Austria

Mehr Tests – und eine Debatte über die Schulschließungen

Zahl der Neuinfektionen steigt weiter an. Laut Kanzler Kurz soll es keine österreichweiten Maßnahmen geben.

von Elisabeth Holzer, Bernhard Gaul

Österreich geht den „Öffnungsschritt 11“ vorerst nicht – dies wäre das Aufsperren der Nachtlokale und Diskotheken. Denn das käme für Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) noch zu früh. „Wir wollen zuwarten und jede Woche prüfen“, kündigte er am Donnerstag an.

Risikobereiche

Dafür startet ein groß angelegtes Testprogramm. In allen Bundesländern sollen auf freiwilliger Basis Corona-Tests gemacht werden. Und zwar 25.000 bis 30.000 pro Woche. Das dürfte bis Jahresende 240 Millionen Euro kosten. Vor allem auf „potenzielle Risikobereiche“ soll dabei geschaut werden, wie Anschober formulierte.

Das wären Seniorenheime, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Arztpraxen, aber auch Logistikunternehmen sowie große Betriebe der Fleischverarbeitungsbranche. Ebenso engmaschiger getestet werden soll bei Menschen, die in prekären Arbeits- oder Wohnverhältnissen leben müssen beziehungsweise jenen, die von Urlaubsreisen oder Heimatbesuchen am Westbalkan zurück nach Österreich kommen.

Cluster mit 15 Infektionen

Die jüngste Entwicklung der Corona-Infektionen mag diese Entscheidung beeinflusst haben. Bekanntlich tauchten in Österreich mehrere neue Cluster auf: Am Mittwoch wurde bekannt, dass zehn von 40 Mitarbeitern einer Baufirma in Graz erkrankt sind, am Donnerstag kamen noch einmal fünf weitere dazu. Insgesamt wurden 100 Personen getestet, heute, Freitag, folgen 70 weitere.

Abgekapselt

Das Gesundheitsamt ging aber nicht von einer großen Verbreitung durch die Betroffenen aus, der Cluster scheine abgekapselt: Die Männer stammten großteils aus Griechenland und waren in Wohnhäusern untergebracht, die sie offenbar nur verließen, um mit organisierten Transporten zur Arbeitsstelle zu fahren. Allerdings betreibt die Firma Baustellen über Graz hinaus, nämlich in Wien, Leoben und Weiz. Schon im Juni verzeichnete das Gesundheitsamt 28 Neuinfektionen in Graz -  im Mai acht.

In Linz gab es rund um die „Pfingstkirche Gemeinde Gottes“ Dutzende Ansteckungen: Am Donnerstag waren 99 Fälle bekannt.

Auch durch diesen Cluster stiegt die Anzahl der Neuinfektionen in dieser Woche sprunghaft an, am Mittwoch waren es 107, am Donnerstag 68. Ein normalisierter Wert, wie Anschober anmerkte, aber: „Noch immer ein Wert, der mir persönlich zu hoch ist.“ Bundesweit gab es am Donnerstag 722 Erkrankte, am Dienstag waren es dagegen erst 583.

Regionaler Ausbruch

Die meisten der neuen Infektionen vom Donnerstag gab es in Oberösterreich, 42 nämlich. 1.400 Menschen sind laut Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) in Oberösterreich in Quarantäne. Bundeskanzler Sebastian Kurz betonte, es seien trotz des Anstiegs keine österreichweiten Maßnahmen vorgesehen. „Das Wichtigste ist, dass es ein regionaler Ausbruch bleibt.“

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner plädierte für „mehr und schnellere Tests“ - und freiwillige Rückkehr zum Mund-Nasen-Schutz: „Es wäre sinnvoll, wenn man Masken gratis und niederschwellig zur Verfügung stellen würde, zum Beispiel am Eingang von Supermärkten.“

In Oberösterreich wurden aufgrund der neuen Ansteckungen Schulen in fünf Bezirken geschlossen, auch Veranstaltungen sind dort nicht gerne gesehen. Landeschef Stelzer bezeichnete das Entstehen der Cluster als „Warnschuss“ für jene, die glaubten, die Krise sei vorbei.

Kritik an geschlossenen Schulen

Beim neuen Cluster sind bisher 26 Schüler und vier Pädagogen infiziert. Für die Neos ist die Schulschließung für 85.000 Kinder in den betroffenen fünf Bezirken deshalb überzogen: „Wir wissen, dass Kinder nicht die Hauptüberträger dieser Krankheit sind“, sagte Parteichefin Beate Meinl-Reisinger. Denn obwohl Gottesdienste, Chorproben und Bars als „Superspreader-Events“ bekannt seien, habe Oberösterreich die Schulen geschlossen, für Indoor-Veranstaltungen die Absage aber nur empfohlen.

„Ich finde es inakzeptabel, wie diskussions- und kritiklos Kinderbetreuung und Bildung ins Private verschoben werden. Ohne Evidenz, ohne Grund und mit der vollen Belastung der Frauen“, kritisierte Meinl-Reisinger. Seit März gab es übrigens insgesamt nur 80 Schüler und 15 Lehrer, die positiv getestet wurden.

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