Austria

Ruprechtskirche in Wien: Und der Mann vom Mond schaut zu

55 Stiegen führen vom Morzinplatz zur Ruprechtskirche

© Kurier/Gerhard Deutsch

Teil 3 der Serie "Kunst in der Kirche": Für die älteste erhaltene Kirche von Wien war jahrhundertelang das Salzamt zuständig

von Thomas Trenkler , Gerhard Deutsch

Noch immer stehen ausgebrannte Friedhofskerzen sonder Zahl an jenen Orten rund um die Seitenstettengasse, wo am 2. November ein Attentäter um sich schoss. Auch die Ruprechtskirche könnte ein Ziel gewesen sein. Im Mitteilungsblatt der Gemeinde ist zu lesen, dass an jenem Abend 19 Personen zu einem Konzert versammelt waren. Als Schüsse und Schreie einsetzten, verschloss man die Tür, man versteckte sich auf der Empore und verbrachte bange Stunden des Wartens.

Über die Kirche selbst berichteten die Medien nichts. Und daher wollte Romana Fullerney etwas über sie erzählen, nachdem sie vom KURIER gebeten worden war, uns durch ein Gotteshaus ihrer Wahl zu führen.

Wir trafen die Fremdenführerin auf dem Morzinplatz. Von dort hat man den schönsten Blick auf die von Wohnhäusern eingekesselte Kirche. Sie liegt, wie Maria am Gestade, erhaben einige Meter über dem Donaukanal. Der Weg hinauf führt über 55 Stufen – und man stößt sogleich auf eine monumentale Darstellung des Hl. Ruprechts (oder Ruperts) wohl aus den 50er-Jahren, der ein Gefäß, ein Salzfass, in Händen hält.

Er hatte, etwa um 650 in Worms geboren, in Salzburg die Kirche wie das Kloster St. Peter gegründet und die einträgliche Salzgewinnung in Reichenhall gefördert. Daher wurde er nicht nur zum Landespatron von Salzburg, sondern auch zum Schutzpatron der Salzschiffer. Diese legten an einer Stelle an, die noch heute mit den Flurnamen Salzgasse, Salzgries und Salztorgasse daran erinnert.

Angeblich wurde die Kirche im Jahr 740 gegründet. Sie ist zwar nicht das älteste Gotteshaus von Wien, aber das älteste erhaltene. Und das nur mit viel Glück. Die romanische Kirche wurde z. B. während des Großbrands 1276 schwer beschädigt – und anschließend gotisiert, wie man an den unregelmäßig eingeschnittenen Spitzbogenfenstern sehen kann.

Auch in den folgenden Jahrhunderten gab es Veränderungen. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde südseitig an das Langhaus ein Seitenschiff angebaut. Und direkt neben der Kirche stand, wie Romana Fullerney erzählt, der Pragturm. In diesem residierte, weil das Geschäft mit dem Salz ein Monopol war, ab 1504 das Salzamt.

„Es hatte die Aufgabe, das in Blöcken auf Schiffen angelieferte Salz für den Detailverkauf vorzubereiten. Einer Legende zufolge soll das in der Kirche passiert sein.“ Das Salzamt, auch für die Erhaltung des Gebäudes zuständig, bestand bis 1824. Aber erst acht Jahre später wurde der Pragturm demoliert. Und so entstand die Redewendung, dass man sich, wenn etwas aussichtslos ist, beim Salzamt beschweren könne.

Glasfenster aus 1300

In der Apsis, der nun von barocken Einbauten befreiten, nüchtern weiß gekalkten, etwas gedrungen wirkenden Kirche entdeckt man die zwei ältesten Glasfenster Wiens (um 1300). Sie überdauerten auch das Bombardement im Zweiten Weltkrieg; fast alle anderen Fenster stammen von Lydia Roppolt aus 1993.

Man stößt auf einen in die Mauer der Empore eingelassene Steinplatte mit der Datierung 1439 und den Selbstlauten aeiou. Sie erinnert an Friedrich III., der am 6. Dezember jenes Jahres in Wien einzog, und dessen Motto. Das Tauf- und Weihwasserbecken im Seitenschiff ist aus dem Jahr 1500; die Skulptur des Hl. Ruprecht aus 1370. Und daneben hängt an der Wand eine Muttergottes aus 1510, die, wie Romana Fullerney erklärt, zwei Besonderheiten hat: „Normalerweise ist das Jesuskind dem Betrachter zugewandt. In diesem Fall aber schaut es ins Gesicht seiner Mutter. Und es ist keine Standfigur. Denn statt des Bodens sieht man das Relief eines Gesichts. Es wird als das Gesicht des Mondes interpretiert.“

Auch aus der Barockzeit gibt es eine Besonderheit, einen Reliquienschrein, der 1767 Maria Theresia geschenkt wurde. Die Knochen, mit Wachs verbunden und barock bekleidet, dürften allerdings nicht viel älter sein – und stammen daher kaum vom Hl. Vitalis. Vielleicht aber das noch nicht analysierte Blut, das in einem kleinen Fläschchen vertrocknet ist?

Über die Treppe, vorbei am ehemaligen Hochaltargemälde aus 1703, geht es hinauf zur Empore. Dort hat sich, weil das Seitenschiff angebaut wurde, ein ehemaliges Außenfenster mit einem bemalten Schlussstein erhalten. Und von dort führt eine Hühnerleiter hinauf zu den Glocken. Eine davon ist die älteste von Wien, die uns noch immer die Stunde schlägt.

Zur Person
Romana Fullerney, geb. in Wien, finanzierte sich das Französisch- und Spanisch-Dolmetschstudium mit Reiseleitungen. Seit 1992 ist sie Fremdenführerin.  An ihrem Beruf schätzt sie die Eigenverantwortlichkeit, die Internationalität der Gäste „und dass man Menschen glücklich machen kann, wenn man ihnen die Schönheit Wiens zeigen darf“

Schwerpunkte
Stadtspaziergänge zu zwölf Themen: über Engel, Brunnen, das grüne Wien,   Hoftratsch- und Klatschgeschichten, Erotik im Alten Wien, Spittelberg, afrikanische Spuren und auf Weltreise in Wien. Führungen auf Spanisch, Portugiesisch und Deutsch.


Info: [email protected] 

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