Austria

Roman aus 1893: Österreich wird heuer zur kommunistischen Monarchie

© Verlag Richard Lincke / Luftschacht

Wien sieht aus wie Tulln, prophezeite der schrullige Jurist Josef von Neupauer

von Peter Pisa

Es gibt einen Roman, „Österreich im Jahr 2020“ heißt er, der erstmals 1893 (!) erschienen ist, übrigens im Verlag, der später Bertha von Suttners Roman „Die Waffen nieder!“ veröffentlichte.

Es handelt sich um die Utopie des „Hof- und Gerichtsadvokaten“ Josef Ritter von Neupauer (Foto oben):

Auf den Kahlenberg fährt noch immer die Zahnradbahn (tatsächlich 1919 einstellte). Die Armee wurde abgeschafft, Geld wurde abgeschafft, europäische Staaten außer England haben einen gemeinsamen „Sanitätsbezirk“ gegründet, um eingeschleppte Krankheiten zu verhindern.

Schandmal

Wien schaut, abgesehen vom Ring, ähnlich wie Tulln aus und hat nur noch drei Kirchen, als Erinnerung.

Es gibt kein Privateigentum, nicht einmal Bücher haben die Leute – aber 40.000 Lesesäle und viele Millionen aus aller Welt angekaufte Bücher sorgen für Bildung.

Die Österreicher sind gescheite Leute. Niemand raucht mehr, jeder spricht mindestens zwei Sprachen, meistens sogar fünf, sechs.

Zwei amerikanische Forscher, die Herren West und Forest, kamen angereist. Sie sehen Eisenbahn, Tramway, Fahrräder. Viele Gärten. Wenige Telefone.

Österreich ist plüschig.

Dass es kommunistisch ist, missfällt ihnen sehr ...

In der Nähe des Wiener Rathauses staunen sie über eine Statue aus reinem Gold – Schandmal für die alte, begrabene Wirtschaftsordnung, 1943 aufgestellt. (1943 forderte Goebbels den „totalen Krieg“.)

Konservativ

... aber dass das Land trotz Kommunismus Kaiser und Kaiserin und Prinzessinnen und Fürsten hat, macht die Besucher sprachlos.

Die Erklärung, die von Neupauer gibt: Österreicher sind konservativ, es wird beibehalten, was sich nicht als schädlich erwiesen hat, also dürfen die Habsburger ruhig ein bissl repräsentieren.

Der Blick in dieses andere heurige Jahr macht schwindelig.

Kein Jubel

Der Autor von „Österreich im Jahr 2020“ dürfte ein angesehener, aber etwas ... schrulliger Mann gewesen sein. Man weiß wenig über ihn, der Münchner Essayist Tobias Roth, von dem das Vorwort zum Roman stammt, hat in einer alten Zeitung gefunden:

Josef von Neupauer war dafür bekannt, neu gegründeten humanitären Vereinen seine Hilfe anzubieten.

Einmal schaltete er sich ein und versprach „die Herbeischaffung von zehn Millionen Mitgliedern“. Als der Gründer der Vereinigung nicht gleich in Jubel ausbrach, entfernte sich von Neupauer tief gekränkt.

So etwas stand 1893 im Neuen Wiener Tagblatt.

Das Bemühen, eine Handlung im Buch zu installieren und nicht bloß Visionen aneinander zu reihen, ist gegeben.

Man pendelt beim Lesen zwischen wachem Interesse (das ist bereichernd) und müden Augen (es muss ja nicht immer bereichernd sein).

Die Amerikaner haben Bruck an der Mur besonders „reizend“ gefunden.


Josef von Neupauer:
„Österreich im Jahre 2020“
Vorwort von Tobias Roth.
Luftschacht
Verlag.
304 Seiten.
26 Euro

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

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