Austria

Toshiba-Chef tritt im Übernahmestreit zurück

Um den japanischen Technologiekonzern Toshiba könnte ein Bieterwettstreit entbrennen.

Der Chef des japanischen Konglomerats, Nobuaki Kurumatani, hat im Übernahmestreit das Handtuch geworfen. Kurumatani war wegen des 20 Milliarden Dollar schweren Gebots von Finanzinvestor CVC - seinem früheren Arbeitgeber - in Misskredit geraten. Hinzu kamen Vorwürfe, dass der Vorstand Investoren vor einer Aktionärsversammlung unter Druck setzte, für bestimmte Kandidaten zu stimmen. Toshiba teilte mit, sein Vorgänger Satoshi Tsunakawa werde vorübergehend an die Firmenspitze zurückkehren. Chairman Osamu Nagayama sagte zudem, die CVC-Offerte sei unerwünscht und müsse sorgfältig geprüft werden

Auch die Beteiligungsgesellschaft KKR sowie der Finanzinvestor Brookfield Asset Management erwägen ein Angebot für das Traditionsunternehmen Toshiba, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtete. Zuvor hatte die "Financial Times" über ein Interesse von KKR und Brookfield berichtet.

Dem Bloomberg-Bericht zufolge könnte eine KKR-Offerte Toshiba dabei höher bewerten als das 21 Milliarden US-Dollar (17,6 Milliarden Euro) schwere Angebot des Finanzinvestors CVC Capital von Anfang April. Die Toshiba-Aktien legten zuletzt um knapp sechs Prozent zu. Seit der CVC-Offerte summieren sich die Gewinne auf gut ein Viertel.

Die Übernahme durch einen nicht-japanischen Bieter müsste unter Verweis auf die nationale Sicherheit von der Regierung in Tokio genehmigt werden. Da Toshiba in strategischen Bereichen wie Rüstung und Atomkraft stark ist, würde eine solche Transaktion sehr sorgfältig unter die Lupe genommen.

Die 1875 gegründete Unternehmensgruppe gehört zu den bekanntesten Namen der japanischen Wirtschaft. Der desaströse Ausflug in das US-Atomgeschäft und ein Bilanzskandal hatten Toshiba jedoch Mitte des vergangenen Jahrzehnts an den Rand des Abgrunds gebracht.

Nach dem Skandal - laut einer Untersuchungskommission hatte der Konzern den Nettogewinn sieben Jahre lang durch Bilanztricksereien aufgebläht - und der Insolvenz von Westinghouse Electric in den USA schrieb das einstige Vorzeigeunternehmen hohe Verluste. Es folgte eine harte Sanierung. Toshiba verkaufte die Mehrheit an der lukrativen Speicherchip-Sparte. PC und Fernseher stellt die Firma auch nicht mehr her. 2018 meldete der Konzern erstmals nach vier Jahren wieder Gewinne.

Toshiba rettete sich damals unter anderem durch einen milliardenschweren Aktienverkauf - doch dabei kamen auch zahlreiche Finanzinvestoren als Anteilseigner an Bord, mit denen das Management fortan immer wieder im Clinch lag.

(APA/Reuters/dpa)

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