Austria

Vom Hudeln und Uhudeln

Der zur Werbefläche gewordene Slogan ist nicht zu übersehen. Da zuckelt man im Auto in gebotenem 30er-Tempo auf den größten Kurort des Burgenlands zu und liest: "Slow down and relax." Owa vom Gas, hieße das im Jugendsprech. Oder, auf gut Österreichisch: Nur net hudeln, entspånn di. Wie immer man es nimmt: Mit der Bremswirkung, die das Avita Resort verspricht, lässt sich gut leben. Gerade in Corona-Zeiten, in denen zum Abstand von der Nähe geraten wird. Die Wohlfühl-Oase breitet sich großzügig aus, innen wie außen. Rund um die Therme, in deren zahlreiche Becken und Pools warmes Nass aus 900 Metern Tiefe sprudelt, fächern sich Liegewiesen mit schilfbedeckten Sonnenschirmen und ein Naturbadeteich mit 13 Stegen mit Picknickkorbservice auf. In mehr als zwanzig Saunakabinen, einige davon Ladys vorbehalten, öffnen sich die Poren. Mit einer Ausnahme: In der exklusiven Schneesauna, in der Temperaturen zwischen fünf und elf Grad unter null herrschen, kühlt man sich mit Pulverschnee ab.

Vom Hudeln und Uhudeln

Wer an seine Haut statt Stoff nur Wasser und Sonne lassen will, fühlt sich im "Sauna Garten Eden" gut aufgehoben, wo u. a. zwei Schwitzstuben dem burgenländischen Uhudler-Wein gewidmet sind und sich im Nacktschwimmbecken Massagedüsen um den Körper kümmern. Letzteres ist allerdings nichts im Vergleich zu einem Handwerk, das selbst während einer "Sommerfrische dahoam" gefühlsmäßig tausende Kilometer nach Westen versetzt – zumindest für 50 Minuten. So lange währt das aus Hawaii stammende Massage-Glück Lomi Lomi Nui im Avita Premium Spa. Zu hawaiianischen Klängen arbeitet sich Masseurin Szilvia am Kokosnussöl-getränkten Körper mit tänzerischen Bewegungen ab, von den Zehen bis zu den Ohren, da bleibt (fast) kein Stückchen unberührt. "Das ist auch gut für die Seele", sagt sie, "denn alles Kranke kommt von der Seele."

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Hofladen-Betreiberin Erna Deutsch

Tiefenentspannt geht es ans Entdecken, zum Beispiel im Windschatten von Peter Prisching. Der Avita-Resort-Geschäftsführer lässt es sich nicht nehmen, Gäste auf einer bis zu zweistündigen Tour mit E-Mountainbikes, die Hotelkunden gratis zur Verfügung stehen, zu den Lieblingsplatzerln seiner Heimat zu führen.

Entschleunigung kennt – nur ein paar Pedalumdrehungen vom Avita entfernt – auch eine edel-süße Form. Die zarten Versuchungen in Edgar Spiegels Pralinenmanufaktur wollen nicht hurtig verputzt, sondern achtsam zwischen Zunge und Gaumen geschmolzen werden, um ihre Aromen zu entfalten. 132 Sorten haben die Kakao-Veredler im Repertoire, 60 liegen stets in den Vitrinen zur Wahl, darunter saisonale Schokoladen-Schöpfungen wie aktuell Holunderblüten-Marzipan, Erdbeer-Schwarzer-Pfeffer, Marillen-Rosmarin-Karamell oder Zitronenmelisse. Die Genussstücke werden im Schaukeller des Restaurant-Hotel-Betriebes in Handarbeit gefertigt.

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Weinstöckl am Csaterberg

Die Pralinen sind im wahrsten Sinne mit Liebe gemacht. Denn das Handwerk nahm Edgars holländische Frau Evelien als gelernte Chocolatiére aus Amsterdam mit nach Bad Tatzmanndorf in die seit dem Jahr 2000 bestehende, einzige Pralinenmanufaktur des Burgenlands. "Mit Schnaps-Weichsel und Walnuss hat alles begonnen", sagt der 50-jährige Hausherr, der mit seiner Frau an den Geschmacksrichtungen tüftelt. Persönlich kommt er ins Frohlocken, wenn Thymian-Amaretto oder Himbeere-Safran auf seiner Zunge zergehen. Ab und zu darf es Ausgefallenes sein, etwa die Verbindung feinster Schokolade mit getrocknetem Kaviar. Das schwarze Gold bezieht Spiegel von Romeo Schermann, der Sibirische Störe in Naturteichen im nahen Mariasdorf aufzieht. Dessen Schwester Silvia Schermann beliefert die Chocolatiers mit dem teuersten Gewürz der Welt, das auf Äckern in der Ortschaft Bergwerk blüht: Safran.

Doch auch ohne Beigaben betören Tafeln mit hohem Kakaoanteil. Edgar Spiegel schnappt sich einen kolumbianischen Schokosplitter. "Fruchtig, Zitrus, Maracuja", beschreibt er, was er schmeckt. "Passt gut zum Wein – das hab ich während Corona ausführlich getestet", sagt er und grinst.

Weil Hotelier Prisching seine Wellness-Gäste motiviert, die südburgenländische Weite zu suchen, rollt der Radl-Konvoi weiter, vorbei an Feldern, im Schatten von Wäldern, im sanften Auf und Ab. Für imposante Erhebungen ist das jüngste Bundesland – das Burgenland

wurde 1921 von Ungarn offiziell an die Republik übergeben – nicht gerade berühmt. Als höchster Punkt reckt sich der Geschriebenstein 844 Meter empor. Dennoch kommt dem Pedaleur die kleine Hilfe der Batterie nicht ungelegen. "Auch wenn man's nicht glaubt: Bei uns sind 1300 Höhenmeter auf einer eineinhalbstündigen Tour möglich", sagt Prisching, der immer wieder neue Avita-Touren vermisst, die man sich aufs Handy laden kann.

Sich abzustrampeln ist jedenfalls ein Leichtes, da sich ab Bad Tatzmannsdorf in sieben Radrouten einmünden lässt. Wege führen etwa zur Willersdorfer Schlucht, in die Naturparks Geschriebenstein und Weinidylle, zu dem auch der Csaterberg gehört. Die Geometrie der Reben prägt die Hänge unterhalb der schmalen Straße, an der sich Weinstöckl an Weinstöckl reiht. Im Schatten der Bäume einer urigen Buschenschank klingen die Achterlgläser. Doch wird hier nicht nur Wein gelesen. 31 Stationen entlang des Literaturweges gewähren einen Blick in das Schaffen zeitgenössischer burgenländischer Autorinnen und Autoren.

Uhudler statt Wurstsemmel

Einen Bestseller, kulinarisch betrachtet, findet man etwas abgeschieden bei Kulm im Burgenland, wo zwei Künstler in ihren Rollen als leidenschaftliche Weinbauern und Gastgeber aufgegangen sind. Prostrumer Weinberg 53 lautet passenderweise die Adresse von "Weineks Schenkhaus". Eva Weinek, studierte Theaterwissenschafterin und Dramaturgin, setzt ihr Meisterdiplom in Weinbau und Kellerwirtschaft im eigenen Betrieb in Hagendorf um. Schauspieler Martin Weinek, als TV-Kieberer 13 Jahre lang Wurstsemmel-Lieferant für den vierbeinigen Kommissar Rex, war das Vergären des Traubensaftes seit einer kleinen Ewigkeit Hobby. Die beiden haben mit ihrer stimmig dekorierten Schenke nicht nur ein Platzerl mit köstlichen, feinen Schmankerln wie Mangalica-Speck oder Wildschwein-Kotelett und fabelhafter pannonischer Aussicht geschaffen, sondern sich auch dem Uhudler verschrieben.

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Mangalica-Schmankerl und Uhudler-Frizzante in Weineks Schenkhaus

Jahrzehntelang war die regionale Rarität verboten oder als beschränkter Haustrunk geduldet, ehe ihm das nationale Weingesetz eine Rutsche in die Legalität legte. Den Bann "verdankte" die Cuvée ihren Reben mit Migrationshintergrund. Sorten wie Concord, Delaware, Noah oder Elvira wurden vor mehr als 100 Jahren aus den USA eingeführt, nachdem die Reblaus den europäischen Weinstöcken den Garaus gemacht hatte. Der Wein aus diesen sogenannten Direktträgern traf nicht unbedingt den Geschmack der Alten Welt – weshalb auf die robusten, gegen den Parasiten resistenten amerikanischen Wurzeln die edlen heimischen Sorten aufgepfropft wurden. Trotzdem fanden sich Winzer, denen die Unveredelten gefielen. Heute dürfen 25 Gemeinden in den Bezirken Güssing und Jennersdorf mit der Marke Uhudler werben, die pur, gespritzt, als Frizzante, Traubensaft oder Tresterbrand serviert wird.

Burgenländer Kipferl

Bei Erna und Karl Deutsch in Bad Tatzmannsdorf kommt das rötliche Getränk als Heckenperle auf den Tisch, weil der Name Uhudler eben gebietsgeschützt ist. Seit sechs Jahren führen sie einen feinen Hofladen, in dem Brot, Aufstriche und Marmeladen angeboten werden. Karl, der sich gut zwei Jahrzehnte lang um das Grün des zu den Erwachsenen- und Familien-Wellness-Hotels "Reiters Reserve" gehörenden Golfplatzes kümmerte, brennt sortenreine Schnäpse, heuer hat er sich erstmals am Gin versucht. Wenn Erna eine Verkostung mit Brötchen und Burgenländer Kipferln begleitet, mag man schon einmal versumpfen.

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Pralinen-Macher Edgar Spiegel

Womit wir beim Moor sind, das zu den heilenden Schätzen des Kurortes zählt, die das Reduce-Gesundheitsresort mit sechs Hotels und dem modernisierten Kurmittelhaus anwendet. Seit 400 Jahren weiß man um die wohltuende Wirkung des Kohlensäuremineralwassers, das aus zwei Quellen sprudelt, dazu kommt das mit 34 Grad aus der Tiefe steigende Thermalwasser.

Und überall gilt: Slow down and relax. Nur net hudeln, entspånn’ di.

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