Austria

USA: Einreisestopp für Europäer soll verlängert werden, Corona-Zahlen dramatisch gestiegen

Die Beschränkung war zunächst auf einen Monat begrenzt. Die USA verzeichnen mittlerweile mehr als 3000 Corona-Tote. Nach Italien werden medizinische Hilfsmittel geschickt.

Der zunächst auf einen Monat begrenzte Einreisestopp der USA für Besucher aus Europa zur Bekämpfung des Coronavirus soll nach Angaben von US-Präsident Donald Trump verlängert werden. Diese und ähnliche Beschränkungen würden in Kraft bleiben und möglicherweise sogar verschärft werden, sagte Trump am Montag bei einer Pressekonferenz.

Die USA sind gemessen an der Zahl der bestätigten Infektionen inzwischen weltweit am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die Zahl der Corona-Toten in den USA stieg bis Dienstag auf mehr als 3000. Das geht aus Daten der Universität Johns Hopkins hervor, die am Montagabend (Ortszeit USA) 3008 Todesfälle verzeichnete. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit Sars-CoV-2 in den Vereinigten Staaten lag demnach bei mehr als 163.000. Damit gibt es in den USA weiterhin mehr bekannte Infektionen als in jedem anderen Land der Welt, noch vor Italien, Spanien und China. Bei der Zahl der Toten liegen die USA hinter Italien, Spanien, China und Frankreich.

Trump ließ bei seiner täglichen Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses offen, bis wann der Einreisestopp, der eigentlich Mitte April auslaufen sollte, andauern soll. Er hatte am Sonntag bekanntgegeben, dass die restriktiven Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie in den USA bis Ende April verlängert werden sollen.

Medizinische Hilfsmittel nach Italien

Seit Mitte März können Menschen aus dem Schengenraum, Großbritannien und Irland nicht mehr in die USA reisen. Ausgenommen davon sind US-Amerikaner, bestimmte Diplomaten und Europäer, die eine langfristige Arbeitsgenehmigung in den USA haben, eine sogenannte Green Card. Auch deren Angehörige sind ausgenommen. Die Regelung sollte zunächst für 30 Tage gelten.

Trump kündigte an, dass die USA medizinische Hilfsmittel im Wert von 100 Millionen Dollar nach Italien schicken wird. Er habe darüber gerade mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte gesprochen. "Giuseppe war sehr, sehr glücklich", so der US-Präsident. Er kündigte an, nach Möglichkeit auch Beatmungsgeräte nach Italien, Frankreich und Spanien zu schicken.

Im Kampf gegen das Coronavirus haben die USA inzwischen nach Trumps Angaben mehr als eine Million Menschen auf den Erreger getestet. "Heute haben wir einen wichtigen Meilenstein im Krieg gegen das Coronavirus erreicht", sagte Trump. "Wir haben bei weitem mehr Tests ausgeführt als jedes andere Land auf der Welt." Das stimmt in absoluten Zahlen, aber nicht gemessen an der Bevölkerungszahl. So hat beispielsweise Südkorea pro Kopf mehr Menschen getestet als die USA.

Fauxpas: Seoul hab "38 Millionen" Einwohner

Beim Thema Südkorea leistete sich Trump am Montagabend einen Lapsus. Als ihn eine Reporterin auf den Pro-Kopf-Vergleich der Tests zwischen den beiden Ländern ansprach, sagte er: "Ich kenne Südkorea besser als jeder andere. (...) Wissen Sie, wie viele Menschen in Seoul sind? Wissen Sie, wie groß die Stadt Seoul ist? 38 Millionen Menschen. Das ist größer als alles, was wir haben." Tatsächlich leben in der Hauptstadt Seoul nach Angaben der südkoreanischen Regierung 9,7 Millionen Menschen - im ganzen Land sind es knapp 52 Millionen.

Auch wenn die Tests in den USA deutlich zugenommen haben, herrscht immer noch ein Mangel. In einem am Montag online veröffentlichten Gastbeitrag für die "Washington Post" schrieben Marylands Gouverneur Larry Hogan - der wie Trump den Republikanern angehört - und Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer (Demokraten): "Es gibt einfach nicht genug Tests, medizinisches Material und andere lebensrettende Geräte, um das Ausmaß dieser Pandemie zu bewältigen."

Dramatische Verbreitung des Virus

Die Verbreitung der Coronavirus-Epidemie in den USA hat sich zuletzt dramatisch beschleunigt. So hatte etwa die Zahl der bekannten Infektionen erst am Freitag die Marke von 100.000 überschritten. Bis zu dem Zeitpunkt waren rund 1.500 Tote gemeldet gewesen. Bis Montag verdoppelte sich diese Zahl. Die Webseite der Forscher der Universität Johns Hopkins wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand bestätigter Infektionen als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der US-Gesundheitsbehörde CDC.

Trump hatte die Amerikaner am Sonntag auf dramatische Opferzahlen in der Coronavirus-Krise vorbereitet. Wenn es gelingen sollte, die Todeszahl durch Eindämmungsmaßnahmen auf 100.000 zu begrenzen, "dann haben wir alle zusammen einen guten Job gemacht", sagte Trump. Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus sollen jetzt bis Ende April gelten. Trump zeigte sich optimistisch, dass bis zum Sommer das Schlimmste überstanden sein könnte. "Wir können davon ausgehen, dass wir bis zum 1. Juni auf dem Weg der Erholung sind."

Hotspots New York und Kalifornien

Der US-Ostküstenstaat New York mit der gleichnamigen Millionenmetropole hat sich zum Epizentrum der Coronavirus-Pandemie in den USA entwickelt. Weil die Kapazitäten der Krankenhäuser dort nicht auf die Ansteckung weiter Teile der Bevölkerung vorbereitet sind, werden provisorische Kliniken aufgebaut und vorhandene Einrichtungen mit zusätzlichen Betten aufgestockt. Auch ein Lazarettschiff der Marine ist am Montag in New York ankommen.

New Yorks demokratischer Gouverneur Andrew Cuomo appellierte am Montag an das medizinische Personal anderer US-Bundesstaaten: "Ich frage Mitarbeiter des Gesundheitswesens im ganzen Land: Wenn die Situation in Ihrer eigenen Gemeinde gerade nicht dringend ist, kommen Sie bitte nach New York." Es werde unbedingt Unterstützung für Krankenschwestern und Ärzte gebraucht.

Ein weiterer Hotspot ist Kalifornien an der US-Westküste. Dort werden mindestens 50.000 zusätzliche Krankenbetten benötigt, um die Versorgung von Patienten während der Corona-Krise zu bewältigten, wie Gouverneur Gavin Newsom am Montag sagte. Mit einer neuen Initiative wolle er in den kommenden Wochen zusätzlich 37.000 Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern und Pharmazeuten mobilisieren, etwa Personal aus dem Ruhestand holen oder Studenten einsetzen, sagte der Demokrat.

(APA/dpa/AFP)

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