Austria

Medikamentenopfer: Pharmakonzern muss 8 Milliarden Dollar zahlen

Protest gegen den Pharmakonzern Purdue vor dem Weißen Haus in Washington

© APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Purdue Pharma stellte das süchtig machende Schmerzmittel Oxycontin her. Jetzt hat sich der Konzern mit der US-Regierung auf einen Vergleich geeinigt

Mehrere Tausend Klagen laufen gegen den US-Pharmakonzern Purdue wegen seines süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin. Jetzt hat sich das Unternehmen mit der US-Regierung auf einen Vergleich geeinigt: Purdue muss rund 8,3 Milliarden Dollar (7 Mrd. Euro) zur Beilegung zivil- und strafrechtlicher Verfahren auf Bundesebene zahlen, teilte das Justizministerium in Washington mit.

Zudem sollen Mitglieder der Eigentümerfamilie Sackler persönlich 225 Millionen Dollar zahlen. Purdue wird darüber hinaus ein Schuldgeständnis wegen Verstöße gegen mehrere US-Bundesgesetze abgeben, unter anderem wegen Verschwörung zum Betrug.

Purdue Pharma und den Sacklers wird vorgeworfen, Schmerzmittel unter Verschleierung von Suchtgefahren mit rücksichtslosen und äußerst aggressiven Methoden vermarktet zu haben.

Opioid-Epidemie

Damit  legten sie aus Sicht der Kläger eine Basis für die verheerende Opioid-Epidemie in den USA. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC führte dies in den vergangenen 20 Jahren zu 450.000 Toten durch Überdosierungen.

Opioide sind zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel - wie etwa Oxycontin - mit unter anderem schmerzlindernden Eigenschaften. Sie bergen jedoch auch enorme Abhängigkeitsrisiken und hohes Missbrauchspotenzial.

Ob die Vergleichssumme allerdings überhaupt gezahlt werden kann, ist unklar. Der Konzern ist insolvent.

Purdue war schon 2007 wegen seiner Rolle in der Epidemie zur Rechenschaft gezogen worden.  Damals akzeptierte der Konzern eine Strafzahlung von rund 635 Millionen Dollar.
Doch danach verschlimmerte sich die Opioid-Krise in den USA  nur noch weiter. Erst 2010 änderte Purdue die Zusammensetzung von Oxycontin, sodass für Süchtige die Einnahme nicht mehr so attraktiv wurde.

Der nun erzielte Vergleich mit dem Justizministerium ist umstritten. Kritiker wie die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James sehen die Insolvenz als Manöver von Purdue Pharma, um sich aus der Verantwortung zu ziehen und das Vermögen der Sacklers zu schonen.Das Vorgehen gegen Purdue Pharma ist auch ein politischer Konflikt zwischen der Demokratischen und der Republikanischen Partei.

Während die Regierung von Donald Trump sich einen vermeintlich großen Schlag gegen illegale Machenschaften in der Pharmabranche auf die Fahne schreiben will, wittern die oppositionellen Demokraten einen faulen Kompromiss: Statt die Sacklers angemessen zu bestrafen, erlaube es der Deal der Familie, ihre Milliarden zu behalten

„Forbes“ schätzt das Vermögen des Clans auf 13 Milliarden Dollar. Wegen der Kritik an den Sacklers hatten mehrere berühmte Museen die jahrelange Zusammenarbeit mit der für ihr Mäzenatentum bekannten Familie beendet, etwa das Metropolitan Museum in New York, die Tate Modern in London und der Louvre in Paris.

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