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Müller, Smith und Wang: Die beliebtesten Nachnamen der Welt

Irgendwie einzigartig, aber doch einer von vielen: Fußballspieler Thomas Müller

© REUTERS/Stefan Matzke/Pool/POOL

Die meisten Menschen haben Nachnamen. Das war nicht immer so. Doch welche Namen kommen am häufigsten vor?

von Michael Hammerl

Sie sind ein durchschnittlicher Österreicher? Ihr Nachname lautet Gruber. Durchschnittlicher Deutscher? Sie heißen Müller. Und wenn Sie aus Nordamerika oder Australien oder Großbritannien stammen ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass Sie Smith heißen. Nein, Sie haben doch einen chinesischen Nachnamen? Heißen Sie möglicherweise Wang? Oder Lee?

Nachnamen kommen der Legende zufolge sogar aus dem Reich der Mitte: Sie sollen zuerst in China, 2852 vor Christus verwendet worden sein, im Rahmen einer Volkszählung. In Europa wurden Nachnamen im Mittelalter immer geläufiger. Auch dieser Umstand hat bürokratische Gründe: Die Bevölkerung des Kontinents wuchs, zur besseren Unterscheidung bekamen die Menschen Nachnamen.

Woher kommen unsere Nachnamen? Die Wissenschaft unterscheidet grob zwischen fünf verschiedenen Kategorien: Ein Nachname kann einer Charaktereigenschaft, einem Beruf, dem Namen eines Ortes, eines Vorfahrens oder einer Schirmherrschaft entspringen.

Die Rechercheplattform NetCredit hat die Daten der häufigsten Nachnamen aller Staaten visualisiert. Der KURIER hat diese Daten übernommen. In der interaktiven KURIER-Grafik können Sie durch die Kontinente und Länder reisen und die jeweils geläufigsten Nachnamen via Klick abrufen.

Beliebteste Nachnamen: Reisen Sie von Kontinent zu Kontinent

Warum ein Gruber Gruber heißt

Ein Beispiel: Der Nachname "Smith" stammt aus dem angelsächsischen Raum. Er leitet sich vom Wort "strike", also "schlagen", ab und wurde über die Jahre zur geläufigen Bezeichnung für Männer, die mit Metall arbeiteten: den Schmieden.

Die Grubers leiten sich hingegen in erster Linie nicht von einem Beruf ab - naheliegend wäre die Tätigkeit des Minenarbeiters, respektive Grubengräbers. Gruber bezeichnet zu mittelhochdeutsch eine "gruobe", also im weitesten Sinn eine Schlucht oder ein Tal, das bewohnt wird. Grubers sind im Grunde somit Grubenbewohner.

Ganz im Gegensatz zu den Hubers. Das sind Bauern, die eine sogenannte "Hube" besitzen oder diese von einem Lehnherrn zur Bewirtschaftung erhalten hat. Eine Hube ist grob gesagt ein Stück Land von gewissem Ausmaß. Sie definiert sich nicht nur über die Größe des Landes, sondern auch darüber, ob eine Bauersfamilie mit dem zu bewirtschaftenden Land über die Runden kommt.

Weltkarte mit Nachnamen

Gonzalo und Gunther: Das bedeutet Krieg

In Afrika beziehen sich viele Nachnamen auf geographische Orte, haben häufig eine koloniale Vergangenheit. Viele Bewohner haben ihre Nachnamen allerdings geändert, nachdem sie die Unabhängigkeit erlangten. Auch in Südamerika ist der koloniale Geist Bestandteil vieler Namen, geht zurück auf spanische oder portugiesische Eroberer. "Gonzalez" ist der häufigste Nachname in Chile, Paraguay, Argentinien und Venezuela. Er leitet sich vom spanischen "Gonzalo" ab, der seine Bezeichnung wiederum aus dem Urgermanischen bezieht. Dort heißt Gonazlo "gunþ", was so viel wie "Krieg" oder "Konflikt" bedeutet. In der deutschen Sprache entwickelte sich gunþ im Übrigen zu Gunther.

"Da Silva" ist in Brasilien und Sri Lanka sehr beliebt. Alte Lateiner dürften hier hellhörig werden. Und tatsächlich: Da Silva bedeutet "vom Wald". Der häufigste Nachname der Welt ist im Übrigen "Lee". Er stammt vom chinesischen Hieroglyphen Lee. Mehr als 100 Millionen Menschen tragen diesen Nachnamen weltweit. Verglichen damit, ist die grobe Million an Müllers nur eine Randnotiz.

Philippinen: Viele Menschen heißen "Austria" oder "Tirol"

Einen besonders österreichischen Nachnamen-Bezug gibt es auf den Philippinen, wo "Austria" und "Tirol" weit verbreitet sind. "Die Verbreitung des Namens Austria auf den Philippinen hängt mit der jahrhundertelangen Verbindung zwischen den spanischen Herrschern und dem Hause Österreich zusammen", erklärte die philippinische Botschaft vergangenen Juni dem KURIER auf Nachfrage. Auf den Philippinen wurden Nachnamen erst im 19. Jahrhundert unter spanischer Verwaltung eingeführt.

Tirol ist aus folgendem Grund weit verbreitet: Der arme Filipino Gabriel Ureta trug im 17. Jahrhundert vornehme Spanier über einen Fluss. Einmal ließ er einen Passanten fallen und flüchtete daraufhin als Seefahrer nach Europa und weiter nach Tirol. Als er Jahre später wieder in sein Land zurückkehrte, nannte er sich bei der Einreise "Gabriel Tirol". Das schrieb zumindest der österreichische Diplomat Wilhelm Donko in seinem Buch "Österreich-Philippinen 1521 bis 1898: Bezugspunkte, Beziehungen und Begegnungen". Hunderprozentig verifizieren lasse sich die Geschichte jedoch nicht.

Diese Beispiel zeigt jedenfalls, dass eine Phrase durchaus Gültigkeit hat: Hinter jedem Namen steckt eine Geschichte.