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"Ping-Pong-Diplomacy": Als ein Tischtennisball Weltpolitk betrieb

Amerikas Tischtennisspieler wurden 1971 unversehens zu Botschaftern und sorgten mit ihrer Tour durch China für gloables Aufatmen. Fünf Jahrzehnte später ist das Klima wieder frostig.

Sport verbindet. Das galt besonders vor 50 Jahren, als sich die USA und China über "Ping-Pong-Diplomatie" erstmals annäherten, nachdem sie im "Kalten Krieg" kaum Kontakt hatten. Fünf Jahrzehnte später sind die Beziehungen heute so vielfältig wie nie zuvor. Doch wächst die Rivalität zwischen der alten Supermacht USA und der aufstrebenden Wirtschaftsnation.

Rollten damals meist nur Fahrräder durch die Hauptstadt des noch unterentwickelten Chinas, belauern sich heute Kriegsschiffe und Flugzeugträger beider Seiten in umstrittenen Seegebieten der Region. Von einem "neuen Kalten Krieg" ist die Rede - und der Gefahr eines militärischen Konflikts.

Im falschen Bus

Die historische Annäherung begann 1971 mit einer Busfahrt bei der Tischtennisweltmeisterschaft im japanischen Nagoya. Es gibt zwei Versionen, wie alles begann: Chinas Spieler erzählen bis heute, dass der US-Spieler Glenn Cowan irrtümlich in ihren Bus geklettert sei. Hingegen schilderte der 19-Jährige, vielmehr eingeladen worden zu sein, mit der chinesischen Mannschaft zu einer Trainingshalle zu fahren. Einig sind sich beide Seiten, dass der dreimalige Weltmeister Chinas, Zhuang Zedong, ihn im Bus willkommen geheißen habe.

"Er war zu schüchtern, um ein Training mit Zhuang vorzuschlagen", erinnert sich heute der chinesische Spieler Liang Geliang in einem Interview der "Beijing Rundschau" an den langhaarigen Cowan. Der Hippie-Typ habe dann ihn, den jüngsten Spieler im chinesischen Team, aufgefordert: "Ein Übungsspiel?" Das Eis war gebrochen. "Wir hatten eine gute Partie", erzählt Liang. "Alle waren glücklich. Uns wurde klar, dass es nicht nur um Tischtennis ging. Es ging um Freundschaft und darum, Bande zu knüpfen."

Mysteriöse Einladung aus China

Die Nachricht von dem Training machte die Runde. Am letzten Tag der Weltmeisterschaft lud Chinas Regierung plötzlich die US-Mannschaft in die Volksrepublik ein. Seit der Machtübernahme der Kommunisten 1949 in Peking hatte meist Schweigen zwischen beiden Seiten geherrscht. China kämpfte im Koreakrieg 1950-53 gegen US-Truppen, unterstützte später Nordvietnam in seinem Krieg mit dem Süden und den USA. Keine offizielle US-Delegation hatte China jemals besucht. Der "große Vorsitzende" Mao Tsetung sah in der "Ping-Pong-Diplomatie" eine willkommene Gelegenheit, die US-Präsident Richard Nixon überraschte und nutzte - auch weil er den Vietnamkrieg beenden wollte.

Es galt für Amerikaner zwar noch ein Verbot für China-Reisen, aber nur wenige Tage später flogen 15 US-Spieler, Betreuer und Ehefrauen nach Hongkong und überquerten mit zehn Journalisten die Grenze in die abgeschottete, kommunistische Volksrepublik. "Alles war anders als irgendwas, was ich je gesehen hatte", sagte der US-Spieler Tim Boggan der "New York Times". Zehn Tage besuchten sie Guangzhou, Shanghai und Peking, sahen die Große Mauer, den Sommerpalast und eine revolutionäre Oper. Unter dem Motto "Freundschaft zuerst, dann Wettbewerb" gab es Schaukämpfe, wo die Chinesen die schlechter spielenden Amerikaner auch mal gewinnen ließen.

Zhou Enlai, der Stratege

Der protokollarische Höhepunkt war ein Empfang am 14. April 1971 durch Premier Zhou Enlai in der Großen Halles des Volkes. "Sie haben ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen dem amerikanischen und chinesischen Volk aufgeschlagen." Am selben Tag kündigte Nixon die Lockerung des 20 Jahre alten Handelsembargos an. Im Juli folgte eine geheime Reise des damaligen Sicherheitsberaters Henry Kissinger nach China. Im Februar 1972 reiste Nixon als erster US-Präsident nach Peking, traf Mao und Zhou und machte erste Schritte für eine Normalisierung der Beziehungen. "Der kleine Ball bewegt den großen Ball", bediente sich Mao damals der Tischtennis-Metaphorik.

Fünf Jahrzehnte später ist das Verhältnis wohl auf den tiefsten Punkt seit Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1979 gefallen - durch den Handelskrieg, die Unberechenbarkeit und die Sanktionen des 2020 abgewählten US-Präsidenten Donald Trump. Zugrunde liegen tiefes Misstrauen und eine wachsende strategische Rivalität. So verfolgt auch der neue US-Präsident Joe Biden eine harte Linie. Von einem neuen Kapitel in den Beziehungen keine Spur.

Der Stillstand "ähnelt in gewissem Maße dem, was vor 50 Jahren war", schreibt die "Global Times", die vom kommunistischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird. Chinesische Staatsmedien sind voll mit Berichten damaliger Augenzeugen der "Ping-Pong-Diplomatie", die dazu aufrufen, dass beide Seiten Lehren aus der historischen Erfahrung ziehen sollten. Es könne "positiven Schwung zur Wiederherstellung der Beziehungen" schaffen, wird argumentiert.

(Schluss) jeg

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