Austria

Überleben in der Wirtschaftskrise [premium]

Die „Presse am Sonntag“ begleitet Unternehmer durch die Coronakrise – stellvertretend für tausende in Österreich, die um ihre Existenz fürchten müssen.

Von heute auf morgen brechen die Einnahmen weg, das Hotel steht leer, die Kunden bleiben aus. Vor zwei Wochen hat „Die Presse am Sonntag“ über das Schicksal von sechs Unternehmern berichtet, die nicht wussten, was in der Coronakrise auf sie zukommt und ob sie den Einbruch wirtschaftlich überleben. Wir haben bei vier von ihnen nachgefragt, wie es ihnen geht und ob die verschiedenen Hilfsfonds des Staates greifen.

Ernst Mayr, Miteigentümer und Geschäftsführer der Fussl Modestraße. Ernst Mayr ist sauer: „Ich habe von deutschen Partnern gehört, dass von LEH-Diskontern im Großhandel viel Mode nachgekauft wird. Die großen Supermärkte hätten ja jetzt ein „Quasi-Monopol.“ Das Zusatz-Geschäft gönnt Mayr zwar den Supermarktketten, weil sie den Non-Food-Bereich schwer abkoppeln können. Aber er sei ein „Moralist und Gerechtigkeitsfanatiker“ – und so sei es unfair, wenn manche Branchen leiden, weil sie zu haben müssen und andere Gewinne machen. Daher regt er an, über steuerliche Regelungen nachzudenken: „Alle Unternehmen, die jetzt von der Krise profitieren, sollten einen Solidarbeitrag zahlen für jene, die Zu haben müssen. Das wär ein Akt der Fairness.“

Selbst hat Mayr gerade alle Hände voll zu tun, die Liquidität im Familienunternehmen hoch zu halten. Für seine österreichweiten 160 Filialen und 35 deutschen Shops verhandelt er gerade mit den Vermietern: „Im Modegeschäft machen im Branchenschnitt 15 Prozent der Kosten die Mieten aus“, sagt Mayr. Die Vermieter verhalten sich unterschiedlich erzählt der Textilhändler: „Von vier, fünf Vermietern habe ich die Aussage, wir brauchen nichts zahlen“. Bei rund 20 Prozent beißt der Fussl-Chef auf Granit und muss die Miete trotz geschlossener Geschäfte überweisen. Die Meisten willigen in „Stundungen ein“. Für Mayr gehören schnell seitens der Regierung einheitliche und klare Regelungen her: „Am besten bis 20. April, sonst geht das Ganze wieder von vorn los – und wir haben dann die nächsten Jahre Rechtsstreitigkeiten.“

Seine 1200 Beschäftigten sind zur Kurzarbeit angemeldet und bestätigt. Jetzt geht es um die benötigten Überbrückungskredite: „Wir brauchen Kredite im Ausmaß von zehn bis 15 Prozent des Jahresumsatzes.“ Der Hausbank hat er einen Businessplan bis 18. Mai vorgelegt. „Die Zwischenfinanzierung steht: Sobald es seitens der Regierung die Richtlinien für die Haftungen gibt, ist das Geld da.“


Für die Zeit des Aufsperrens bereitet sich Mayr auch schon jetzt vor: Gerade ist er dran, Masken von vier bis fünf Lieferanten einfliegen zu lassen. „Zum Mitarbeiterschutz – wenns wieder losgeht.“ Er rechnet auch, dass dann alle Kunden mit Masken einkaufen gehen werden müssen. Wann schätzt er, dass er wieder aufsperren kann? „Ich rechne damit, dass wir im Mai wieder aufsperren können.“ Das sei das Maximum des Vertretbaren.

Dass die Fussl Modestraße für die geschlossene Zeit Umsatz-Entschädigungen bekommt, glaubt Mayr nicht. „Aber die neuen Aussagen der Regierung zum Hilfsfonds stimmen mich positiver.“ Der Schaden ist hoch, denn jetzt wären die intensivsten Verkaufswochen des Jahres. Der Fussl-Chef bleibt aber Optimist: „Die Lage ist bitter, aber nicht lebensbedrohlich für uns“. Aber die über Jahre angesparten Reserven des Familienunternehmens halbieren sich: „Fussl hat vorher eine Eigenkapitalbasis von 46,2 Prozent gehabt und wird nach der Krise auf 20 bis 25 Prozent herunterfallen.“


Und wenn's im Mai nicht wieder los geht? „Dann müssen wir uns neue Kredite holen und brauchen für die Kompensation mehrere Jahre. Und dann würde man im heimischen Textilhandel heuer viele Insolvenzen sehen.“

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