Austria

Schütze verklagt Familie von getötetem Teenager

Der Fall rund um den erschossenen schwarzen Teenager Trayvon Martin hatte vor einigen Jahren eine heftige Rassismusdebatte in den USA ausgelöst. Nun gehen die Wogen erneut hoch: Der Todesschütze George Zimmerman, der den unbewaffneten 17-Jährigen im Jahr 2012 in Florida getötet hatte, verklagt nun dessen Eltern auf Schadensersatz. Er fordert mehr als 100 Millionen Dollar (etwa 90 Millionen Euro), weil der Hauptzeuge im Prozess wegen Totschlags falsch ausgesagt haben soll.

Martin war in der Schicksalsnacht im Februar 2012 nahe Orlando gerade auf dem Heimweg, nachdem er kleinere Besorgungen gemacht hatte. Er traf schließlich auf den Nachbarschaftswächter Zimmermann, dem der Jugendliche verdächtig vorkam. Nach einer Auseinandersetzung schoss der damals 28-Jährige auf den Buben.

Obama: „Das hätte ich sein können“
Die afroamerikanische US-Community war über den anschließenden Freispruch Zimmermanns entsetzt. Sie ortete einen Rassismusskandal, es gab viele Demonstrationen, auch Prominente reagierten fassungslos ob des Urteils. Sogar der damalige Präsident Barack Obama äußerte sich dazu: „Das hätte ich vor 35 Jahren sein können“, kommentierte er die Tragödie.

Hauptzeuge soll falsch ausgesagt haben
Die neueste Entwicklung könnte nun alte, noch nicht verheilte Wunden aufreißen. Denn Zimmerman will nun 100 Millionen Dollar von den Eltern des Buben - der Hauptzeuge der Anklage in dem Prozess im Jahr 2013 sei ein „Betrüger“ gewesen, der „Falschaussagen geliefert hat, um Zimmerman zu belasten“, erklärte sein Anwalt Larry Klayman. Die Eltern von Trayvon Martin, ihr Anwalt Ben Crump und weitere Personen hätten sich abgesprochen, um eine Zeugenaussage zugunsten des Teenagers zu bekommen.

Anwalt von Trayvons Familie: „Geschichte entbehrt jeder Logik“
Crump wies den Vorwurf als „unbegründet“ zurück. Es handle sich um einen „schamlosen Versuch, aus dem Leben und der Trauer anderer Profit zu schlagen“, erklärte er. Zimmerman wolle „uns glauben machen, dass er ein unschuldiges Opfer einer tiefen Verschwörung ist“, obwohl es keinerlei glaubwürdige Beweise gebe, „die diese haarsträubenden Behauptungen stützen“, erklärte der Anwalt. „Diese Geschichte entbehrt jeder Logik.“

 krone.at