Austria

Massentests: Länder im Alleingang?

Beim Auftakt der Tests kam es erneut zu Problemen mit dem IT-System des Bundes. In Linz steigt man nun auf ein eigenes System um – und weitere Bundesländer wollen folgen.

Wien/Linz. In drei Bundesländern starteten am Freitag die Massentests – Wien, Tirol und Vorarlberg. Allerdings begleitet von teilweise massiven IT-Problemen. Negativ getestete Personen haben in Tirol vorerst nur verspätet oder keine Benachrichtigung über ihr Testergebnis erhalten. Auch in Wien kam es immer wieder zu Ausfällen.

Trotzdem konnten die Tests ohne Auswirkungen auf die getesteten Personen abgewickelt werden, wurde vom Bundesheer (das die Tests organisiert) versichert. Das Heer in Wien stellte teilweise auf analogen Betrieb um: In der Stadthalle fiel am Vormittag das elektronische Erfassungssystem aus. Besonders die Station Stadthalle erfreue sich großer Beliebtheit. Die Wiener werden ersucht, sich auch an den anderen Standorten Messe Wien und Marx-Halle anzumelden.

Bei den Online-Anmeldungen zu den Massentests sorgte bereits am Mittwoch eine IT-Panne für Aufregung: Die Anmeldeplattform des Bundes wurde offline genommen, offenbar wegen eines Datenlecks. Die Daten von 800 Personen sollen fälschlicherweise an Dritte weitergeleitet worden sein.

ÖVP-Kritik am Bund

Die Stadt Linz will nun auf ein eigenes System zurückgreifen, kündigte Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) am Freitag gegenüber der APA an. Das Land Oberösterreich will nach dem Wochenende entscheiden, ob es seinen „Plan B“ aktiviert. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sprach angesichts der Pannen von „keiner überraschenden Entwicklung“: „Wie so oft wird vom Bund viel angekündigt, nichts funktioniert.“ Statt der „angekündigten EDV-Lösung liefert das vom Bund beauftragte Unternehmen neue Probleme“, begründete Luger den Alleingang mit dem IT-Programm. Ab 8. Dezember können sich die Linzer unter www.linz.at anmelden.

Noch keine Entscheidung ist beim Land gefallen. Man wolle den „Stresstest“ am Wochenende mit der Lehrertestung abwarten, hieß es aus dem Büro Stelzers. Spätestens Montag stehe fest, ob auch das Land sein eigenes Anmeldeprogramm hochfährt.


Anlass für Linz, „die Reißleine zu ziehen“, sei das „nächste Datenchaos im Gesundheitsministerium“, sagte Luger. So wären etwa Pädagogen bereits am Freitag mit reservierten Slots vor der Teststation im Linzer Design Center gestanden, obwohl deren Testung erst am Samstag beginnt.
Auch in Salzburg haben Lehrer bereits Termine für Freitag bekommen. Die Betroffenen sind erschienen – und wurden auch getestet, weil das Heer bereits einsatzbereit war. Ähnliche Pannen soll es auch in Niederösterreich geben. Zudem habe der Bund in Linz die Anmeldemöglichkeit auch für Nichtpädagogen zu früh geöffnet und 60.000 statt der geplanten 28.000 Termine vergeben. Damit würde es unweigerlich zu Menschenansammlungen kommen, so Luger.

Länder arbeiten an Back-up-Lösungen

Berichte, dass in Linz die Testdaten nicht sofort live an das Bund-System eingespielt werden (wie gesetzlich vorgesehen) sind laut einer Sprecherin der Stadt Linz „ein Gerücht. Die Daten sind live ins EMS einspielbar“, sagte sie zur „Presse“.
In Tirol wird das IT-System des Bundes am Wochenende nicht mehr zum Einsatz kommen. Der ursprüngliche Plan, die Testaktion mit der vom Bund zur Verfügung gestellten zentralen Software durchzuführen, musste verworfen werden, hieß es am Freitag. Die Abwicklung werde über das eigene Landestool durchgeführt.

Auch in Niederösterreich setzt man seit Donnerstag auf eine eigene technische Lösung im Hintergrund. Auch dort gibt es massive Probleme „mit der vom Bund zur Verfügung gestellten Software“, so Stefan Spielbichler, Sprecher von Notruf NÖ. Das eigene System ist schon abrufbar (testung.at). Auf der Plattform habe es seither bereits über 50.000 Anmeldungen gegeben.

Im Hintergrund arbeiten die IT-Verantwortlichen auch in den anderen Bundesländern an einer Back-up-Lösung, wie die „Presse“ aus gut informierten Kreisen weiß. Einzig in Vorarlberg ist man entspannt, dort hat man von Anfang an auf eine eigene Software gesetzt. Was Landesrat Christian Gantner in einer Aussendung prompt freute: „Der Ablauf funktioniert reibungslos“, ließ er dort vermelden. Tatsächlich war man in Vorarlberg einfach besser vorbereitet. Dort verfügte man bereits „über eine eigene Plattform und hat darauf zurückgegriffen“, wie ein Sprecher der „Presse“ auf Anfrage erklärte.

Auch in Niederösterreich ging der Umstieg aus diesem Grund leichter. Man habe „seit Monaten eine durchgängige Lösung mit voll automatisierten Abläufen“, so ein Sprecher seitens des Landes. „Wir haben sofort nach dem Beschluss zur Flächentestung mit der Adaptierung der schon bisher laufenden technischen Lösung begonnen.“


Im Hintergrund wundert man sich bei den IT-Projektmitarbeitern jedenfalls nicht, dass die Software des Bundes floppte. Und sieht den Ursprung des Chaos in den Ländern selbst, die jetzt auf den Bund schimpfen. Ursprünglich wären die Massentests für Mitte Dezember vorgesehen gewesen, dann seien die Länder allerdings vorgeprescht. So hätte die verantwortliche Bund-Firma aber um zwei Wochen weniger Zeit gehabt, eine Software zu entwickeln.

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