Austria

Neuer CDU-Chef: Entscheidung für den Auf-Nummer-sicher-Kandidaten

© APA/AFP/POOL/ODD ANDERSEN

Armin Laschet wird neuer Vorsitzender der CDU. Damit hat die Partei eine Frage geklärt, viele andere sind aber noch offen: Wie geht Laschet mit dem knapp unterlegenen Merz-Lager um? Und wird er auch Kanzlerkandidat?

von Sandra Lumetsberger

Auf einem digitalen Parteitag in einem leeren Saal eine Rede zu halten ist wie ein Konzert ohne Publikum zu spielen – am Ende weiß keiner, ob er gut angekommen ist.

Armin Laschet, nicht als brillanter Rhetoriker bekannt, macht es an diesem Samstag simpel, aber geschickt: Er beginnt und beendet seine Rede mit einer emotionalen Geschichte über den Vater, einen Bergmann, der unter Tage arbeitete. Dort habe man sich vertrauen müssen, egal wo man herkam, erzählt der 59-jährige Nordrhein-Westfale. Weiter: Wenn alle wieder wohlbehalten über Tage angekommen waren, dann hätten die Bergmänner ihre Erkennungsmarke an den Nagel gehängt. Diese habe sein Vater ihm geschenkt – Laschet hält sie in die Kamera. "Mein Vater hat gesagt: Sag den Leuten, sie können dir vertrauen."

Der Anti-Merz

Die emotionale Geschichte ist nicht der einzige Grund, warum sich die Delegierten in einer Stichwahl mit 55 Stimmen Vorsprung für ihn und gegen Friedrich Merz, Liebling der Parteikonservativen, entschieden haben. 

Laschet gab ihnen das Gefühl, bei ihm können sie nicht viel falsch machen. Er war der Nummer-sicher-Kandidat. Anders als Merz versuchte er sich nicht groß von Angela Merkel abzugrenzen, sondern neu daran anzuknüpfen. Das "Weiter so" dürfe es nur bei der Kontinuität des Erfolgs geben, erklärte Laschet. In Richtung seines Kontrahenten verteilte er Spitzen ("Wir müssen Klartext sprechen, aber nicht polarisieren"), und an die Zuseher schickte er am Ende noch eine Botschaft, die ihnen vertraut vorkommen dürfte: "Ich bin Armin Laschet. Darauf können Sie sich verlassen."

Mit einem ähnlichen Motto ("Sie kennen mich") gewann Merkel einst Wahlen – fast 16 Jahre lang. Wenn sie heuer bei der Bundestagswahl nicht mehr antritt, weiß keiner, wohin ihre Stimmen wandern. Mit Laschet könne nicht viel schief gehen, dürften sich die Delegierten da wohl gedacht haben. Der Mann hat in Nordrhein-Westfalen Wahlen gewonnen, ist als Regierungschef in Düsseldorf erfahren und gilt als Brückenbauer.

Zerrissene Partei

Diese wird er auch zu den gegnerischen Lagern seiner Mitbewerber Norbert Röttgen und Friedrich Merz schlagen müssen. Das knappe Ergebnis zeigt die Zerrissenheit innerhalb der CDU. Die "Merzianer" konnten sich schon 2018 nicht mit der Niederlage ihres Helden gegen Annegret Kramp-Karrenbauer abfinden. Damals kostete Merz eine eher schwache Rede viele Stimmen. Ähnlich wirkte es auch am Samstag: Kaum Emotionen, viele Ideen, aber noch mehr Selbstverteidigung ("Ich höre und lese ja teilweise, ich hätte ein altes Bild vor Augen").

Und wie vor zwei Jahren entschied sich Merz entgegen der Hoffnung seiner Fans auch gestern, nicht fürs CDU-Präsidium zu kandidieren. Allerdings beanspruchte er kurz nach der Ergebnis-Verkündigung das Wirtschaftsministerium für sich. Nicht in der nächsten Regierung, sondern jetzt. Das würde heißen: Angela Merkel müsste Peter Altmaier entlassen. Aus dem Kanzleramt folgte sofort eine Absage.

Wie Armin Laschet seinen Mit-Bewerber künftig einbinden will, ist fraglich. Annegret Kramp-Karrenbauer ist es jedenfalls nicht gelungen. Dafür konnte sie sich auf seine öffentlichen Ratschläge verlassen. Was die Stimmung in der CDU nicht besserte.

Kanzlertauglich?

Zudem wurde sie bei jeder Gelegenheit auf ihre Kanzlerinnenfähigkeiten abgeklopft – von Journalisten wie Parteifreunden. Auch Laschet stichelte mit. Nun könnte ihm Ähnliches drohen. Denn in den letzten Wochen mehrten sich die Stimmen, wonach einige in der Union von keinem Bewerber überzeugt seien. Umfragen bestätigten das Bild. Bayerns Ministerpräsident Söder (CSU) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) tauchten in diesen Rankings weit vor Merz und Laschet auf.

Schon vor Wochen gaben Parteigrößen wie Wolfgang Schäuble die Losung aus, wonach der neue Parteichef nicht automatisch Kanzlerkandidat werden muss. In der Hoffnung, dass noch ein Besserer kommt als einer der Anwärter auf den CDU-Vorsitz. Damit hat sich die CDU in ein Dilemma manövriert. Denn sollte sie Armin Laschets Anspruch auf die Kandidatur tatsächlich zurückweisen, schwächt sie ihren eigenen Mann. Und wird sich eine gute Erzählung brauchen, um den Wählern zu verkaufen, warum sie ihren frischgekürten Partei-Chef nicht gut genug fürs Kanzleramt hält. Überhaupt wäre er ein König ohne Land. Schwer vorstellbar, dass er sich das antut und einfach so klein beigibt.

Dass er das Amt will, hat er schon mehrfach wissen lassen. Vielleicht kommt es ihm ja nicht ungelegen, wenn die Gremien von CDU/CSU die gemeinsame Entscheidung der Kanzlerkandidatur erst im Frühjahr treffen wollen – im Sinne von: Was nicht ist, kann noch werden.

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