Austria

Söder ist zur Kanzlerkandidatur bereit

Laschet und Söder am Sonntag

© EPA/CLEMENS BILAN / POOL

Die Entscheidung, wer für die Union in den Wahlkampf zieht, spitzt sich zu – auch CDU-Chef Laschet will antreten

von Sandra Lumetsberger

 „Mein Platz ist in Bayern“ – so antwortet Markus Söder bisher auf Fragen zu seinen Ambitionen, ins Kanzleramt zu ziehen. Nun hat es sich der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef anders überlegt. Bei der gestrigen Klausurtagung der Unionsfraktionsspitze preschte er vor: „Wenn die CDU bereit wäre und es will, mich zu unterstützen, dann stehe ich bereit.“

Damit hat der 54-Jährige erstmals öffentlich seine Bereitschaft erklärt, sich um die Nachfolge von Angela Merkel bewerben zu wollen. Er habe mit CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Samstag gesprochen, erklärte Söder vor der Presse. Beide hätten ihre Bereitschaft erklärt. Söder sagte, es sei „nicht mein Lebensplan“ gewesen, er habe aber viele Anfragen und viel Ermutigung erhalten. Sollte die CDU ihn nicht als Kanzlerkandidaten haben wollen, dann „werden wir ohne Groll gut zusammenarbeiten“.

Laschet, der nach Ungeschicklichkeiten im Pandemiemanagement in ein Umfragetief gekippt war und in der K-Frage weit hinter Söder liegt, gab sich am Sonntag nicht geschlagen. „Wir werden die Frage der Unionskanzlerkandidatur gut miteinander auch in persönlicher Wertschätzung, die es gegenseitig gibt, beantworten.“ Wichtig seien die Rückendeckung der Parteien und die Geschlossenheit der Union.

Die finale Entscheidung, wer als Kanzlerkandidat antreten wird, soll zügig fallen. Heute Montag kommen die Präsidien von CDU und CSU zusammen – die Führungsgremien sollen entscheiden.

In der Union ist die Nervosität seit Tagen groß – beide Parteien kämpfen mit sinkenden Umfragewerten, einer Affäre um Maskengeschäfte in den eigenen Reihen und der offenen K-Frage. Einen Machtkampf, der sich über Wochen zieht, will niemand.

„Nicht Kohl und Strauß“

Die zwei Kandidaten gaben sich bei der gestrigen Pressekonferenz nach außen friedlich: „Wir sind nicht Helmut Kohl und Franz Josef Strauß. Schon optisch nicht. Auch inhaltlich nicht. Wir haben keine Grundsatzstreitigkeiten“, sagte Söder mit Blick auf die rivalisierenden früheren Parteichefs. Er habe zudem mit Laschet ein offenes und freundschaftliches Gespräch geführt – das aber noch nicht abschließend gewesen sei.

Wie steht eigentlich die Kanzlerin zu den Ansprüchen, die beide stellen? Merkel soll sich während der Sitzung bei der es auch um Corona-Maßnahmen ging, indirekt für Laschet positioniert haben: Sie kritisierte Bayerns Umsetzung der „Notbremse“, da es weiter abgewichen sei als Nordrhein-Westfalen. Zudem forderte sie einen „Brücken-Lockdown“, eine Worterfindung des CDU-Chefs.

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