Austria

Tirol wird zum Testfall für die Corona-Fitness der Spitäler

An der Uni-Klinik Innsbruck und anderen Tiroler Spitälern hat man sich vorbereitet

© APA/EXPA/ JOHANN GRODER

Schon in zwei Wochen kann es zu wenige Intensivbetten geben.

von Christian Willim, Julia Schrenk

Die Bundesregierung hat am Montag ihre Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus nachgeschärft (mehr dazu hier). Einmal mehr wurde darauf verwiesen, dass damit der Kollaps des Gesundheitssystems verhindert werden soll.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) fand drastische Worte: „Die Wahrheit ist: Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Und wie grausam dieser Sturm sein kann, merkt man, wenn man in unser Nachbarland Italien schaut.“ Laut Kurz könnte es schon Mitte April zu einem Engpass an Intensivbetten kommen.

Die Ruhe vor dem Sturm herrschte bis vor wenigen Tagen auch an der Universitätsklinik Innsbruck, dem größten Spital Tirols. Doch damit ist es seit dem Wochenende vorbei, wie Mediziner berichten. „Es gibt einen stetigen Anstieg an Patienten“, bestätigt Klinik-Sprecher Johannes Schwamberger. Am Montag wurden in Innsbruck, das auch als Rückfalleinheit für alle Krankenhäuser des Landes dient, 56 Covid-19-Patienten behandelt – 21 davon intensivmedizinisch.

Tirol ist mit inzwischen bereits 2.263 positiv Getesteten nicht nur das derzeit am stärksten von der Epidemie betroffene Bundesland. Es ist durch das – aufgrund der Nähe zu Italien und dem Brandbeschleuniger Tourismus – frühe Auftreten der Krankheit bei der Entwicklung der Epidemie voraus. Und kann somit, bei allen regionalen Unterschieden, auch als Testfall für die Corona-Fitness der Spitäler gesehen werden.

Verschärfte Lage

„Man sieht, dass sich die Lage verschärft“, erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter am Montag und präsentierte die aktuellsten Zahlen aus den Krankenhäusern. Demnach lagen bereits 213 Corona-Patienten in Spitälern. 57 mussten auf Intensivstationen behandelt werden. Sieben mehr als am Tag davor.

Damit ist etwa ein Drittel der 184 in Tirol für die Virusbehandlung freigeschaufelten Intensivbetten belegt. Laut Platter besteht die Chance, dass die Kapazitäten reichen werden: „Nächste Woche, das glaube ich aber schon, dass es eine schwierige Situation geben kann."

Intensivbetten 
Von den Intensivbetten in Österreichs Spitälern ist noch genau die Hälfte (1.071 von insgesamt 2.159) für Corona-Patienten frei. Hier reicht die Spannweite von 20 Prozent im Burgenland
 bis  62 Prozent in Salzburg 

Beatmungsgeräte
In ganz Österreich sind  (Stand 27. 3.) noch 908 bzw. 35 Prozent der Beatmungsgeräte frei. Die regionalen Unterschiede sind groß. Vergleichsweise gering sind die Kapazitäten in NÖ (9 Prozent frei), in der Steiermark (16 Prozent) und in Wien (19 Prozent)

Ganz so dramatisch wie in Tirol stellt sich die Situation in Wien (noch) nicht dar. In den Spitälern des Krankenanstaltenverbundes (KAV) liegen – Stand Montagfrüh – 188 Covid-19-Patienten. 26 von ihnen auf Intensivstationen, neun werden überwacht. Der überwiegende Teil wird also auf Normalstationen behandelt.

800 Betten in Wien

Aber: Auch hier steigt das Patientenaufkommen. „Es werden täglich mehr“, sagt KAV-Sprecherin Nina Brenner-Küng. Wien sieht für die Behandlung von Erkrankten einen Stufenplan vor. Bei Bedarf können 800 Intensivbetten bereitgestellt werden. 594 davon in den Spitälern der Stadt, 206 in privaten und Ordensspitälern.

Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, werden in vier Spitälern auf eigenen Stationen behandelt. Sobald eine dieser Stationen zu 80 Prozent ausgelastet ist, wird eine neue „eröffnet“. Im Notfall können so zwei Spitäler zur ausschließlichen Behandlung von Covid-Patienten „freigeräumt“ werden.

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