Austria

"Vom gesunden Betrieb zum Bittsteller bei der Regierung"

"Wenn ich mit meiner Frau durch die Geschäfte gehe und die Ware hängen sehe, dann tut mir das Herz weh", sagt Karl Mayr, Geschäftsführer der Modekette Fussl mit Stammsitz in Ort/Innkreis. Bis Mitte März sei das Geschäft sehr gut gelaufen. Nun liegt der Ausfall bei 100 Prozent – und das in der umsatzstärksten Zeit im ersten Halbjahr.

Fussl betreibt in Österreich und Bayern 180 Filialen, 1200 Mitarbeiter sind beschäftigt. Der Umsatz lag im Vorjahr bei 170 Millionen Euro. Rund 95 Prozent der Mitarbeiter wurden zur Kurzarbeit angemeldet. Die Lager seien voll, sagt Mayr: "Die Frühlings- und Sommerkollektion ist zu 80 Prozent geliefert und zu 100 Prozent bezahlt."

Einnahmen hat Fussl derzeit keine: Einen Onlineshop gibt es nicht, was der Chef nicht bereut: "Mode ist im Moment einfach nicht gefragt, weil die Leute daheim sind." Das zeigt auch das Beispiel des Onlineriesen Zalando: Im ersten Quartal werde ein bereinigter Betriebsverlust von rund 28 Millionen Euro anfallen, wie das börsenotierte deutsche Unternehmen am Montag bekannt gab.

"Mode ist verderbliche Ware"

Wann die Geschäfte in Österreich wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen, ist offen: Mayr rechnet mit "Ende April, Anfang Mai". Dann hänge auch viel von der Witterung und vom Verhalten der Konkurrenz ab, wie viel noch regulär verkauft werden könne: "Bananen sind nach drei Tagen alt, Mode nach drei Monaten", sagt Mayr. Sie sei verderblich, bei 30 Grad brauche niemand eine Frühlingsjacke.

"Ich hoffe auch auf eine gewisse Solidarität unter den Händlern, damit die Rabattschlachten nicht schon im Juni beginnen." Denn alle müssten ihre Lager leer bekommen: Im August kämen die Herbst- und Winterkollektionen an. Was nicht verkauft werden könne, gehe an die Outlets. Was dann noch übrig ist, kommt karitativen Zwecken zugute.

Um den Betrieben zu helfen, brauche es so schnell wie möglich Regeln, damit die Banken die Hilfskredite für die Unternehmen freigeben könnten. Von deren Ausgestaltung werde auch abhängen, wie viele Händler die Krise überstehen. Mayr rechnet hier mit einer Bereinigung des Marktes.

Mittelfristig brauche es ein einfaches und transparentes System, wie der Schaden vergütet werde: Ein Ersatz von 60 bis 70 Prozent des Wareneinsatzes sei wahrscheinlich.

Über die Zukunft von Fussl macht Mayr sich keine Sorgen: Man sei ein gesunder Betrieb. Die Kunden würden sich freuen, wenn die Geschäfte wieder geöffnet hätten, außerdem werde derzeit nicht viel Geld ausgegeben. Das Fazit ist dennoch bitter: "Binnen einer Woche sind wir vom gesunden Unternehmen zum Bittsteller bei der Regierung geworden."

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