Austria

Tu felix Austria, öffne deine Schlossgärten [premium]

Die Zahlen und der Blick ins Ausland sprechen für die bisherigen Maßnahmen. Auch wenn das manche zuletzt nicht mehr wahrhaben wollten.

Ein Hauch von 1848 lag in der Luft. Da die linken und rechten Revolutionäre, mittendrin auch die liberalen. Dort die Obrigkeit, die sich im Schönbrunner Schlossgarten verschanzt hielt. „Falter“-Redakteure standen Seite an Seite mit Herbert Kickl an der Barrikade, der IV-Präsident mit SPÖ-Stadtrat Peter Hacker. Und siehe da: Der Schönbrunner Schlossgarten öffnet seine Pforten ab dem 14. April für das Volk. Und der Lockdown wird gelockert.

Und auch Don Quixote war zwischenzeitlich wieder erwacht. Er konnte nun endlich seinen Kampf gegen die Windmühle des totalen Überwachungsstaats führen. Wiewohl die Rot-Kreuz-App das nicht wirklich hergab.

Letzteres war – neben dem Ostererlass mit fünf zusätzlichen Osterjausenbesuchern, der auf die grüne Kappe geht – allerdings ein kommunikativer Schnitzer auf türkiser Seite, jedenfalls strategisch. Anstatt Wolfgang Sobotka (mutmaßlich) vorzuschicken, der gleich eine Verpflichtung zur App forderte, hätte Sebastian Kurz einfach weiter das Rote Kreuz oder zumindest Rudolf Anschober machen lassen sollen, da die Grünen in Sachen Datenschutz unverdächtiger sind und größere Glaubwürdigkeit haben.

Sonst hat die Regierung in ihrer Gesamtheit bislang aber vieles, um nicht zu sagen alles richtig gemacht. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich. Vor allem auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Man braucht dazu gar nicht die schwer betroffenen Staaten Italien, Spanien oder Frankreich herzunehmen, die zu spät dran waren. Auch ein Blick nach Schweden genügt, das bewusst auf Laisser-faire gesetzt hat: Stand gestern gab es in Schweden knapp über 400 Todesopfer zu beklagen. In Österreich waren knapp über 200. Und das sollte noch immer die Kategorie sein, die Vorrang hat: Menschenleben.

Die ökonomischen Verwerfungen wiegen zwar zweifellos ebenso schwer. Aber es spricht doch einiges dafür, dass die „The Hammer and the Dance“-Strategie auch den Unternehmern und Arbeitgebern nützt: Je schneller man durch möglichst restriktive Maßnahmen die Ausbreitung des Virus verhindert, desto schneller ist man aus der Krise auch wieder heraußen. Und es sieht derzeit in der Tat ganz gut aus. Wenn sich alle an den Fahrplan und die Schutzmaßnahmen halten. Und keiner übermütig wird. Ein Rückschlag à la Singapur wäre verheerend. Wir müssten nahezu wieder von vorn beginnen.

Nun eint wieder der Anti-Kurz-Reflex

Man könnte auch sagen: Österreich ist wieder ein Stück weit in seiner politischen Normalität angekommen. Die Zeit des nationalen Schulterschlusses, indem sogar Sozialdemokraten dem andersfarbigen Bundeskanzler Respekt zollten, ist vorbei. Nun eint wieder der Anti-Kurz-Reflex. Soll sein. Hauptsache, wir können es uns leisten, über die Öffnung von ein paar zusätzlichen Parks zu streiten, als inmitten eines Wort-Case-Szenarios mit dem drohenden Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu stehen wie in anderen Ländern.

Vor Euphorie sei allerdings gewarnt, für eine endgültige Entwarnung ist es zu früh. Anstatt wieder große Urlaubsreisepläne zu schmieden, stünden uns ein wenig Demut und Bescheidenheit gut an. Der Blick nach Italien, Frankreich, Spanien, England, die USA sollte genügen. Dort spielen sich größere Dramen ab.

Ohne das Ende der Geschichte zu kennen oder vorwegnehmen zu wollen: Wenn es uns tatsächlich gelingt, diese Krise mit möglichst geringen Opfern zu überstehen, dann spricht das nicht nur für die Handlungsfähgigkeit dieser Regierung, sondern auch für die Krisenresistenz der Institutionen dieses Landes an sich. Österreich hat schon die Finanzkrise der Jahre 2008 und folgende passabel gemeistert. Und eigentlich auch die Flüchtlingskrise 2015: Zuerst wurde diese, in der Akutphase, organisatorisch in Bahnen gelenkt, dann wurde politisch relativ rasch gegengesteuert.

Wenn alles gut geht und sich jeder weiterhin an die neuen Regeln hält, dann sollte sich auch diese Krisensituation bewältigen lassen.

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