Austria

Tourismusprojekt am Neusiedler See: Druck auf UNESCO

© Screenshot/Közti Zrt.

Umweltschützer fordern, dass die Welterbe-Stätte auf die Rote Liste der UNESCO gesetzt wird.

von Michael Pekovics

Auch wenn die Fertigstellung des ungarischen Mega-Tourismusprojektes am Ufer des Neusiedler Sees bei Fertörákos angesichts der Corona-Krise vermutlich nicht ganz oben auf der nachbarlichen Agenda stehen dürfte, vom Tisch ist es deshalb noch lange nicht.

Über den Winter war es zwar etwas still geworden – sowohl um das Projekt mit mehreren Häfen, Hotel, Seebad und Vergnügungspark, als auch um die Projektgegner.

Doch jetzt kommt wieder Bewegung in die Angelegenheit, weil derzeit die Tagesordnung für das nächste Treffen des UNESCO-Welterbe-Komitees (29. Juni bis 9. Juli in Fuzhou, China) erarbeitet wird.

See auf der Roten Liste?

Bei diesen jährlichen Treffen entscheidet das Komitee nämlich darüber, ob neue Orte auf die Liste der Welterbestätten aufgenommen werden – oder von dort gestrichen werden.

Entschieden wird auch, ob bereits anerkannte Stätten wie der Neusiedler See (seit 2001) auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten aufgenommen wird. Genau das fordert nämlich Christian Schuhböck von der Umweltschutzorganisation „Alliance 4 Nature“ in einem Bericht, den er an das UNESCO-Welterbe-Zentrum, das die Vorschläge für die Tagesordnung ausarbeitet, und hochrangigen Funktionären geschickt hat.

„Um Druck zu machen, weil dieser Tage die Entscheidungsvorschläge für das Komitee beschlossen werden“, sagt Schuhböck im KURIER-Gespräch.

Der Umweltschützer kritisiert, dass sich die UNESCO bisher recht wenig um die Angelegenheit gekümmert habe: „Ich habe meinen Bericht geschickt, damit sich das Komitee endlich mit der Situation auseinandersetzt.“

Konkret ist darin etwa ein dringender Appell zu lesen, dass „die UNESCO die Entwicklung am ungarischen Ufer des Neusiedler Sees stoppen soll, um das Welterbe für künftige Generationen zu schützen. Deshalb sollte für den Anfang des Welterbe Neusiedler See auf die Liste der gefährdeten Stätten gesetzt werden (übersetzt aus dem Englischen, Anm.).“

Corona: Situation unklar

Schuhböck hatte sich in diesem Fall schon einmal an das Welterbe-Komitee gewandt, allerdings ohne Erfolg. „Deshalb haben wir auf Anraten von Experten noch einmal einen ausführlichen Bericht geschickt, damit endlich Bewegung in die Sache kommt.“ Ob das Thema allerdings vom Welterbe-Komitee behandelt werden wird, steht erst in einigen Tagen fest.

Und überhaupt ist derzeit angesichts des Corona-Krise auch unklar, ob das Welterbe-Komitee überhaupt zusammentrifft. So heißt es auf der Homepage, dass die Situation derzeit beobachtet werde und nähere Informationen so schnell wie möglich veröffentlicht werden.

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