Austria

Perspektiven fehlen: Stöger verlässt Austria mit Saisonende

Zu den Gründen für seinen bevorstehenden Abgang machte Stöger keine genauen Angaben, ließ aber erkennen, dass ihm trotz des Einstiegs der Insignia-Gruppe als strategischer Partner die Perspektiven fehlen.

Öffentliche Kritik oder Vorwürfe gab es vom Wiener nicht. "Ich werde dem Verein immer treu bleiben und zur Seite stehen, wenn man meinen Rat will, ohne Honorar", sagte Stöger. Er sei nicht enttäuscht. "Das ist ein großer Club, da gibt es Entscheidungen, die vollkommen in Ordnung sind."

Bei der Präsentation von Insignia als neuem Partner wurde die Champions-League-Teilnahme als langfristiges Ziel ausgegeben. Gut fünf Wochen später traf noch immer kein Geld am Konto ein, es drücken Verbindlichkeiten von 78 Millionen Euro, die Lizenzvergabe naht - alles andere als ideale Voraussetzungen, um an einem Kader für die kommende Saison zu basteln.

Angesichts dieser Voraussetzungen zog Stöger die Reißleine und ließ dabei durchblicken, dass er an der Umsetzung der hochgesteckten Ziele mit Insignia zweifelt. "Ich bin ein nüchterner, realistischer Mensch und halte das alles für schwierig in der Umsetzung und Entwicklung", sagte Stöger im Zusammenhang mit dem strategischen Partner.

Der Ex-Teamspieler kam im Juli 2019 als Sportvorstand zur Austria und sollte am Verteilerkreis eine neue, schlagkräftige Mannschaft aufbauen. Stattdessen war der frühere Köln- und Dortmund-Coach vor allem mit wirtschaftlichen Baustellen und Sparzwängen konfrontiert.

In seinem ersten Jahr schaffte es die Austria mit Trainer Christian Ilzer nicht in die Meistergruppe und verpasste danach im Play-off einen Europacup-Platz. Danach übernahm Stöger selbst den Trainerjob, doch auch unter seiner Führung landeten die Violetten nur in der Qualifikationsgruppe. Dort liegt man nach der Niederlage in Hartberg an zweiter Stelle.

Stöger fasste seinen Entschluss schon vor dem Hartberg-Spiel und teilte dies nach eigenen Angaben auch Vereinspräsident Frank Hensel am Freitag mit. Im "Sky"-Interview vor der Partie meinte der Wiener noch, er werde im Laufe der kommenden Woche über seine persönliche Zukunft berichten.

In der Pause erzählte dann der Austria-Vorstandsvorsitzende Markus Kraetschmer auf "Sky", man wolle Rahmenbedingungen schaffen, um Stöger zu halten. Diese Aussage bewog den Coach dann offenbar dazu, nach der Partie reinen Tisch zu machen.

Außerdem betonte Stöger, es habe von seiner Seite kein Ultimatum gegeben, auch an seinen Gehaltsvorstellungen sei eine weitere Tätigkeit nicht gescheitert. "Die Vertragsgestaltung war kein Grund, so weit sind wir gar nicht gekommen", erklärte der Austria-Meistermacher von 2013.

Stöger ist damit noch die acht verbleibenden Runden in der Qualifikationsgruppe im Amt - und eventuell im Play-off um einen Platz in der Qualifikation für die neu geschaffene Conference League. "Ich werde versuchen, den siebenten Platz (Anm.: gleichbedeutend mit dem ersten Platz in der Quali-Gruppe) zu holen und einen internationalen Bewerb zu schaffen", kündigte Stöger an.

An der Suche nach seinem Nachfolger wird unter anderem Kraetschmer federführend beteiligt sein. Der 49-Jährige steht aufgrund des Schuldenbergs der Austria selbst schwer in der Kritik, erhielt allerdings einen neuen Ein-Jahres-Vertrag mit abgeänderten Kompetenzen. Der künftige Vorstand der Vereins-AG, Gerhard Krisch, tritt sein Amt offiziell mit 1. Mai an.

Bei der Verpflichtung der neuen sportlichen Leitung wird auch Clubchef Hensel ein Wörtchen mitreden - so wie wohl auch der neue Partner Insignia mit Aleksandar Bursac in der FK Austria Wien International Marketing GmbH.

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