Austria

So kann jetzt jeder ins Museum gehen

"Für Museumsbesuche fehlt mir die Zeit." Noch nie war diese Ausrede größer als zu Corona-Zeiten.

Viele Museen haben schnell reagiert und nutzen das Internet und Soziale Medien als Plattform für Privatführungen durch Sammlungen und Ausstellungen unabhängig von Zeit und Ort. In Oberösterreich ist das Kunstmuseum Lentos Vorreiter. Vergangene Woche begann das Haus an der Linzer Donaulände mit einer von der künstlerischen Leiterin Hemma Schmutz per YouTube besprochenen 3-D-Führung durch die Ausstellung von Pavel Althamer, "Cosmic Order". Ab heute steht die gesamte Sammlung samt erklärenden Texten von Schmutz und Hintergrundinformationen kostenlos zur Verfügung. Die Software hat das Start-up "qapture" entwickelt.

1200 virtuelle Lentos-Besucher

"Bisher haben bereits mehr als 1200 Menschen unser Angebot angenommen. Positiv überrascht hat uns auch die Verweildauer von rund fünf Minuten im Schnitt", sagt Hemma Schmutz, der ob der viral begründeten Zwangsschließung natürlich das Herz blutet. Was sie am Beispiel der nun für das Publikum geschlossenen Ausstellung von Jakob Lena Knebl "Frau 49 Jahre alt" erklärt. "Jakob Lena Knebl hat den Zuschlag für die Gestaltung des Österreich-Pavillons bei der Biennale 2021 in Venedig bekommen. Das hätte sicher noch mehr Menschen ins Lentos gelockt", sagt Schmutz.

Schwacher Trost: Nach Ostern wird Knebls bunte Lentos-Schau im Netz zu sehen sein. Insgesamt werden dem Lentos und dem Stadtmuseum Nordico bis Ende Juni durch die Schließung rund 200.000 Euro Verlust entstehen.

Das Landesmuseum hinkt im Online-Angebot noch nach. Was vor allem daran liegt, dass das Haus mit Alfred Weidinger erst seit 1. April einen neuen wissenschaftlichen Leiter hat. Weidinger geht aber schon mit Feuereifer ans Werk. Sein Livestream heißt "Stories", sein Online-Werkzeug heißt vorerst einmal Facebook.

Österreichweit ist das Naturhistorische Museum virtuell wohl am besten aufgestellt. Zehn Kurzfilme zu aktuellen Themen wurden bereits online gestellt, mindestens 20 sollen noch folgen. Rund 5000 Klicks haben die von Experten anschaulich gestalteten Videos etwa über die Paarungszeit bei Fröschen und Kröten oder das Geheimnis der Mondphasen bereits. Im neuen Video, das ab Montag viral geht, werden "Tiere aus dem Bodenreich" präsentiert. Auch Bastelanleitungen zu den Filmen für Kinder gibt es.

Täglich, 15 Uhr, im Belvedere

Täglich, um 15 Uhr, tut sich auch auf der Homepage beim Wiener Belvedere etwas. Das große Haus, das besonders unter dem Ausbleiben von Tausenden Touristen täglich leidet, stellt um diese Zeit jeweils ein Bild aus der reichhaltigen Schausammlung im Oberen Belvedere vor. "Herzlich willkommen im Belvedere. Die österreichische Galerie kommt zu Ihnen." So begrüßt der Kunstexperte Markus Hübl seine Gäste zur virtuellen Privatführung und dann erzählt er mit Kompetenz, Charme und Verve derart fesselnd etwa über Marie Louise von Motesiczkys "Selbstporträt mit Kamm", dass die sechs Minuten dauernde Führung im Nu verfliegt.

So kann jetzt jeder ins Museum gehen
Kunstexperte Markus Hübl beschreibt bildhaft Werke im Belvedere.

Täglich bis zu 4000 Kunstinteressierte folgen Markus Hübl. Sowohl das Belvedere als auch die Albertina bieten über die kostenlose App "Artivive" Beschreibungen zu vielen Sammlungsbildern, etwa Gustav Klimts "Der Kuss" an.

Wiewohl keines dieser Angebote einen "echten Besuch" im Museum auch nur annähernd ersetzen können: Vielleicht sind sie der richtige Appetitmacher für bessere (Museums-)zeiten.

Tipps: Kunst im Netz

Kunstmuseum Lentos: 3-D-Rundgänge durch die Sammlung des Hauses und die Ausstellung „Cosmic Order“ von Pawel Althamer. www.lentos.at

Naturhistorisches Museum: Kurzfilme zu aktuellen Themen, Bastelanleitungen für Kinder, Kochrezepte. www.nhm-wien.ac.at

Belvedere: Spannende Erklärungen zu Sammlungsbildern täglich, 15 Uhr neu. www.belvedere.at

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