Austria

Nachrichten aus Dunkelwien

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Robert Menasse betreibt einmal mehr jene Polarisierung, die seinesgleichen stets aufseiten der politischen Rechten beklagt.

von Rudolf Mitlöhner

Manchmal ist man beinahe dankbar für die Klarheit, mit der sich das linke juste milieu selbst zur Kenntlichkeit entstellt. Dieser Tage ist der selbst ernannte „europäische Landbote“ Robert Menasse wieder einmal ausgeritten und hat auf Facebook seinem Hass auf die ÖVP freien Lauf gelassen.

Konkret reagierte er auf den Werbeslogan der Wiener ÖVP und deren Spitzenkandidaten Gernot Blümel, der „Wien wieder nach vorne bringen“ will. Die Quintessenz des Pamphlets: Alles, was Wien heute ausmacht, wurde gegen die ÖVP errungen – und wäre nicht die SPÖ sondern die ÖVP die prägende Partei dieser Stadt gewesen, befände sich diese in einer Art voraufklärerischen Finsternis, „näher beim Mittelalter […] als bei den Bedürfnissen der Zeitgenossen“ (Menasse).

Selbstverständlich kann man den Politiker Blümel bzw. die (Wiener) ÖVP nicht nur scharf kritisieren, sondern auch fundamental ablehnen. Man kann auch die über die von Menasse angeführten Punkte diskutieren. Was die U-Bahn betrifft, so hat unter anderem der KURIER bereits festgehalten, dass Menasse hier schlicht irrt: Die ÖVP ist bereits in den 50er Jahren für den U-Bahn-Bau eingetreten, während die SPÖ dagegen war. Die Entscheidung für die Errichtung eines UNO-Amtssitzes in Wien fiel bereits unter der ÖVP-Alleinregierung von Josef Klaus; gegen das benachbarte Austria Center Vienna organisierte die ÖVP 1982 ein Volksbegehren – welches immerhin von fast 1,4 Mio. Menschen (mehr als 25 Prozent Beteiligung) unterschrieben wurde und das bis heute erfolgreichste Volksbegehren ist. Ja, die Donauinsel können sich viele Wiener wohl heute nicht mehr als Freizeitzone wegdenken – und auch in puncto Fußgängerzonen hat es, quer durch die politischen Lager, ein Umdenken gegeben.

Karl Lueger auf einen „antisemitischen Bürgermeister […], von dem Hitler lernte“ zu reduzieren, grenzt indes angesichts der auch von Gegnern unbestrittenen Verdienste Luegers um die Stadtentwicklung an Infamie. Aber es passt zum bei einem Teil der Linken verbreiteten Narrativ, demzufolge der eigentliche Gegner nicht die (deutsch-)nationale Rechte, sondern die Christdemokratie ist.

Was aber jenseits dieser Fragen irritiert, ist einmal mehr die sattsam bekannte Pose, in die sich Menasse hier wirft: hier Fortschritt, Weltoffenheit und humanistisches Ethos, dort provinzielle Rückständigkeit und moralische Verwerflichkeit. Das helle Wien gegen Dunkelwien sozusagen. Dies von einem der prononciertesten Vertreter jenes Milieus, das allerorten Hass und Spaltung ortet – und Äußerungen Andersdenkender mit dem Verdikt „Fake News“ wütend bekämpft. Übrigens leider teilweise unter Beteiligung naiver Bürgerlicher.

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