Direktor, Josef Marketz, entspricht diesem Profil ideal. Der 64-jährige Kärntner Slowene wird am 2. Februar zum Bischof von Gurk-Klagenfurt geweiht. Bei seiner ersten Pressekonferenz am Freitag kündigte er an, seine Amtsführung an die Grundsätze von Franziskus anlehnen zu wollen. Den Blick nicht von vielfältig in physischer und psychischer Armut Lebenden abzuwenden sei ein Hauptanliegen des Papstes. Sein Leitspruch als Bischof: „Deus caritas est“, Gott ist Liebe. Diesen Titel trägt übrigens auch eine Enzyklika Benedikts XVI.

Dieses Anliegen werde seinen bischöflichen Dienst in Prioritätensetzung und Lebensstil „hoffentlich tiefgehend bestimmen“, sagte Marketz. In diesem Zusammenhang gab er bekannt, dass er nicht in die bischöfliche Residenz übersiedeln wolle. Marketz: „Ich möchte in meiner Wohnung bleiben und von dort jeden Tag zur Arbeit gehen.“ Auch hier eifert der neue Bischof dem Papst nach, der nicht im apostolischen Palast, sondern im Gästehaus des Vatikans wohnt.

Über die Vorgänge in der Diözese Urteile zu sprechen stehe ihm nicht zu, betonte Marketz. Fehlentwicklungen zu stoppen oder einem Veränderungsprozess zuzuführen werde zweifellos seine Aufgabe sein. Gegen Vorgänger Alois Schwarz sind mehrere Verfahren bei der Justiz anhängig. Es geht unter anderem um Wohnungsverkäufe und den Vertrag mit einer Mitarbeiterin, die ihm besonders nahegestanden sein soll.

„Nicht unter Teppich kehren“

Der Frage, wie er mit dieser Hinterlassenschaft umgehen werde, wich Marketz aus: „Bevor ich Fehlentwicklungen benenne, möchte ich mit Beteiligten sprechen, Lösungen finden und aufzeigen. Ich möchte sie nicht unter den Teppich kehren.“ Er wolle mit Alois Schwarz sprechen: „Ich möchte schon erreichen, dass Bischof Schwarz nach Kärnten auf Besuch kommen kann.“ (APA/red.)