Austria

Pflegebereich: Verwunderung über Gratis-Masken vor Supermärkten

Nach den ersten Coronavirus-Fällen in Europa ist die Nachfrage nach Grippeschutzmasken in den Apotheken in Österreich höher als sonst.

© APA/HANS KLAUS TECHT

Konkurrenz zu Supermärkten verschärft die Lage beim Einkauf. Hilfsorganisationen forden Unterstützung von Land und Bund.

von Katharina Zach

Der Aufschrei war groß. Schon Mitte März kritisierten niedergelassene Ärzte, aber auch ihre Kollegen im Spital, dass sie mangels Schutzausrüstung nicht gut vor einer Coronavirus-Infektion geschützt sind. Auch die Pflege klagte. Tatsache ist: Desinfektionsmittel, Schutzbrille, Schürzen, und Atemschutz- sowie OP-Masken sind derzeit rares Gut. Denn sie sind kaum mehr zu bekommen.

Doch künftig erhält jeder Österreicher vor dem Supermarkt – und wenn er nur ein Packerl Milch kauft – eine Mund-Nasenschutzmaske ausgehändigt. In vielen Fällen wird er sie nachher wegwerfen. Das sorgte bei vielen im Gesundheitsbereich Beschäftigten zumindest für Verwunderung.

Während Schutzausrüstung höherer Klassen speziell für die Behandlung von Corona-Patienten von den Ländern zur Verfügung gestellt werden, müssen Spitalsträger aber auch Einrichtungen wie das Rote Kreuz, die Caritas oder Diakonie den Einkauf von regulärer Schutzausrüstung, zu der auch Mund-Nasenschutzmasken zählen, selbst auf dem Weltmarkt beschaffen. Dort stehen sie nun zusätzlich noch mit den Supermärkten in Konkurrenz. Diese könnten pro Woche bis zu 24 Millionen Stück benötigen.

Mangelnde Wertschätzung

Zwar betont man bei der Stadt, dass die derzeit ausgegebenen Masken mangels Zertifizierung im Gesundheitsbereich gar nicht eingesetzt werden können, doch ob das so bleibt, ist unklar. Selbst bei einem Lebensmittelkonzern heißt es: „Diese Masken bräuchte der Pflegebereich auch.“

Für Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes zeige das einmal mehr deutlich, welchen Stellenwert der Pflegebereich in der Gesellschaft hat. "Pflegeberufe haben zu funktionieren, egal wie dramatisch die Situation ist und wie fragwürdig der Schutz der Mitarbeiter", sagt sie in Hinblick auf die mangelnde Ausstattung mit Schutzmasken. Von ihnen sei Altruismus gefordert, während anderen ein  sorgloser Umgang mit dieser wertvollen Ressource eingeräumt werde.

Es brauche jedenfalls mehr Schutzmasken für den Pflegebereich, auch wenn die Mund-Nasenschutzmasken laut Experten nicht vor einer Ansteckung schützen. "Wir müssen alles tun, um das Virus nicht weiterzuverbreiten und da gehören diese Masken dazu sagt", sagt sie. Pflegekräfte sollten diese sofort bei Dienstantritt tragen.

An die Supermarkt-Kunden appelliert sie, selbst gemachten Mundschutz zu verwenden, oder den Verteilten öfter zu tragen. Allerdings sehen Experten das kritisch.

Hilfsorganisationen: Pflegebereich sollte Priorität haben

Auch Klaus Schwertner, Generalsekretär der Cariats Wien, sagt, dass die Gratisausgabe von Masken vor den Supermärkten die Beschaffung von Schutzmaterial noch schwieriger macht. Generell sei die Lage dramatisch. "Die Preise explodieren."

Dazu werden Zusagen nicht eingehalten. Aber: "Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Schürzen sollten nicht an den Bestbieter gehen." Immerhin habe nun die Lieferung einer Tranche von 100.000 OP-Masken geklappt und auch die Stadt Wien habe zugesagt, Atemschutzmasken einer höheren Schutzklasse zur Verfügung zu stellen.

Trotzdem appellieren Caritas, Diakonie, Hilfswerk und Volkshilfe nun an Bund und Länder, den Pflegebereich bei der Ausstattung mit Schutzbekleidung prioritär zu behandeln. Gerade im Bereich der Langzeitpflege sei Prävention von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der Infektionsrate, erklärt etwa Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie.

Gesammelter Einkauf in Wien

In Wien versucht man bereits für die Problematik eine Lösung zu finden. So übernimmt der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) den Einkauf von Schutzausrüstung für alle Spitäler in der Stadt - sowohl öffentliche als auch private -, für den Pflege- und Gesundheitsbereich sowie die niedergelassenen Ärzte. Auch für die Gesundheitseinrichtungen des Burgenlandes kauft der KAV ein. Denn es gilt: Je größer die Einkaufsmenge, desto günstiger der Preis. Zudem stehen dann nicht sämtliche Träger in Konkurrenz.

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