Austria

Trenkler Tratsch: Wie Herbert von Karajan entnazifiziert wurde

Heldenverehrung: Karajan-Büste in der Jubiläumsausstellung "Großes Welttheater" anlässlich 100 Jahre Salzburger Festspiele im Salzburg Museum

© APA/BARBARA GINDL

Der Dirigent, Mitglied der NSDAP, arbeitete bereits 1946 für die Salzburger Festspiele – trotz Berufsverbots

von Thomas Trenkler

Vor zweieinhalb Jahren machte die Gruppe Memory Gaps die NS-Vergangenheit der „Ariseurin“ Poldi Wojtek öffentlich. Und das brachte die Salzburger Festspiele in Bedrängnis. Schließlich ist Wojtek die Gestalterin des güldenen Logos. Man gab daher bei Anita Kern und Oliver Rathkolb Gutachten in Auftrag, die nun in Buchform veröffentlicht wurden. Kurz zusammengefasst: Auch wenn Wojtek sich zu einer „schamlosen Nazisse“, wie es Präsidentin Helga Rabl-Stadler ausdrückt, entwickelt habe, so sei das Logo, das eigentlich ein Plakatentwurf war, unbefleckt. Denn es entstand bereits 1928 und weise keine Nazi-Ästhetik auf.

Zeithistoriker Rathkolb konnte dennoch Interessantes herausfinden: Dass nicht Wojtek damals den Wettbewerb gewonnen hat (da wurde ordentlich nachgeholfen) – und dass nicht, wie von der Direktion immer behauptet, Festspielgründer Max Reinhardt in der Jury gewesen ist. Wie konnte es zu diesen „Fake News“ kommen? Man dürfte wohl ein Interview von Wojtek aus 1958 nicht weiter hinterfragt haben.

Die falsche Geschichte wurde auch von den Theaterwissenschaftlerinnen Edda Fuhrich und Gisela Prossnitz – sie leitete von 1966 an die Max-Reinhardt-Forschungs- und Gedenkstätte in Salzburg – weitererzählt. Und zwar in der 1990 veröffentlichten Chronik „Die Salzburger Festspiele: Ihre Geschichte in Daten, Zeitzeugnissen und Bildern“, Band I, über die Jahre 1920 bis 1945. Im Kapitel über 1928 ist vermerkt, dass Poldi Wojtek den „Wettbewerb um ein Symbol für die Festspiele“ gewonnen habe: „Der Jury gehörten auch Faistauer und Reinhardt an.“

Weil Ihrem Tratschpartner im Lockdown ein bisschen langweilig ist, blätterte er auch in Band II über die Jahre 1945 bis 1960, herausgegeben nur von Prossnitz. Und da entdeckte er Befremdliches: Die Festspiele waren engagiert in der Entnazifizierung des Dirigenten Herbert von Karajan.

Wie Sie wissen oder auf Wikipedia nachlesen können: Der große Sohn Salzburgs, der im Alter in seinen Porsche gehoben werden musste, weil er es ohne Hilfe nicht mehr geschafft hätte, war schon sehr früh, 1933, der NSDAP beigetreten. Und dann noch einmal 1935. Nicht nur aus Karrieregründen: Laut Rathkolb polemisierte Karajan 1934 in einem Brief an seine Eltern gegen die Wiener Volksoper, wo er nicht dirigieren wolle, da es sich um ein Vorstadttheater handle – und weil dort „das gesamte Palästina“ gesammelt sein werde.

Auch wenn Karajan zwischenzeitig in der Gunst Adolf Hitlers gesunken war: Im August 1944 wurde er in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Dirigenten aufgenommen, was ihn vor einem Kriegseinsatz bewahrte. Sein Plan war es noch im Dezember 1944, das von ihm geleitete Reichs-Bruckner-Orchester in Linz zu „Ehren des Führers“ zum besten Orchester von Großdeutschland zu machen. Im Februar 1945 setzte sich Karajan an den Comer See ab, im Jänner 1946 gab er in Wien sein erstes Konzert nach Kriegsende. Er wurde jedoch daraufhin von den Russen wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft mit Berufsverbot belegt; und dieses wurde erst 1947 wieder aufgehoben.

Aber schon davor, im Sommer 1946, war Karajan auch öffentlich bei den Festspielen tätig – als künstlerischer Berater der Direktion.

Eigentlich wollte das Festival zum 100-Jahr-Jubiläum ein Symposion über Wojtek und das Logo abführen. Corona erzwang eine Verschiebung auf 2021. Das Verhalten der Festspiele im Zusammenhang mit Karajans Weißwaschung wäre sicher ein lohnenderes Thema.

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