Austria

Mistelbacher baut trotz Rollstuhl sein eigenes Haus

© Jacqueline Godany/AUVA/Jacqueline Godany

Der 37-jährige Tischler Jürgen Scheiner sitzt seit Arbeitsunfall im Rollstuhl. Trotzdem baute er sein neues Haus selbst mit.

von Kevin Kada

Es war der 30. Mai 2008. Der damals 26-jährige Tischler Jürgen Scheiner aus Gnadendorf im Bezirk Mistelbach war gerade dabei in einem Weinkeller eine neue Decke zu verlegen. Dabei brach er durch die alten morschen Holzbalken, stürzte drei Meter in die Tiefe und landete auf hartem Beton.

Er wollte aufstehen, doch er spürte seine Beine nicht. „Da wusste ich schon, dass etwas nicht stimmt“, erzählt der heute 37-Jährige. Für ihn ist seine Querschnittslähmung Normalität. Mehr als zehn Jahre später wurde Scheiner mit dem „Back-To-Life“-Award der AUVA ausgezeichnet. Warum, erzählt er im Gespräch mit dem KURIER.

KURIER: Sie wurden von der AUVA für ihren engagierten und vorbildlichen Weg zurück ins Leben ausgezeichnet. Unter anderem wegen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und auch ihrem Engagement. Was bedeutet Ihnen das?

Jürgen Scheiner: Für mich ist es ein Zeichen, dass man doch etwas aus sich gemacht hat. Ich denke mir, dass es Menschen, denen etwas Ähnliches widerfährt, helfen kann, wenn sie meine Geschichte erfahren. Weil sie sehen, dass das Leben nicht vorbei ist.

Nach ihrem Unfall, bei dem Sie sich drei Brustwirbel gebrochen haben, mussten Sie auf Reha in den Weißen Hof. Wie hat Ihnen das geholfen?

Sehr sogar. Das war ein enorm wichtiger Punkt seit dem Unfall, weil ich dadurch gelernt habe mit der Lähmung umzugehen. Da waren Dinge dabei wie der Umgang mit dem Rollstuhl, das selbstständige Anziehen und auch andere Dinge, die man im Alltag neu lernen muss.

Wie ging es Ihnen nach dem Unfall am 30. Mai 2008?

Ich habe gleich gemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist, weil ich nicht aufstehen konnte. Nach der Not-OP im Wiener AKH hat mir die Ärztin gleich im Aufwachraum gesagt, dass ich nie wieder gehen kann. Diese direkte Art war mir auch sehr recht.

Warum?

Weil ich dadurch keine falschen Hoffnungen gehegt habe. Ich wusste: „Okay, dann muss es jetzt halt irgendwie anders weitergehen“. Mir war klar, dass ich mich auf ein komplett neues Leben einstellen muss.

Sie hatten sechs Monate Reha und kamen dann nach Hause. Wie war die erste Zeit?

Es war eine Umstellung, weil mein Elternhaus nicht barrierefrei war. Dementsprechend musste viel umgebaut werden und ich musste mich auch erst an das neue Leben gewöhnen. Dann habe ich mich dazu entschlossen ein Haus zu bauen und wollte einfach viel selbst machen. Das war von Beginn an klar.

Können Sie ihre Tätigkeit als Tischler noch ausüben?

Beruflich nicht, aber im Privaten zumindest. Ich habe für das neue Haus viele Möbel selbst gebaut und mir eine barrierefreie Werkstatt eingerichtet.

Seit ihrem 16. Lebensjahr sind sie auch bei der Feuerwehr. Wie sieht ihre Tätigkeit jetzt aus?

Ich bin stellvertretender Kommandant unserer Feuerwehr und außerdem Unterabschnittskommandant für sechs Organisationen. Ich bin also quasi das Bindeglied zwischen den Feuerwehren und den jeweiligen Gemeinden. Außerdem arbeite ich auch in der Notrufleitstelle.

Außerdem sind Sie auch Obmann eines Fanklubs?

Ja, als leidenschaftlicher Rapid-Fan bin ich Obmann eines Fanklubs. Das war ich auch schon vor dem Unfall. Das Positive ist, dass ich jetzt öfter im Stadion sein kann. Ich war auch beim 4:0-Auswärtssieg gegen den LASK am vergangenen Wochenende dabei.

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Scheiner bei seiner Tätigkeit als Feuerwehrmann

Als Fanklub-Obmann traf Scheiner unter anderem Ex-Rapid-Coach Mike Büskens

Auch auf Urlaub fährt der 37-Jährige gern.

Sie gehen sehr offen mit ihrer Beeinträchtigung um. Haben Sie einen Tipp für Menschen, denen es ähnlich geht?

Mir half mit anderen Menschen, die im Rollstuhl sitzen zu reden. Die können einem das meiste mitgeben. Und vor allem ist es wichtig immer den Kopf oben zu halten und nicht aufzugeben. Es beginnt einfach ein neues Leben.

Der „Back-to-Life“-Award der AUVA wird bereits seit 1997 von der Landesstelle Wien verliehen. Damals noch unter dem Namen AUVA-Pflegepreis. Seit 2016 geht der Preis unter dem neuen Namen an Menschen, die sich nach schweren Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten mit einer beispielhaften sozialen und beruflichen Rehabilitation ins Leben zurückgearbeitet haben und damit vielen Menschen Mut machen. Jedes Jahr im Dezember wird je ein Preisträger in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland ausgezeichnet.