Austria

Österreichs Lockdown wird verlängert: Aus 76 werden knapp 100 Tage

© APA - Austria Presse Agentur

Alles bleibt still: Heute verkündet die Regierung, dass der Lockdown mindestens um zwei Wochen verlängert wird. Grund dafür ist die Mutation des Corona-Virus. FFP2-Masken werden Pflicht – auch nach dem Lockdown

von Ida Metzger, Michael Hammerl, Bernhard Gaul

76 Tage befindet sich die Republik nun schon im Lockdown, erst im soften, dann im härteren, dann im „gelockerten“, dann wieder im verschärften. Und so wie  sich die Situation entwickelt, werden es insgesamt wohl rund  100 Tage, die das Land  in diesem Lockdown verharren muss.

Mit bedrückenden Zahlen und klaren Ansagen der Pandemie-Experten im Gepäck, verkündet die Regierung heute, am Sonntag, weitere Verschärfungen und die Verlängerung des Lockdowns.

Nach KURIER-Informationen wird das Leben für weitere 14 bis 21 Tage stillgelegt werden. Die Pforten von Shops, Hotels und Wirtshäuser bleiben weiter geschlossen. Auch die Schulen werden nicht, wie erst vor wenigen Tagen von Bildungsminister Heinz Faßmann erhofft und angekündigt, geöffnet. Faßmann wollte mit fünf Millionen Covid-Schnelltests für die Schüler das Infektionsgeschehen an den Schulen noch vor Semesterende in den Griff bekommen.

Lichtblick erst im Februar

Einen ersten Lichtblick wird es erst Mitte Februar geben. Unter strengsten Auflagen soll dann eine kleine Rückkehr zur Normalität möglich sein.

Warum aber debattierte man vor wenigen Tagen über Eintrittstesten und nun ist wieder alles anders? Der hochinfektiöse britische Variante macht Virologen und Regierung gleichermaßen nervös. Am Samstag waren es 1.723 Neuinfektionen, die Sieben-Tages-Inzidenz konstant über 130: „Viel zu hoch“, schlussfolgert Oswald Wagner von der MedUni Wien bei einem Gespräch mit der Bundesregierung. Der Inzidenz-Grenzwert liege bei 50. Darüber solle man nichts lockern.

Auch deshalb, weil sich die britische Virus-Mutation wohl noch schneller ausbreitet als befürchtet. Dafür gibt es deutliche Anzeichen: Bei einer Stichprobe in Wien wurden 14 von 83 positiven PCR-Tests einem mutierten Stamm zugewiesen. Das sind alarmierende 17 Prozent der positiven Fälle (siehe Seite 6). Bisher ging man von einem einstelligen Prozentsatz bei der Ausbreitung aus. Man müsse zwingend Zeit gewinnen, die „Bewegung“ der Bevölkerung einschränken, sonst würden „explosionsartige“ Infektionszahlen drohen, warnt der Molekularbiologe Andreas Bergthaler.

Große Sorge vor Mutante
Bei Beratungen der Regierung am Samstag mit Wissenschaftern drängten diese – vor allem mit Blick auf die Virus-Variante B.1.1.7. (Seite 6) –  auf eine Verlängerung des Lockdowns um zwei bis drei Wochen. Die 7-Tages-Inzidenz müsse auf 50 gesenkt werden, sagte MedUni-Wien-Vizerektor Oswald Wagner. Zudem brauche es eine FFP2-Maskenpflicht

Aktuelle Situation
Die Rate der Neuinfektionen sei für ein Aufmachen „aus unserer Sicht viel zu hoch“, betonte Wagner. „Die Neuinfektionen gehen nicht mehr stark genug zurück“, die Sieben-Tages-Inzidenz habe sich zuletzt zwischen 130 und 150 eingependelt

Zielwert  7-Tage-Inzidenz: 25
Statistiker Erich Neuwirth forderte überhaupt einen Wert von 25, dann wären die Neuinfektionen „beherrschbar“ und  Contact-Tracing wieder möglich

FFP2-Maskenpflicht

In Supermärkten, Apotheken, Postämtern und Öffis soll eine FFP2-Maske verpflichtend vorgeschrieben werden. Diese Pflicht wird auch auf den gesamten Handel ausgeweitet, sobald der Lockdown beendet ist. Dazu kommen ab Mitte Februar die verpflichtenden Eintrittstests sowie Regeln für größeren Abstand. Und die Ausweitung von Homeoffice wird empfohlen.

Dieser Entscheidung gingen Marathonverhandlungen voraus. „Das Problem ist, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung rapide sinkt. Der dritte Lockdown hat nur mehr eine Reduktion der Infektionszahlen um 30 Prozent gebracht“, so ein Sitzungsteilnehmer.

Neu im Prozedere war ein Detail: Die Regierung entschied nicht mehr im Alleingang, sondern die Landeschefs sind mit an Bord. Am Freitag diskutierte Bundeskanzler Sebastian Kurz im Palais Niederösterreich viereinhalb Stunden mit den Landeshauptleuten. Es war eine schwierige Abwägung.

Landeschefs dabei

„Es ist aber nicht so, dass bei Kurz plötzlich die Akzeptanz gegenüber den Landeshauptleuten gewachsen ist, sondern er braucht sie jetzt. Denn ihm steht das Wasser vielleicht noch nicht bis zum Hals, aber schon sehr hoch“, so ein Insider.

Die Gretchenfrage war, das Ausmaß des mutierten Virus einzuschätzen: Schafft man es, alle vulnerablen Gruppen zu impfen, bevor das mutierte Virus bei den Infektionszahlen durchschlägt? „Die Experten würden noch ein paar Tage mehr für die genaue Analyse brauchen, aber die haben wir nicht“, schilderte ein Insider das Dilemma der Situation. Auch die Sozialpartner machten Druck, dass der Lockdown nicht bis Anfang März dauern dürfe.

Was Kurz auf keinen Fall wollte: So wie in Südtirol oder Irland Lockerungen verkünden, um dann zehn Tage später den vierten Lockdown beschließen zu müssen. „Das, so sagt er, würde die Akzeptanz in der Bevölkerung nochmals sinken lassen“, erzählt ein Teilnehmer.

Dann lieber den deutschen Weg gehen. Mittlerweile soll Kurz fast täglich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonieren. Auch an den Empfehlungen des deutschen Robert-Koch-Instituts soll sich der Kanzler vermehrt orientieren, hört man aus den Konferenzen.

Andere Insider bringen den Entschluss jovialer auf den Punkt: „Wenn Kurz nach zwei Wochen der Lockerung den vierten Lockdown verkünden muss, ist er im A. ...“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Football news:

Cavani ist wieder im Training und wird wahrscheinlich mit Crystal Palace spielen
Fabio Capello: Juve spielte Rugby gegen Porto. Nur Ronaldo und Chiesa können einen Unterschied in dieser Zusammensetzung machen
Neymar: Ich habe geschrieben, wie ich mich von der Verletzung erholt habe, und habe keine Nachrichten mit den Worten bekommen: Wow, was für ein Profi. Kein einziger PSG-Stürmer Neymar äußerte sich unzufrieden mit der Aufmerksamkeit, die ihm bei seiner Arbeit an der Genesung zukommt
Ole-Gunnar Sulscher: Die Arbeit der Schiedsrichter ist sehr komplex und ohne zusätzlichen Druck. Wir müssen ihre Entscheidungen treffen
Er gibt dem Klub 30% des Einkommens
Trent vergöttert Gerrard von Kindheit an und kam in ein Märchen: Er erhielt von Steven Pflege und Kapitänsbinde. Die Geschichte der schönen Beziehungen
Hazards Genesung nach der Verletzung verzögert sich. Wahrscheinlich wird er am 7.März nicht mit Atlético spielen