Austria

Von Elvis bis Gabalier: Warum die "Impfluencer" so viel Einfluss haben

Sepp Forcher ist mit seinen 90 Jahren prominentes Testimonial der Kampagne "Österreich impft"

© ORF/Anton Wieser

Promi-Prävention: Die Impf-Debatte zeigt, dass es in der Medizin auch auf bekannte Vorreiter ankommt.

von Julia Pfligl

Die Aufregung war groß, als sich Andreas Gabalier – anders als sein Idol Elvis Presley, der sich 1956 vor laufenden Kameras gegen Kinderlähmung impfen ließ – gegen Impfungen aussprach. "Ich glaube, dass man uns als Kind viel zu viel hineingespritzt hat. Das weiß man ja heute. Vom Hausverstand her glaube ich, dass ein Medikament, das bei schweren Verläufen hilft, besser wäre", so der Musiker Mitte November im Magazin Weekend

Gestern Abend ruderte der steirische Schlagerstar zurück: "Sollte der Impfstoff je bereitgestellt werden, werde natürlich auch ich mich impfen lassen", sagte er in einem Facebook-Video. Er sehe darin momentan den einzigen Weg, je wieder in vollen Stadien zu spielen. Dennoch sei er "verwundert", dass man ihm mehr Glauben schenke als erfahrenen Politikern oder Virologen. 

Prominente wie Gabalier könnten viele Impfskeptiker in ihrer Entscheidung beeinflussen, gab die Psychologin Ulrike Schiesser Anfang Jänner im KURIER-Interview zu bedenken. 

„Wir wissen aus der Kommunikationspsychologie, dass Menschen Vorbilder, Rolemodels brauchen“, bestätigt Michael Kunze, Professor für Sozialmedizin. Kampagnen mit bekannten Meinungsmachern („Influencer“) aus Sport, Medien und Kultur würden wesentlich zu einer Steigerung der Impfbereitschaft beitragen – den Namen Gabalier könnte man genauso gut durch DJ Ötzi, Nina Proll oder Hermann Maier ersetzen.

Gute Testimonials sollten glaubwürdig sein und einen hohen Bekanntheitsgrad haben, sagt Kunze. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, brauche es unterschiedliche Identifikationsfiguren: „Ein Gabalier spricht ein bestimmtes Segment an, aber sicher nicht alle.“ 

Promi vs. Primar

Als Beispiel für eine erfolgreiche Präventionskampagne mit Promi-Faktor nennt Kunze den russischen Filmschauspieler und Kettenraucher Yul Brynner, der kurz vor seinem Lungenkrebs-Tod 1985 gegen Zigaretten mobil machte. „Solche Stimmen haben oft mehr Einfluss als der Professor oder der Primar – bei denen denkt man sich eher, der muss das ja sagen“, erklärt Kunze.

Im Idealfall entpuppt sich der Einsatz für die öffentliche Gesundheit als Win-Win-Situation: Stars wie Elizabeth Hurley, die sich seit Jahren für Brustkrebsvorsorge stark macht, konnten mit dem Engagement für die gute Sache auch ihr Image aufpolieren.

Im Rahmen der „Österreich impft“-Kampagne werben neuerdings betagte Publikumslieblinge wie Waltraut Haas, Sepp Forcher und Hugo Portisch für das Vakzin. Auch Europas Königshäuser setzen auf Vorbildwirkung: Neben Queen Elizabeth, ihrem Gatten Philip und der dänischen Königin Margrethe machte nun auch das schwedische Königspaar seine Impfung öffentlich, um möglichst viele Menschen von der Sicherheit des Impfstoffs zu überzeugen.  

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Während bekannte Politiker wie Kamala Harris oder Benjamin Netanyahu bereits öffentlich geimpft wurden, sind österreichische Regierungsvertreter in einem Dilemma: "Wenn sie sich jetzt impfen lassen, wirft man ihnen vor, dass sie sich vordrängen. Tun sie es nicht, könnte man meinen, sie hätten Angst", erläutert Sozialmediziner Kunze. "Ein Ausweg wäre, dass sie ihre Eltern oder Großeltern impfen lassen."

Ein Fragezeichen sieht Kunze derzeit noch bei der jungen Klientel. Stars wie Paul Pizzera, der jüngst seine Vorfreude auf die Impfung kundtat, sind jedenfalls ein Lichtblick. Auch die echten "Influencer", Menschen, die in den sozialen Medien eine hohe Reichweite erzielen und Nutzer bei ihren Kaufentscheidungen beeinflussen, könnten beim Impfverhalten der Jungen noch eine wichtige Rolle spielen. 

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