Austria

Streiks legen Verkehr in Frankreich lahm

Mit der Pensionsreform will die französische Regierung die Zersplitterung in Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden. Die Verkehrsgewerkschaften haben Streiks ausgerufen und kein Enddatum festgelegt.

Wegen Streiks bei der staatlichen Bahngesellschaft SNCF und der Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP kommt es in Frankreich zu massiven Verkehrsbehinderungen. Am Donnerstagvormittag stauten sich insbesondere in der Hauptstadtregion Paris die Autos, wie französische Medien berichteten.

Zahlreiche Gewerkschaften hatten im Konflikt um die geplante Pensionsreform zu den Protesten aufgerufen. Auch in den Schulen, im öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern oder der Justiz soll die Arbeit niedergelegt werden.

Mit der Pensionsreform will die Mitte-Regierung die Zersplitterung in Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden - Arbeitnehmer sollen auch dazu gebracht werden, länger zu arbeiten.

Insbesondere im Schienenverkehr dürften die Proteste fortgesetzt werden. "Ich denke, dass diese (Protest-)Bewegung in den kommenden Tagen andauern wird", sagte Verkehrsstaatssekretär Jean-Baptiste Djebbari dem Nachrichtensender BFMTV.

Die SNCF hatte angekündigt, dass nur einer von zehn Hochgeschwindigkeitszügen (TGV) fahren werde. Bei Regionalzügen sieht es ähnlich aus. Der Bahnverkehr nach Deutschland wird weitestgehend lahmgelegt. Auf den Metrolinien der Hauptstadt fahren die Züge nur eingeschränkt oder gar nicht. Auf den Straßen des Landes sind zahlreiche Demonstrationen angekündigt.

In ganz Frankreich sind nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner 245 Demonstrationen angemeldet. In Paris soll es einen großen Demonstrationszug geben. Aus Sicherheitsbedenken hat die Polizei Ladenbesitzer an der Demoroute aufgefordert, ihre Geschäfte und Restaurants nicht zu öffnen.  Die Behörden rechnen mit Krawallen.

Die bisherigen Versuche einer Pensionsform sind nicht gut ausgegangen: Die konservative Regierung des ehemaligen Präsidenten Jacques Chirac hat sich 1995 nach wochenlangen, lähmenden Protesten den Forderungen der Gewerkschaften gebeugt.

Laurent Berger, Chef der reformorientierten CFDT-Gewerkschaft, sagte, das soziale Umfeld sei explosiver als 1995. "In Bezug auf Spannungen, sozialen Zusammenhalt und Brüche in der Gesellschaft ist es jetzt viel schlimmer", sagte Berger der Nachrichtenagentur Reuters.

(APA/dpa)