Austria

Stressfreies Lebensende für die Kuh

Nicht alle Bauern fühlen sich damit wohl ihre Tiere nach zwei Jahren zum Schlachten in fremde Hände zu übergeben.

© Getty Images/franckreporter/IStockphoto.com

Zahlreiche Voraussetzungen sind für eine mobile Schlachtung notwendig. Wie Landwirte diese bewältigen.

von Petra Stacher

Wer will denn nicht seinen Lebensabend im gewohnten Umfeld verbringen? So wie Menschen, wünschen sich das auch immer mehr Landwirte für ihre Tiere: Kühe, die bis an ihr Lebensende auf den saftig grünen Weiden am Hof grasen. Ohne Schlachttransport und ohne Stress.

Möglichkeit dazu bietet die mobile Schlachtung. Ende März hat der Nationalrat einstimmig beschlossen diese weiter ausbauen und rechtlich verankern zu wollen. Voraussetzungen für die „Förderung und Ermöglichung von regionalen und (teil-)mobilen Schlachthöfen und Schlachtung im gewohnten Lebensumfeld der Tiere“ sollen geschaffen werden, heißt es im Entschließungsantrag.

Die Parteien und die Bauern sind mit dieser Entwicklung zufrieden.

Pilotprojekte

So auch Landwirt Gottfried Diwold. Er betreibt in Oberösterreich eines der Pilotprojekte und weiß, wie stressfrei eine mobile Schlachtung abläuft.

12 bis 14 Rinder schlachtet er pro Jahr in seiner selbst gebastelten Box: ein Eisengestell, das am Traktor montiert werden kann – natürlich behördlich zugelassen. „Das Tier glaubt, es handelt sich um einen normalen Treibgang“, erklärt Diwold. Dadurch geht das Rind freiwillig in die Box, wird am Kopf mit einem Fressgitter fixiert und mit dem Bolzenschlag betäubt. Innerhalb von 60 Sekunden muss dann der Kehlenschnitt erfolgen.

Zähes Fleisch
Hat ein Tier Stress, schüttet es Adrenalin aus. Dieses gelangt wiederum ins Blut. Der Glykogenspiegel sinkt ab und der pH-Wert steigt an. Zähes Fleisch kann die Folge sein.

Damals und heute
Während früher  oft am Hof geschlachtet wurde, ist das heutzutage selten. Viele Betriebe können sich die hygienetechnischen Bestimmungen oft nicht leisten.

Hohe Standards

„Für uns war es unangenehm, die Rinder nach zwei Jahren in fremde Hände zu übergeben“, erklärt Diwold. Angenehmer Nebeneffekt für den Konsumenten: „Man kennt es sofort an der Fleischqualität, dass das Tier weniger Stress hatte.“ In Diwolds zertifiziertem Schlachtraum ein paar Meter daneben wird das Tier weiterverarbeitet. Das sei besonders praktisch: Denn ansonsten müsse es innerhalb kürzester Zeit sofort in einen Schlachthof gebracht werden.

„Die Schlachtung am Betrieb entspricht dem Ideal einer tierwohlgerechten Schlachtung, muss dabei aber hohe hygienische Standards erfüllen“, erklärt Oberösterreichs Agrarlandesrat Maximilian Hiegelsberger (ÖVP). Betriebe, die Interesse haben, sind bei der Veterinärabteilung des Landes richtig. So gibt es andere oö. Pilotprojekte, die etwa mit Schlachthöfen kooperieren.

Eine solche braucht Matthias Mayr nicht. Auch er ist Landwirt – und zwar in Tirol. Seine Hühner leben in mobilen Anhängern und seit ein paar Jahren werden sie auch in einem Anhänger geschlachtet. „Wir hatten keine Möglichkeit für eine Schlachtstätte. Deshalb entwickelte ich selbst eine mobile“, sagt Mayr. Kürzlich bekam er für seine Idee sogar ein Tierschutz-Kennzeichen verliehen.

Alles vor Ort

Nachdem die Hühner auf dem Feld ihre letzten Körner gepickt haben, werden sie in den daneben abgestellten Anhänger verfrachtet, geschlachtet, ausgenommen, gekühlt und teilweise zerlegt. Vergangenen Herbst gründete Mayr mit dem Konzept seine Firma. 13 Schlachtmobile liefert er heuer aus. Die Hälfte geht nach Deutschland, die andere nach Österreich. „Manche nutzen sie für den Eigengebrauch, andere bieten die Dienstleistung an“, sagt er.

Bis zu 20.000 Hühner werden pro Jahr in einem solchen Anhänger ihr Ende finden – und später vielleicht auch Schweine und Rinder. „Aktuell kann darin nur Geflügel geschlachtet werden, weil es dafür die rechtlichen Möglichkeiten gibt. Wenn die Rahmenbedingungen für Schwein und Rind stimmen, rüste ich um“, sagt Mayr.

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