Austria

Stiftung Mozarteum erwirbt Mozart-Locke und derben Brief

Die für die Forscher bedeutendste Neuerwerbung ist die bisher fehlende Seite eines Briefes, den Mozart 1977 geschrieben hatte.

Die Sammlung an Mozart-Originalen der Stiftung Mozarteum in Salzburg ist wieder reicher geworden: Sie erwarb vier Stücke, die sich seit über 150 Jahren im Besitz einer Familie im Raum Stuttgart befanden, darunter einen fehlenden Teil eines Briefes, den Wolfgang Amadeus Mozart 1777 geschrieben hatte, und ein Haarbüschel, das dem Komponisten nach dessen Tod abgeschnitten worden sein dürfte.

Die für die Forscher der Stiftung bedeutendste Neuerwerbung ist die bisher fehlende Seite eines Briefes Mozarts vom 4. November 1777 aus Mannheim - die ersten vier Seiten waren bereits seit 1844 in ihrem Besitz. Es ist der Schlussteil des Schreibens, das zum Kuvert gefaltet wurde, und auf dem auch Mozarts Mutter ein paar Zeilen notiert hatte, in dem sie ihrem Mann Leopold Grüße des Musiker-Kollegen Giovanni Battista Gervasio ausrichtete, der ihm zu seinem "virtuosen Sohn" gratulierte.

Den Abschluss bildet die Beschreibung Mozarts, wie eine Bölzlscheibe (für das damals beliebte Bölzlschießen) zu gestalten sei, die er von unterwegs stiftete. Darin schreibt er, was darauf dargestellt werden soll: "ein kleiner Mensch mit lichten haaren steht gebückt da, und zeigt den blosen arsch her. aus seinen Mund gehen die wort. guten appetit zum schmaus. der andere wird gemacht, in stiefl und sporn, ein roths kleid, eine schöne Perücke nach der Mode; er muß von mitterer grösse seÿn. er wird in der Positur vorgestellt wie er den andern just im arsch leckt. aus seinen Mund gehen die worte. ach, da geht man drüber N'aus."

PG INTERNATIONALE STIFTUNG MOZARTEUM: ´EINE MOZART-LOCKE KEHRT NACH SALZBURG ZUR�CK´
Mozart selbst bestimme, wie die Bölzlscheibe zu bemalen sei (c) APA (BARBARA GINDL)

Ein ebenfalls erworbener Brief stammt von Mozarts jüngstem Sohn Franz Xaver Wolfgang, in dem sich dieser beim Graveur Carl Wilhelm Doell aus Karlsruhe für die Gestaltung einer Silbermünze zu Ehren Mozarts im Jahr 1843 bedankt: "Ueber die Aehnlichkeit, kann ich leider aus eigener Erfahrung nicht urtheilen, da ich bey meines Vaters Tode, noch nicht fünf Monate zählte, glaube aber nach den vorhandenen Kupferstichen, daß Sie dieselbe ganz richtig aufgefaßt haben."

Dritte Neuerwerbung ist eine Abschrift Leopold Mozarts von einem Zeugnis, dass der damals berühmte Musiktheoretiker Giovanni Battista Martini in Bologna dem 14-jährigen Mozart ausgestellt hatte.

Gibt vermutlich zwölf Haarbüschel des Komponisten

Und schließlich kam eine Locke Mozarts zurück nach Salzburg. Weltweit dürfte es ungefähr zwölf Haarbüschel des Komponisten geben, "fünf waren schon vorher in unserer Sammlung", sagte Ulrich Leisinger, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung, am Donnerstag bei der Medienpräsentation. Es sei damals üblich gewesen, von Menschen nach dem Tod eine Totenmaske anzufertigen und Haare abzuschneiden. Mozarts Witwe Constanze dürfte die Büschel dann aufgeteilt haben, so Leisinger. Die nun angekauften Haare - wie alle fünf anderen kastanienbraun - hatte Mozarts Sohn Franz Xaver 1839 seinem Freund Aloys Fuchs vermacht, der dem Sohn bei der Ordnung der Originale seines Vaters geholfen hatte. Und von Fuchs erwarb sie der Graveur Doell ebenso wie die Zeugnis-Abschrift.

Seit damals befanden sich die vier nun gekauften Originale in Besitz der Familie Doell, die aber inzwischen anders heißt, aber noch immer im Großraum Stuttgart lebt. Die Familie hat sie nun dem Mozarteum angeboten, die dafür einen niedrigen sechsstelligen Betrag bezahlt hat, so Leisinger. Stiftungs-Präsident Johannes Honsig-Erlenburg bezeichnete den Zuwachs in der Sammlung heute als "Sternstunde".

Die Neuerwerbungen sind in den Keller von Mozarts-Wohnhaus "gewandert", wo sich der Tresorraum der Stiftung befindet. Öffentliche Führungen mit der Möglichkeit, diese Originale zu sehen, gibt es im Rahmen der Mozartwoche 2020 (23. Jänner bis 2. Februar).

(APA)