Austria

Ökonom fordert Sonntagsöffnung im Kampf gegen Online-Handel

Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

© REUTERS/Fabrizio Bensch

Marcel Fratzscher löst Debatte über längere Ladenöffnungszeiten in Deutschland aus.

von Anita Staudacher

In Deutschland ist eine Diskussion über die Lockerung der Ladenöffnungszeiten zur Ankurbelung des privaten Konsums ausgebrochen. So fordert der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher im Handelsblatt, eine "Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, damit der stationäre Einzelhandel sich im Wettbewerb gegen den Onlinehandel behaupten und Arbeitsplätze sichern kann".

Der Ökonom stellte sich damit an die Seite des Handelsverbands HDE, der ebenfalls die Öffnung auch an Sonntagen fordert. "Durch die Pandemie gab es eine massive Verschiebung hin zum Online-Handel, was sich auch nach der Pandemie nicht komplett wieder umkehren wird", sagte Fratzscher. Online könnten Menschen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche einkaufen, aber der stationäre Einzelhandel habe weiterhin ein "enges Korsett" und müsse sonntags geschlossen sein.

"Anstelle von Sanktionen oder Abgaben für den Online-Handel sollte die Politik den stationären Einzelhandel attraktiver machen", sagte der DIW-Chef. Dazu gehörten neben flexibleren Einkaufszeiten auch moderne urbane Konzepte, durch die die Innenstädte wieder attraktiver werden.

Gewerkschaft schäumt

Die Gewerkschaft verdi kritisiert den Vorstoß als "Generalangriff auf das Grundgesetz". "Die Politik ist gut beraten, wenn sie an dem Verbot der Sonntagsarbeit im Handel festhält und die Intention des im Grundgesetz verankerten Schutzes des freien Sonntags wahrt", sagte Stefanie Nutzenberger, die den Fachbereich Handel bei der Gewerkschaft leitet, zu Reuters.

"Zusammen mit unseren kirchlichen Bündnispartnern in der Bundesallianz für den freien Sonntag werden wir uns mit allen Mitteln gegen diesen Generalangriff des HDE zur Wehr setzen", kündigte Nutzenberger an. Der Handelsverband hatte vorgeschlagen, die Geschäfte zumindest bis Jahresende auch sonntags öffnen zu lassen. "Das wäre ein klares Signal an die Menschen, dass die Innenstädte wieder offen und die Geschäfte wieder für alle da sind", begründete HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth den Vorstoß."Zudem gibt das den Händlern die Chance, wenigstens ein bisschen des während der Lockdowns verlorenen Umsatzes nachzuholen." Auch darüber hinaus sollte es verlässlichere Regeln für eine rechtssichere gelegentliche Sonntagsöffnung geben.

In Österreich sprachen sich zuletzt die Neos für eine weitere Liberalisierung der Öffnungszeiten im Handel nach Ende des Lockdowns aus.

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