Austria

Van der Bellen an Nation: "Will ehrlich mit Ihnen sein"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich Donnerstagabend in einer bewegenden Rede an die Nation gewandt. Die TV-Ansprache wurde zur Primetime auf sämtlichen ORF-Programmen durchgeschaltet und auf Facebook gestreamt.

Da war er wieder. Endlich. Wann immer es kritisch wird in diesem Land, sehnen sich die Menschen nach der beruhigende Stimme des ersten Mannes im Staat. In den letzten Tagen hielt sich Alexander Van der Bellen auffällig zurück, ließ der Regierungsspitze die öffentliche Bühne, um die Corona-Maßnahmen zu erklären. Doch der Präsident dürfte nun erkannt haben, dass die triste Aussicht der Bevölkerung zusehends auf das Gemüt schlägt. Und so wandte er sich Donnerstagabend zur Primetime an die Nation. Die Rede wurde auf sämtlichen Sendern des ORF durchgeschaltet und erreichte ein Millionenpublikum.

Die Rede im Wortlaut

Auffallend: VdB begrüßte "Österreicherinnen, Österreicher und alle, die hier leben" und drückte jenen, die wegen des Coronavirus einen geliebten Menschen verloren haben, sein Mitgefühl aus. Dann bedankte er sich bei jenen Personen, die jetzt einen Dienst an der Allgemeinheit leisten und sagte: "Wir alle gemeinsam müssen noch länger durchhalten." Auch an die Einsamen und Kranken hatte er eine Botschaft: "Behalten wir uns unseren Mut und unsere Zuversicht."

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"Große Einschränkungen"

"Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle, die hier leben. Wir sind derzeit alle miteinander mit einer großen Herausforderung konfrontiert. Die Corona-Pandemie verlangt von uns große Einschränkungen und viel Rücksicht. Und wir haben Tote zu beklagen. Allen Angehörigen, die einen geliebten Menschen verloren haben, gilt mein, gilt unser aller ganz besonderes Mitgefühl.

Meine Damen und Herren! Für uns alle miteinander ist diese Situation neu, ungewiss, sie verunsichert uns. Gleichzeitig wissen wir, dass jeder und jede von uns einen Beitrag leisten kann durch eine konsequente Änderung des eigenen Lebensstils für die nächste Zeit. Wir alle miteinander wissen, dass wir erst am Beginn dieser gemeinsamen Anstrengung stehen. Fast drei Wochen sind nun vergangen, seit die österreichweiten Ausgangsbeschränkungen in Kraft getreten sind.

Das ist eine ungewohnt lange Zeit. Und wir alle wünschen uns, sie möge schon vorbei sein.Und dennoch wissen wir: Wir müssen alle gemeinsam noch länger durchhalten.

"Halten wir durch"

Allen alten Menschen, die sich womöglich alleine und isoliert fühlen, allen physisch oder psychisch Kranken, die gerade kämpfen, und ihren Angehörigen,die ihre Zuneigung jetzt nicht im direkten Kontakt beweisen können. All den Ärztinnen und Ärzten und den Menschen im Gesundheitswesen, die schon erschöpft sind und jetzt den Atem anhalten in Erwartung dessen, was noch kommt. Allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich in Gefahr einer Infektion bringen, um anderen beizustehen. Allen Menschen an den Kassen der Geschäfte. All den Unternehmerinnen und Unternehmern, den Freischaffenden, allen Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, all jenen – wie im AMS-, die abertausende Anfragen zu bearbeiten und die beschlossenen Maßnahmen umzusetzen haben. Den Künstlerinnen und Künstlern, die um ihre Existenz fürchten. Allen Eltern, die unter Druck stehen. Und allen Schülerinnen und Schülern, Lehrlingen und Studierenden in unserem Land. Überhaupt allen Menschen, die ungeduldig auf das Ende dieser Krise warten. Ihnen allen sage ich: Halten wir durch! Halten wir durch! Und: Behalten wir unseren Mut und unsere Zuversicht!

"Es wird vorbeigehen"

Liebe Österreicherinnen, liebe Österreicher, und alle, die hier leben, ich will ehrlich zu Ihnen sein: Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis diese Krise überwunden ist. Und ich weiß auch nicht, wie schlimm sie noch wird. Niemand kann das derzeit mit Gewissheit sagen. Aber eine Gewissheit gibt es. Und ich bitte Sie, daran immer zu denken: Es wird vorbeigehen. Die Krise wird vorbeigehen! Bis es soweit ist, werden wir uns für eine Zeit an eine neue Art von Alltag gewöhnen.Wir werden für eine Zeit einige neue Angewohnheiten beibehalten, die einfach nötig sind, damit wir uns alle schützen. Aufs Händeschütteln zu verzichten, daran haben wir uns schon gewöhnt. Öfter Händewaschen behalten wir bei, weil es ja ohnehin sinnvoll ist. Halten wir Kontakt mit allen, die uns wichtig sind, aber wahren wir dabei Distanz. Also, halten wir mindestens einen Meter Abstand zu unseren Nächsten. Auch das haben wir inzwischen gelernt. Das alles ist ein Stück neuer Alltag geworden, genauso wie das Tragen von Mund-Nasen-Schutz beim Einkaufen.Wir werden weiter öfters mittels Telefon oder Videokonferenz miteinander reden, und vielleicht feststellen, dass wir jetzt öfter als vor der Krise mit Familie und Freunden telefonieren. Eine Zeit lang wird es so weitergehen, und wie es aussieht, wird das wohl eine etwas längere Zeit sein. Und wenn es notwendig ist - und es ist notwendig - dann machen wir es. Gemeinsam!

"Neues Miteinander entwickeln"

Weil wir wissen, warum wir es tun: Weil wir jene Menschen schützen wollen, für die diese Krankheit lebensbedrohlich ist.

Wir werden auch in Zukunft ein neues Miteinander entwickeln!

Ein neues Miteinander, wie in den Unternehmen gelebt und gearbeitet werden wird, wie in den Geschäften, den Tourismusbetrieben und den Gasthäusern, den Ämtern und Behörden, den Sozialeinrichtungen, den Krankenhäusern und Arztpraxen, den Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen gelebt und gearbeitet werden wird. Und zu unserem neuen Miteinander gehört wohl auch, dass wir nicht sofort auf jede Frage eine Antwort haben. Sondern dass wir bereit sind, laufend dazuzulernen und unsere Strategien anzupassen.

Meine Damen und Herren, auch, wenn wir jetzt mit unserer Situation hadern, wenn wir sie bisweilen schlecht aushalten.

Es gibt Erkenntnisse, die wir gewinnen können. Und wenn wir das tun, wird diese Krise vielleicht nicht umsonst gewesen sein. Eine Erkenntnis ist ganz offensichtlich: Wir sind stärker und enger miteinander verbunden, als uns das bewusst war.

"Was wir tun, ist das Richtige"

Alles, was wir tun oder lassen, hat Konsequenzen für andere.

Das sehen und beweisen wir in einem positiven Sinn gerade jetzt: Um die Leben unserer besonders verletzlichen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen, hat unsere gesamte Gesellschaft gehandelt. Auch die, die nicht unmittelbar gefährdet sind,

schränken ihr Leben radikal ein. Und nehmen damit einschneidende wirtschaftliche Konsequenzen in Kauf.

Aber wir tun es, weil es das Richtige ist. Weil wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der jedes Leben gleich viel wert ist. In der die, denen es gut geht, auf die schauen, denen es nicht so gut geht. Wir zeigen damit, dass das für uns nicht nur Worte sind, sondern dass uns diese Worte auch etwas wert sind. Und dass wir im Ernstfall danach handeln. Mit der Stärke jedes einzelnen von uns schwächen wir nun alle gemeinsam das Virus! Wir alle erfüllen damit das, woran wir glauben, mit Leben. Wir zeigen Respekt und Selbstlosigkeit und stärken so unsere Gemeinschaft. Ein herzliches Danke dafür.

"Wir kriegen das schon hin"

Und ein Wort noch an die Älteren unter uns: Passen Sie besonders auf sich auf. Bleiben Sie zu Hause. Lassen Sie sich helfen. Bitten Sie um Hilfe etwa beim Einkaufen. Verzichten Sie – vorläufig - auf ein paar lieb gewonnene Gewohnheiten, wie familiäre oder andere Direktkontakte. Ich weiß, das fällt alles nicht leicht. Wir lieben unsere Gewohnheiten. Aber ersetzen wir sie durch neue. Wir kriegen das schon hin! Tun wir es bitte gemeinsam. Schützen wir uns und schützen wir unsere Familie und unsere Freundinnen und Freunde.

Meine Damen und Herren, irgendwann werden wir zurückblicken auf diesen seltsamen, schmerzvollen, unwirklichen Frühling 2020.

Und wir werden feststellen: Es ist vorbeigegangen. Es ist vorbeigegangen! Und wir werden vielleicht besser schätzen können, wie wertvoll und wichtig wir füreinander sind.

Vielen Dank."

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