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Nach Explosion in Beirut: "Wir suchen noch immer, aber wir verlieren die Hoffnung"

Eine Woche nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut suchten Rettungsteams gestern noch immer nach Opfern. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete am Dienstag, es würden weiterhin rund 20 Menschen vermisst. Die Zahl der Toten stieg demnach auf 165. Rund 6000 Menschen wurden verletzt.

"Wir suchen noch immer, aber wir verlieren die Hoffnung", sagte einer der Rettungshelfer am Ort der Explosion im Zentrum von Beirut. Familienmitglieder fragten nach sterblichen Überresten ihrer Angehörigen. Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass sich die Vermissten in unmittelbarer Nähe der Lagerhalle aufhielten, wo es zu der gewaltigen Explosion gekommen war.

Präsident Michel Aoun muss nach dem Aus der Regierung mit den wichtigsten politischen Blöcken über deren Nachfolge verhandeln. Wegen starker Interessengegensätze dauert es im Libanon oft lange, politische Spitzenämter zu besetzen. Wegen der Wirtschaftskrise, der Corona-Pandemie und der Folgen der Detonation ist der Druck jedoch groß, schnell eine Einigung zu finden.

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Diab: "Chronische Korruption"

Als Reaktion auf die Explosion und gewaltsame Proteste gegen die Regierung hatte Premier Hassan Diab am Montagabend den Rücktritt seines Kabinetts erklärt. Viele Libanesen geben seiner Regierung die Schuld an der Explosion. Diab erklärte, verantwortlich für die gewaltige Detonation sei die "chronische Korruption" im Libanon. Ausgelöst worden sein soll sie durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die im Hafen gelagert worden war.

Zur Diskussion stehen jetzt libanesischen Medien zufolge unter anderem eine "Regierung der nationalen Einheit" und eine "neutrale Regierung" unabhängig von den Parteien. Als möglicher Ministerpräsident wird unter anderem der Jurist und Diplomat Nawaf Salman gehandelt. Der 66-Jährige ist Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Eine zentrale Rolle wird die Iran-treue Hisbollah spielen, gegen die im Libanon kaum regiert werden kann. Sie besitzt eine eigene Miliz und bildet so etwas wie einen Staat im Staate. Die Hisbollah ist mit Präsident Aoun verbündet und unterstützte auch Diabs Regierung.

Viele Libanesen geben sich mit dem Rücktritt der Regierung nicht zufrieden. Sie verlangen weitgehende politische Reformen und kritisieren, dass sich im Land nichts ändern werde, solange im Hintergrund die alte politische Elite an der Macht bleibt. Der anhaltende Protest richtet sich deshalb gegen alle derzeit im Parlament sitzenden Abgeordneten – sie seien Teil des verhassten Systems. Auch aus dem Ausland kommen Rufe nach Veränderung. Heute kommt der deutsche Außenminister Heiko Maas nach Beirut, um Hilfe zuzusichern, aber auch, um für politische Reformen zu werben.

Das Welternährungsprogramm (WFP) erklärte, die derzeitigen Vorräte könnten den Marktbedarf im Libanon noch sechs Wochen decken. Die Organisation kündigte an, 50.000 Tonnen Weizenmehl in das Krisenland zu schicken, damit es dort nicht zu Versorgungsengpässen kommt. Bei der Explosion waren auch wichtige Getreidesilos zerstört worden.

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