Austria

Scott Matthew: „Es ist schwer, zur Zeit Hoffnung zu bewahren“

Der Singer/Songwriter kämpft mit Trump und Schreibblockaden und lenkt sich mit dem Sammeln von Antiquitäten ab

von Brigitte Schokarth

Es ist vielleicht der schönste und unaufdringlichste Kommentar eines Musikers zur Corona-Zeit: Im Clip zum Song „Abandoned“ (zu Deutsch: „ Verlassen“) zeigt Scott Matthew Menschen, die alleine in ihren Apartments tanzen, während er mit seiner zerbrechlichen Stimme singt: „Es ist so eigenartig, der einzige zu sein, mit dem ich tanzen kann.“

Auch wenn der Clip so treffend in diesen Frühling passt, ist er doch mehr ein Zufallsprodukt, als ein beabsichtigtes Abbild des Zeitgeistes. Matthew schrieb diesen Song nämlich schon 2017 mit Rodrigo Leão. Er ist Teil des eben erschienen Albums „Adorned“, für das Matthew mit dem Produzenten Jens Gad zehn seiner Klassiker neu aufgenommen hat, um den zutiefst traurigen Songs, die zumeist mit akustischen Instrumenten aufgenommen waren, mit sanften elektronischen Beats hoffnungsvolles Flair einzuhauchen.

„Mehr als ein paar Leute zwischen ihren Kameras und den Bücher-Regalen tanzen zu lassen, war für den ,Abandoned’-Clip nicht möglich“, erzählt er im KURIER-Interview. „Hier in New York hat uns Corona wirklich hart getroffen. Jetzt wird es langsam besser, aber in der ärgsten Zeit sind hier 900 Leute pro Tag gestorben. Sie mussten die Verstorbenen in riesigen Kühl-Trucks zwischenlagern, weil sie mit den Beerdigungen nicht nachkamen.“

Er selbst ist verschont geblieben, nur insofern beeinträchtigt, als er seine Tour zu „Adorned“ in den Herbst verschieben musste. Aber das sagt er, sei okay, da könnten sich die Leute vorher noch in seinen leichteren, mehr verträumt als melancholischen Sound einhören.

Entstanden ist die Idee zu „Adorned“ aus einer Notlage: „Alle Songs, die ich in den letzten 12 Jahren veröffentlicht habe, waren traurige Liebeslieder. Aber jetzt bin ich älter und damit auch glücklicher. Ich sehne mich nicht mehr so sehr nach romantischer Liebe, die mich erfüllt. Ich kann auch gut alleine sein. Mein Hauptantrieb, Songs zu schreiben, ist damit aber in den Hintergrund getreten. Und ich habe einfach noch nicht herausgefunden, was das für mich als Songwriter bedeutet. Deshalb kam mir das ,Adorned’-Projekt gerade recht, denn es nahm mir den Druck, neue Songs zu schreiben.“

Wo ihn das in Zukunft hinführt, weiß der 44-Jährige immer noch nicht. Eines ist aber klar: Ein fröhlicher Pop-Songwriter wird er nicht werden. „Ich bin von Natur aus Pessimist“, sagt der gebürtige Australier, der seit vielen Jahren in New York lebt. „Mich machen schon die kleinsten Dinge fertig. Und gerade jetzt ist es schwer, Hoffnung zu bewahren. Damit meine ich nicht nur Corona, sondern auch unsere Regierung in den USA, wo es gerade auch in Bezug auf die Rechte der LGBT-Community unter Trump solche Rückschritte gibt, Gesetze zurückgenommen werden und Hass- Attacken gegen uns so zugenommen haben. In einer Schwulen-Bar in meiner Straße wurde gerade ein Paar krankenhausreif geschlagen. Der Angreifer schrie die ganze Zeit: ,Das ist jetzt Trump-Territorium!’“

Um sich aufzubauen, beschäftigt sich Matthew derzeit viel mit Geschichte: „Man sagt zwar, dass die Menschheit nicht aus der Geschichte lernt. Aber vor ein paar hundert Jahren gab es fast überall Königreiche und diktatorische Alleinherrscher. Es gab Sklaverei und Weltkriege. In der Beschäftigung damit sehe ich, dass sich schon etwas ändert, dass Dinge mit der Zeit vorüber gehen und das Pendel immer zwischen links und rechts hin und herschwingt. Und im Bewusstsein der Menschen allgemein hat sich zum Beispiel in Bezug auf die Rechte der Schwulen und Lesben in den letzten 50 Jahren viel getan. Es sind nur die Trump-Anhänger, die ihn kultisch verehren, die sich in seiner Regierungszeit gestärkt fühlen und deshalb so aggressiv auftreten.“

Was Matthew auch immer hilft: Sich mit Schönem zu umgeben und Antiquitäten zu sammeln: „Ich liebe Dinge aus der Vergangenheit, wo der Fokus so sehr auf Schönheit lag. Ich habe in meinem Apartment viele Artefakte – eine Büste aus Marmor, ein altes Bild, einen kleinen Silberlöffel oder anderes. Diese Dinge machen mich glücklich.“

Scott Matthew auf Österreich-Tour:

29. 9. Salzburg/ARGEkultur

1. 10. Wien/Porgy & Bess

 2. 10. Linz/ Posthof

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