Austria

Österreichs stärkster Computer nimmt Betrieb auf

An der Technischen Universität Wien steht die vierte Ausbaustufe des Großrechners Vienna Scientific Cluster. Er soll der heimischen Forschung für verschiedenste rechenaufwendige Fragestellungen zur Seite stehen.

ie sah das Universum in den allerersten Sekundenbruchteilen nach dem Urknall aus? Wie wirkt sich die globale Erwärmung auf das Mikroklima der österreichischen Berge aus? Wie verhalten sich große Proteine, und welche Quanteneffekte treten in neuen Materialien auf? Für Fragen, die sich mitunter der menschlichen Vorstellungskraft entziehen, die aber durchaus mit mathematischen Modellen simuliert werden können, steht seit dieser Woche ein neues Werkzeug in Wien bereit, das den internationalen Vergleich nicht scheuen muss.

Viermal schneller als Vorläufer

Der Vienna Scientific Cluster 4 (VSC-4) rangiert unter den 500 stärksten Computern der Welt auf Platz 93. Mit 2,7 Petaflops (Millionen Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde) im Dauerbetrieb ist er mehr als viermal schneller als sein Vorgänger, VSC-3. Maßgeblich finanziert vom Wissenschaftsministerium soll das acht Millionen Euro teure Gemeinschaftsprojekt der TU Wien, Uni Wien, Boku, TU Graz und Uni Innsbruck heimischen Forschern zur Verfügung stehen, deren Projekte einen Peer-Review-Prozess erfolgreich durchlaufen, wissenschaftliche Exzellenz bewiesen und einen Bedarf an extrem hoher Rechenleistung nachgewiesen haben.

Installiert wurde der Großrechner bereits im Sommer an der TU Wien, doch bis alle Abnahmeprozesse abgeschlossen waren, musste sich die wissenschaftliche Gemeinschaft noch einige Monate gedulden. Nun ist die Maschine, deren Komponenten von dem chinesischen Computer- und Smartphone-Hersteller Lenovo stammen, voll funktionsfähig und bereits voll ausgelastet. Laut dem technischen Leiter der Anlage, Ernst Haunschmid, dauert es aber üblicherweise nur ein paar Stunden, bis man mit seinem Rechenauftrag an der Reihe ist.

Insgesamt verfügt der VSC-4 über 790 Knoten zu je zwei Prozessoren mit je 24 Kernen – zusammengezählt ergibt das wuchtige 37.920 Prozessorkerne. Die erzeugen auch eine Menge Wärme, die über ein eigens entwickeltes, energieeffizientes Kühlsystem abgeleitet wird, um die Stromkosten so niedrig wie möglich zu halten.

Wasser statt Öl zur Kühlung

Luftkühlung wie bei herkömmlichen Bürorechnern käme wegen der extremen Verdichtung der Leistung auf kleinstem Raum nicht infrage. Spezielle Kupferleitungen pumpen daher zehn Liter Wasser pro Sekunde um die Prozessoren – anders als bei seinem Vorgänger, dessen Rechenkerne in 35 Tonnen Paraffinöl gebadet wurden, 2014 noch der neueste Stand der Technik. Dennoch machen sich die 600 Kilowatt, die der VSC-4 maximal leistet, bemerkbar: In dem gut 17 Quadratmeter großen Raum, in dem er untergebracht ist, wird es über 50 Grad Celsius heiß.

Derzeit verwenden etwa 300 laufende Projekte verschiedenster Fachrichtungen mit in Summe etwa 1200 individuellen Benutzern die Systeme des VSC. (däu)