Austria

Nur noch 10 statt 14 Tage Quarantäne - warum eigentlich?

© APA/dpa/David Inderlied

10 statt 14 Tage in die Isolation lautet die neue Regelung. Warum das dem neuesten Stand der Wissenschaft entspricht.

von Ute Brühl, Marlene Patsalidis

14 Tage in Isolation können eine lange Zeit sein – besonders dann, wenn man beengt in einer kleinen Wohnung sitzt. Die gute Nachricht: Von nun an müssen sich Österreicherinnen und Österreicher, die mit dem Covid-19-Erreger infiziert sind oder Kontakt zu Erkrankten hatten, nur noch zehn Tage isolieren. Auch bei der Einreise aus dem Ausland müssen Rückkehrer sich nur noch zehn Tage isolieren.

Was heißt die verkürzte Quarantänezeit für unseren Alltag mit dem Virus? Abgesehen davon, dass man sich nun vier Tage weniger absondern muss, gilt die Quarantäne nach wie vor als wirksame und wesentliche Maßnahme, um steigenden Infektionszahlen vorzubeugen, meint Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien.

Testen, testen, testen

Deshalb hält Czypionka es auch für ratsam, dass jeder, der aus einem Risikogebiet kommt, sich für zehn Tage isoliert. Das Gleiche gelte für Menschen, die ausgelassen feiern – egal ob am Ballermann oder auf Mykonos – oder sich sonst risikohaft verhalten. „Die Isolation sollte auch für diejenigen gelten, die einen PCR-Test gemacht haben, auch wenn dieser negativ war.“ Aus Erfahrung wisse man, dass ein einziger Test noch nichts aussagt.

Das heißt aber nicht, dass man nicht testen soll. Im Gegenteil. „Tritt zum Beispiel ein Fall auf wie kürzlich am Wolfgangsee, sollte man möglichst schnell die Kontaktpersonen der Betroffenen auf Covid-19 testen.“ Das hätte nicht nur den Effekt, dass man die Ausbreitung verhindert: „Es schafft auch Vertrauen, was im Tourismus auch von ökonomischer Bedeutung ist.“

Außerdem: Je weniger Zeit verstreicht, desto eher erinnern sich die Menschen, mit wem sie die vergangenen Tage zusammengetroffen sind. Nach drei Tagen wird das schon schwierig. Weiterer Effekt: „Sogenannte Superspreader, Personen, die besonders viele anstecken, lassen sich leichter und schneller identifizieren.“

In den Büros wird sich durch die neue Regelung ebenfalls nicht viel ändern, meint der Gesundheitsökonom. „Wo im Wechselbetrieb gearbeitet wird – ein Team ist zwei Wochen im Büro, dann wieder zwei Wochen zu Hause –, gilt das Gleiche wie zuvor. Sinn der Sache ist hier, dass sich Teile der Kollegen nie zu Gesicht bekommt, sodass sich nicht die komplette Belegschaft infiziert.“ In den Betrieben sind andere Maßnahmen wichtiger: genügend Sicherheitsabstand halten, ausreichende Belüftung und die Sperrung von Aufzügen, weil man dort auf engem Raum zusammen wäre.

Zukunftsfragen

Apropos Lüftung: Diese wird in Schulen eine große Herausforderung, vor allem im Winter. Wie groß in den Klassenzimmern die Ansteckungsgefahr generell ist, sei bis heute nicht ganz klar: „Da gibt es unterschiedliche Studien“, sagt Czypionka. Eine Studie aus Griechenland, die vor Kurzem veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass die Schulschließungen maßgeblich zur Eindämmung der Pandemie beigetragen haben. Wobei nicht klar ist, welche anderen Maßnahmen die Infektionsrate ebenfalls zum Sinken gebracht haben.

Andere Studien belegen, dass Kinder zwar genau so viele oder manchmal etwas weniger Viren in sich tragen als Erwachsene, dennoch nicht so viele anstecken.

Virologisch sinnvoll

Virologen und Infektiologen halten die verkürzte Quarantäne für absolut angemessen. Alle bisherigen wissenschaftlichen Studien belegen, „dass Covid-19-Patienten infektiöse Viruspartikel nicht länger als neun Tage ausscheiden“, sagt Virologe Norbert Nowotny. Auch die Inkubationszeit, die Zeitspanne bis zum Ausbruch erster Symptome, wurde nun von 12 auf 10,6 Tage nach unten korrigiert. „Auch das ist der Datenlage geschuldet, die immer solider wird“, erklärt Infektiologe Florian Thalhammer: „Je besser man diese Zeiträume eingrenzt, desto vernünftiger können wir agieren.“

Zur Verdichtung der Erkenntnisse hat laut Nowotny auch die Nachweismethodik beigetragen: „Meist ist bei Corona-Tests von der PCR-Methode die Rede. Dieser weist das genetische Material des Erregers nach, sagt aber nichts darüber aus, ob es, wenn es vom Menschen ausgeschieden wird, noch ansteckend für andere ist.“

Die Infektiosität kann nur in Zellkulturen überprüft werden. „Dazu werden vom Menschen entnommene Tupferproben von der Nasen- oder Rachenschleimhaut auf Zellkulturen aufgebracht. Vermehrt sich das Virus in dieser Zellkultur, weiß man, dass das Material ansteckend ist“, sagt Nowotny. Eine aufwendige Methode – zu Pandemiebeginn habe es vielerorts nicht ausreichend Kapazitäten gegeben. „Zur Sicherheit wurde eine 14-Tage-Frist verordnet.“ Mit Quarantäneverordnungen jedes Restrisiko auszuschließen, sei unmöglich. Thalhammer: „In der Medizin gibt es keine 100 Prozent, Ausreißer wird es immer geben.“ Die Wahrscheinlichkeit gehe aber nahezu gegen null, dass potenziell ansteckende Menschen in die Öffentlichkeit entlassen werden.

Nachzügler: Österreich prescht mit der 10-Tage-Regelung keineswegs vor. Viele Nationen haben die Dauer der Quarantäne aufgrund
der Datenlage bereits vor Wochen reduziert. In der Schweiz, Norwegen und Spanien wird die Regelung seit Beginn der Pandemie so gehandhabt.

Details: Erstmals genannt hat das Gesundheitsministerium die Verkürzung am 23. Juli in seiner „Empfehlung zur Entlassung von Covid-19-Fällen aus der Absonderung“. Darin heißt es, dass eine Quarantäne für kranke Personen mindestens zehn Tage ab Symptombeginn dauern muss. Für die Beendigung muss man 48 Stunden symptomfrei sein. Wer schwer erkrankt war, braucht einen  negativen PCR-Test, ansonsten wird die Isolation verlängert. Die WHO empfiehlt nach wie vor
eine 14-tägige Quarantäne.

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