Austria

Volkswagen: Ausblick etwas optimistischer

Volkswagen results

© EPA / FOCKE STRANGMANN

3,2 Milliarden Euro Betriebsgewinn im dritten Quartal. Kostensenkungen und Liquiditätssicherung zeigen Wirkung.

Der deutsche Volkswagen-Konzern geht dank des starken China-Geschäfts, voller Auftragsbücher und eines nach wie vor hohen Sparpotenzials vorsichtig optimistisch in die letzten Monate des Jahres. "Wir rechnen damit, dass sich die Erholung im vierten Quartal fortsetzt und es zu keinen Lockdowns in größeren Märkten kommt", sagte Finanzvorstand Frank Witter am Donnerstag bei Präsentation der Quartalsbilanz.

Wie zuvor Daimler und andere Hersteller schaffte der weltgrößte Autobauer aus Wolfsburg im Zeitraum Juli bis September die Rückkehr in die Gewinnzone - und trat dabei weniger stark auf die Kostenbremse als andere. Der Betriebsgewinn war mit 3,2 Milliarden Euro um ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum, war aber höher als Analysten erwartet hatten. Die VW-Aktien legten in der Spitze um 3,2 Prozent zu, danach bröckelte der Kurs etwas.

Auch von anderen Autobauern waren zuletzt positive Signale gekommen, weil sich die Nachfrage seit dem Lockdown im Frühjahr erholt hat und das Geschäft auf dem weltgrößten Pkw-Markt in China wieder brummt. So kehrte Daimler überraschend schnell in die Erfolgsspur zurück und steigerte den Betriebsgewinn im dritten Quartal dank der anziehenden Nachfrage und seines strikten Sparkurses massiv.

Beim bayerischen Konkurrenten BMW sorgten ein deutliches Absatzplus und die angekündigten Einsparungen dafür, dass mehr Geld in die Kassen floss. BMW will seine Zahlen kommende Woche vorlegen. Fiat Chrysler kehrte dank starker Geschäfte in Nordamerika in die Gewinnzone zurück und traut sich wieder eine Prognose zu. Die steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass es zu keinen weiteren Einschränkungen wegen der Pandemie kommt.

"Porsche, das Geschäft mit Finanzdienstleistungen und China sind die Ertragslieferanten auch in schwierigen Zeiten", sagte Autoanalyst Frank Schwope. Ohne diese drei Stützen hätte der Konzern nach seinen Berechnungen nach neun Monaten einen deutlichen Verlust ausgewiesen. Die Auslieferungen der Sportwagentochter schrumpften in diesem Zeitraum um 5,3 Prozent und damit nicht so stark wie im Volumensegment.

Noch geringer war der Rückgang bei den Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini, die weniger stark von der Krise betroffen waren als das Volumensegment. Die Rendite von Porsche war mit 10,8 Prozent immer noch zweistellig. Audi kehrte nach einem positiven dritten Quartal knapp in die Gewinnzone zurück. Dagegen schrieb die Hauptmarke VW Pkw weiter operativ rote Zahlen, verbesserte ihr Ergebnis im dritten Quartal jedoch um rund 500 Mio. Euro gegenüber Ende Juni.

Die chinesischen Joint Ventures, deren Ergebnisanteil der Konzern im Finanzergebnis verbucht, überwiesen 2,6 (Vorjahr 3,2) Mrd. Euro nach Wolfsburg. Der Vorsteuergewinn schrumpfte nach neun Monaten auf 2,3 Mrd. Euro und war damit um 12,3 Mrd. Euro niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Den Ausblick für das laufende Jahr bekräftigte der Vorstand um Konzernchef Herbert Diess. Demnach werden Auslieferungen und Umsatz deutlich unter dem Vorjahr erwartet. Beim Betriebsgewinn geht Volkswagen unverändert von einem "gravierend rückläufigen", aber insgesamt positiven Ergebnis aus.

Die Netto-Liquidität im Automobilgeschäft werde sich voraussichtlich in der Größenordnung des Vorjahres bewegen. Hier hatte das Management bisher einen Rückgang erwartet. Auch für den Ausblick beim Mittelzufluss (Netto-Cashflow) im Automobilbereich ist Volkswagen einen Tick optimistischer. Der Umsatz der Sparte Finanzdienstleistung werde auf Vorjahreshöhe liegen. Bisher war VW von einem Rückgang ausgegangen.

Das Geschäft bleibe wegen der Covid-19-Pandemie unter Druck, erklärte Finanzchef Frank Witter. "Zugleich zeigt die deutliche Erholungstendenz im dritten Quartal, wie robust unser Unternehmen aufgestellt ist." Trotz der Belastungen sei es gelungen, deutliche Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie zu machen, etwa durch den weiteren Ausbau der E-Mobilität und die Stärkung der Digitalkompetenz. Hierfür investiert Volkswagen nach wie vor viele Milliarden Euro.

Mit Blick auf die schärferen Klimavorgaben räumte Vertriebschef Christian Dahlheim ein, es sei nicht sicher, ob Volkswagen die CO2-Flottenwerte in diesem Jahr erreichen werde. "Das ist sicherlich ein hartes Rennen." Dahlheim betonte, Volkswagen werde "keinen Unsinn machen" und etwa elektrische Fahrzeuge durch Tageszulassungen günstig in den Markt drücken. "Wir werden es, wenn, mit gesundem Geschäft machen."

Man werde auch nicht künstlich Verbrenner zurückhalten. Die angespannte Ergebnis- und Liquiditätssituation würde dies nicht erlauben. "Das wird knapp, aber wir haben das Ziel noch nicht aufgegeben", sagte Dahlheim. Witter fügte auf Analystenfragen hinzu, die von der EU geplante weitere Verschärfung der CO2-Ziele werde herausfordernd, es sei aber keine "Mission impossible".

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