Austria

Urmensch war öfter Sexpartner als gedacht

Denisovaner und moderner Mensch zweimal gekreuzt.

Frühe Menschenformen gab es vor dem Siegeszug des modernen Menschen viele – und mit einigen haben sich unsere Vorfahren auch fortgepflanzt. Solche Kreuzungen lassen sich etwa für den Neandertaler nachweisen, circa die Hälfte von dessen Erbgut kann man aus Genomen moderner Menschen zusammentragen, beim Denisovaner sind es sogar über 90 Prozent – natürlich nur in Summe, einzelne Menschen tragen heute nur mehr wenige Prozent davon in ihrer DNA.

So verwundert es nicht, dass ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Med-Uni Innsbruck in einer neuen Studie (Nature, 4. 12.) zeigte, dass sich die Denisovaner mehr als einmal, nämlich mindestens zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten, mit dem modernen Menschen gekreuzt haben.

Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher im Laufe des „Genome Asia 100 K“-Projekts, das sich zum Ziel gesetzt hat, das Erbgut von 100.000 Menschen in Asien zu sequenzieren. Damit soll eine wissenschaftliche Lücke gefüllt werden: Nicht-Europäer sind in den humangenetischen Studien bisher vernachlässigt worden, dabei gewonnene Daten haben für sie daher weniger medizinische Relevanz. Mit den Genomsequenzen von 1739 Personen veröffentlichten sie nun die ersten Projektergebnisse.

Paarung in der Südsee

Dabei fanden die Wissenschaftler auch heraus, dass die Individuen mancher Bevölkerungsgruppen Asiens bis zu fünf Prozent des Erbguts der vor 50.000 Jahren ausgestorbenen Denisovaner in sich tragen. Die Einmischung der Urmenschen fand hier zunächst bei einem gemeinsamen Vorfahren der Melanesier und Aeta im „Sundaland“ während der letzten Kaltzeit statt, als Südostasien eine zusammenhängende Landmasse war. Ein weiterer fruchtbarer Kontakt fand später mit den Aeta statt. (däu/APA)