Austria

Regierung wollte Experten mehr medialen Raum geben - aber die Bühne ist dauerbesetzt

CORONA-IMPFUNG: PRÄSENTATION DER SPRECHERINNEN UND SPRECHER DER INITIATIVE "ÖSTERREICH IMPFT"

© APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTH

Rudolf Anschober bespielt die Medien rund um die Uhr und gibt täglich eine Pressekonferenz. Warum das jetzt für Verdruss sorgt.

von Daniela Kittner

Die schwierigste Phase der Pandemie steht noch bevor – und Gesundheitsminister Rudolf Anschober läuft zur Höchstform auf. Sonntagabends Im Zentrum, morgens im Ö1-Journal, dann in der ZiB 2, im Krone TV und dazwischen die tägliche (!) Pressekonferenz. Kein Werktag ohne Anschober.

Stets mit Taferl, Zahlen referierend, Ausblicke formulierend („Das Schlimmste steht uns noch bevor“), erklärt der Minister die jüngsten Entwicklungen der Pandemie.

Den Brauch übte der Grüne schon in Oberösterreich aus. Noch heute erzählt man sich, dass Anschober in zwölf Jahren Landesrat keinen Tag ohne Presseauftritt verstreichen ließ.

In der größten Gesundheitskrise seit 100 Jahren gibt es natürlich viel zu kommunizieren – und es ist ja nicht so, dass Anschobers Botschaften auf Desinteresse stoßen würden. Sie gehören alltäglich zu den meistgeklickten Storys auf der Website.

Neuerdings gereicht das überbordende Mitteilungsbedürfnis des Gesundheitsministers jedoch zur Verstimmung in der Koalition.

Türkis und Grün hatten nämlich vereinbart, in der Impfphase die Kommunikation an Experten abzutreten.

In Deutschland ist das seit Beginn der Pandemie der Fall. Der Virologe Christian Drosten ist dort der Chefkommunikator in Sachen Corona.

In Österreich hatte hingegen die Politik diese Rolle mit-übernommen. Das virologische Quartett, angeführt von Kanzler Sebastian Kurz, flankiert von Vizekanzler Werner Kogler, Anschober und Innenminister Karl Nehammer, kommunizierte auch den epidemiologischen Teil der Krise.

Wegen nachlassenden Publikumsinteresses ist das virologische Quartett inzwischen vom Spielplan abgesetzt. Als Ersatz riefen die Strategen von Kurz und Kogler, Gerald Fleischmann und Stefan Wallner, die Initiative „Österreich impft“ ins Leben. Getragen wird sie von hochkarätigen Uni-Professoren wie Markus Müller. Unterstützt wird sie von der Bundesregierung.

Am 11. Jänner hatte sich „Österreich impft“ öffentlich vorgestellt, am 22. Jänner hätte auf der Uni Wien die zweite Pressekonferenz stattfinden sollen. Doch da grätschte Anschober mit einem eigenen Auftritt dazwischen, die Experten-Initiative der Regierung musste terminlich ausweichen. Am kommenden Montag wird sie einen neuen Versuch unternehmen, sich Gehör zu verschaffen. Es wird nicht einfach.

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