Austria

Mein Salzburg: „Jedermann“-Legenden und ihre persönlichen Erinnerungen

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Bei wem sprangen Zuschauer auf die Bühne? Wer verbrachte hier den schönsten Sommer seines Lebens? Prominente erzählen.

von Alexander Kern

Senta Berger

Ich habe meine Jahre in Salzburg als heiter und unbeschwert in Erinnerung. Aber wahrscheinlich bin ich es gewesen. Ich kehrte damals nach langen Jahren im Ausland wieder in meine Heimat zurück, zurück ans Theater und zu den Kollegen, die ich noch von meinen Anfängen kannte. Ich habe dieses Wiedersehen und das Wiedereinfinden in meine Muttersprache genossen.
 Die Darsteller des „Jedermann“ treffen sich vor der Vorstellung alle im Innenhof des Festspielhauses. Tod, Teufel, Jedermann, Buhlschaft ... Alle haben Lampenfieber. Das verlässt einen ja nie. Alle wünschen sich ToiToi und umarmen sich. In der Reihenfolge der Auftritte werden die Schauspieler mit Autos zum Domplatz gebracht. Die jeweiligen Namen werden aufgerufen. Wie in der Schule. Sollte es während des Auftritts der „Buhlschaft“ zu regnen beginnen, wird abgebrochen und wir ziehen ins Festspielhaus um.
Einmal begann sehr unvermutet während meines Auftritts ein Platzregen. Zuschauer aus den ersten Reihen sprangen mit ihren Schirmen auf die Bühne, es war ein großes herrliches und rutschiges Durcheinander. Fritz Muliar und ich wurden von zwei sehr liebenswürdigen Herren beschirmt und zum Festspielhaus geleitet. Wir lachten viel. Mein Samtkostüm hatte sich so mit Wasser vollgesogen, dass ich mich auf der Bühne des Festspielhauses kaum bewegen konnte. So schwer war es geworden. Es wurde eine wunderbare Vorstellung.

Foto oben: "Alle haben Lampenfieber, das verlässt einen ja nie“, so Senta Berger, oben als Buhlschaft mit Curd Jürgens, 1974

Peter Simonischek

Ich habe seit 1984 beinahe jeden Sommer in Salzburg verbracht. So hat es sich ergeben, dass diese Stadt einen Platz in meinem Leben hat. In erster Linie war es die Probenarbeit, die den sommerlichen Aufenthalt bestimmt hat. Aber auch ein Stück Familienleben ist für immer mit Salzburg verbunden. Freundschaften sind entstanden. Die Kinder sind aufgewachsen und hatten schöne, abenteuerliche Sommertage und Nächte in der herrlichen Natur rund um Salzburg. Beim Schwimmen im Irrsee oder Mattsee und beim Angeln in der Fischach. Auch für ein paar Wochen eine öffentliche Person zu sein und mit Herzlichkeit die vielen Freundlichkeiten zu erwidern, machte mir Spaß. Und von meinen Geburtstagen Anfang August waren einige unvergesslich. Als „Jedermann“ auf der Bühne zu stehen und das erschütterte Publikum mitzunehmen auf die letzte Reise, gehört zu den stärksten Bühnenerlebnissen meines Schauspielerlebens. Von 2002 bis 2009 durfte ich das genau 100 Mal tun. Und seit genau 100 Jahren wird der „Jedermann“ auf dem Domplatz gespielt. Zum ersten Mal am 22. August 1920. Am 22. August 2020 feiern wir dieses weltweit einzige Jubiläum.

Ben Becker

Ich erinnere mich mit den schönsten Gefühlen an Salzburg. Eigentlich habe ich dort den schönsten Sommer meines Lebens verbracht. Mit Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr hatte sich ein tolles Dreiergespann ergeben, da haben sich drei gefunden. Auch die Salzburger haben große Freude mit mir gehabt. Mindestens ebenso viel wie ich, als ich da war. Ich hab ja ab und zu ein bisschen gezaubert und für Entertainment gesorgt. Und dem wurde mit viel Humor entgegengekommen, damit hätte ich fast nicht gerechnet.
Mein Motto ist ja: nix kaputtmachen, nur verändern. Und was Anekdoten betrifft, will ich lieber nicht zu viel verraten. What happens in Las Vegas, stays in Las Vegas! Ebenfalls unvergesslich: meine Zeit bei der Fürstin zu Sayn-Wittgenstein. Ganze Tage habe ich bei ihr in ihrem Landhaus in Fuschl verbracht und hatte dort ein Zimmerchen. Und weil am Land ja kein Zigarettenautomat nahe ist, habe ich sogar die Rauchwaren von Curd Jürgens angeboten bekommen. In Goldegg im Salzburger Land wiederum wurde ich geehelicht, direkt am See. Jetzt fehlt nur noch die Erfüllung eines großen Traumes: mein Stück „Ich, Judas“ im Salzburger Dom aufzuführen. Ist ja eine weltoffene Stätte, also warum nicht? Während ich über Salzburg spreche, zaubert es mir ein Lächeln auf die Lippen. Ich bleibe auch gerne in Erinnerung. Die Festspielpräsidentin freut sich immer noch, wenn ich anrufe: „Ach, der Ben!“ Wenn Österreich anruft, bin ich da.

Cornelius Obonya

„Jedermann“ war für mich eine wunderschöne Theatererfahrung. Und auch eine Erfahrung mit und in Salzburg. Eine der schönsten war für mich der Gang nach der Probe über die lange Steintreppe aus dem Toscanihof hinauf auf den Festungsberg, wo mein Quartier war. Ein letzter Blick auf die Decke meines „Wohnzimmers“, auf die Spitzen des Domes, dann heim und ausruhen. Dann, am nächsten Tag das Ganze wieder retour, der morgendliche Blick vor der nächsten Probe. Sehr beruhigend, dass er noch da stand, der Dom!

Klaus Maria Brandauer

Salzburg ist ein besonderer Ort, weil Natur und Kultur eine Verbindung eingehen, die es so nur hier gibt. Man kann das schwer beschreiben, muss es besser vor Ort erleben. Jedes Jahr im Sommer legt sich eine erwartungsvolle, heitere Leichtigkeit über die Stadt, die es sehr angenehm macht, hier seine Zeit zu verbringen, ganz gleich womit. Am liebsten sind mir dabei immer die letzten Wochen vor den Festspielen, die Stadt ist dann voll, aber noch nicht übervoll.
 Man trifft ständig Menschen, die man schon lange kennt, aber alle sind irgendwie privat. Auf den Bühnen wird geprobt, die Erwartungen sind überhoch, alles scheint möglich. Dieses Gefühl verliert sich dann mit den ersten Premieren immer ganz schnell, aber wenn es im nächsten Jahr wieder Sommer wird in Salzburg, dann ist es plötzlich wieder da.

Veronica Ferres

Mit Salzburg verbinde ich eine unglaubliche Freude! Von Jürgen Flimm und Christian Stückl für die Neuinszenierung als erste Besetzung der Buhlschaft angefragt worden zu sein, war ein wahnsinniges Gefühl. Wir haben drei Sommer in Salzburg gewohnt – in der ehemaligen Stadtvilla des Grafen von Habsburg. Mein absoluter Lieblingsplatz ist das Café Tomaselli und der Käsekrainer Würstelstand an der Salzach. Ich werde nie diese grandiose Premiere und die Euphorie, das Glück und die Dankbarkeit des Publikums vergessen. In Salzburg kann und muss man sich einfach verlieben!

Philipp Hochmair

Salzburg, das ist für mich der Anfang von allem. Am Kleinen Theater entdeckt hat mich dort der große Peter Zadek. Ich war der Franz Moor in Schillers „Die Räuber“ und der Regie-Titan hat einen Darsteller für „Gesäubert“ gesucht, von Sarah Kane. Ich wusste, dass er kommt, am zweiten Spieltag. Der Tag nach der Premiere war damit für mich die eigentliche Premiere und ich habe all meine Konzentration darauf verwendet, den Ball ins Tor zu schießen.  Zadek gefiel es und hat mich engagiert – und schon ging’s vom experimentellen Avantgarde-Theater direkt an die großen Hamburger Kammerspiele. Dafür bin ich Salzburg ewig dankbar und dieses Glück von damals ist für mich mit großer Emotion verbunden. Die Stadt ist eine wichtige Station für die Dynamik meines Lebens. Dieser Frühling damals mit Zadek und den Räubern – zu erleben, wie Salzburg vom Eise befreit wird und wie beflügelt ich zugleich war vom beginnenden Schauspielerglück: Dieses Glück hat sich tief in meine Seele eingeprägt.

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