Austria

Moskaus Stadtchef warnt vor Coronavirus: "Sie sind in Gefahr"

Abschied am Bahnhof in Moskau: Ukrainer reisen heim

© EPA/SERGEI ILNITSKY

Russland macht zu Mitternacht die Grenzen dicht. In Moskau wächst die Angst vor dem Coronavirus.

von Ulrike Botzenhart

In Moskau steigt die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen rasant - die Dunkelziffer kennt niemand. Mehr als 1.000 Menschen hätten sich in Russlands Hauptstadt mit dem hochansteckenden Virus infiziert, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin am Sonntag mit: „Die Situation im Zusammenhang mit der Ausbreitung hat ein neues Ausmaß erreicht.“

In ganz Russland mit seinen 144 Millionen Einwohnern sind bisher 1.500 bestätigte Corona-Infektionen bekannt. Auf die 12-Millionen-Metropole entfallen als  zwei Drittel davon. Bei sechs verstorbenen Menschen in Moskau wurde nach Behördenangaben das Virus nachgewiesen. In der Hauptstadt sind auch 13 Kinder infiziert.

Um die Ausbreitung einzudämmen, sind seit Samstag in Moskau - wie im Rest des Landes - Einkaufszentren, Restaurants, Bars und größere Parks geschlossen. „Bitte passen Sie auf sich auf“, appellierte Sobjanin an alle Bürger.

Am Sonntag fuhren Sonderzüge von Moskau nach Kiew. Hunderte Ukrainer kamen mit Mundschutz und allem, was sie tragen konnten, zum Bahnhof. Nach Temperaturkontrollen drängten sie sich in die Züge.  

Verstöße gegen Ausgangssperre

 „Die meisten Moskauer hörten auch auf die Empfehlungen der Behörden und blieben zu Hause“, sagte der Bürgermeister. In U-Bahnen, Bussen, Bahnen und Taxen hätten deutlich weniger Fahrgäste gesessen als sonst. Dennoch seien viele Leute unterwegs gewesen, ohne ausreichenden Abstand zu halten. Andere hätten sich draußen mit Freunden getroffen, klagte Sobjanin.

Jeder fünfte Bürger über 65 unterwegs

Auch etwa 20 Prozent der Moskauer im Alter von mehr als 65 Jahren hätten entgegen der Auflagen der Behörden ihre Wohnung verlassen. Sobjanin berief sich dabei auf Handy-Daten. Seine dringende Warnung an uneinsichtige Bürger: „Meine Lieben, Sie sind in Gefahr.“

Ab diesem Montag sollen in Russland nur noch Supermärkte und Apotheken offen haben. Präsident Wladimir Putin hatte am Mittwoch in einer seltenen Fernsehansprache angekündigt, dass die Russen ab Montag nicht zur Arbeit gehen sollen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Zugleich kündigte er Hilfen für Unternehmen und Haushalte an.

Auch das für den 22. April geplante Referendum über die Verfassungsreform, die ihm weitere langanhaltende Macht sichern sollte, verschob Putin. Der Kreml-Chef drängte die internationale Gemeinschaft, die geltenden Sanktionen gegen Russland für wichtige Güter auszusetzen.

Getreideexport beschränken?

Russland erwägt derweil als weltgrößter Getreideexporteur eine zeitweise Begrenzung seiner Ausfuhren. In den kommenden drei Monaten könnten die Lieferungen ins Ausland auf sieben Millionen Tonnen limitiert werden, ließ das russische Landwirtschaftsministerium vor dem Wochenende mitteilen. Damit solle eine stabile Versorgung des heimischen Lebensmittelmarktes während der Coronavirus-Pandemie gesichert werden.

Sollte die Maßnahme beschlossen werden, würden sie die wichtigsten Getreidearten treffen: Weizen, Roggen, Gerste und Mais. „Es ist eine symbolische Geste, aber eine beunruhigende“, sagte ein europäischer Händler. „Ist dies ein erster Schritt zur Reduzierung der Exporte, um Russlands eigene Lebensmittelversorgung inmitten der Corona-Krise zu erhalten? Das ist die Sorge.“ Die Preise für Weizen zogen an den europäischen Börsen bereits an.

Cyber-Attacken einstellen

Auf "Exporte" anderer Art könnte die Welt gern verzichten. Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer rief Russland und andere Staaten dazu auf, in der Corona-Krise Cyber-Attacken und Desinformationskampagnen einzustellen. „Der Kampf gegen Corona ist eine Menschheitsaufgabe, unabhängig von Ideologien“, sagte die CDU-Chefin.

„Ich würde mir sehr wünschen, dass dort die staatliche Propaganda ausgesetzt und stattdessen den eigenen Menschen geholfen und auch Hilfe von außen angenommen wird.“ Dies sei aber offenbar nicht der Fall: „Was wir allerdings sehen, ist, dass Angriffe auf der Cyber-Ebene keineswegs nachlassen und weiter Fake-News verbreitet werden.“

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