Austria

Martin Zsivkovits: Ein akademisches Leben in vielen Sprachen

Der Stinatzer war maßgeblich an der Gründung des Zweisprachigen Gymnasiums in Oberwart beteiligt.

von Stefan Jedlicka

Am 9.9.1992 öffneten sich die Tore des Zweisprachigen Bundesgymnasiums in Oberwart unter der Leitung von Martin Zsivkovits zum ersten Mal. Auf den Tag genau 28 Jahre später wurde der beliebte Direktor nun von Schülern, Elternvertretern und seinem Lehrerkollegium in den Ruhestand verabschiedet. Sie dankten Zsivkovits für sein langjähriges Engagement – natürlich in verschiedenen Sprachen. Denn der scheidende Direktor spricht nicht weniger als 14.

Studium in Kroatien

Als einziges von zehn Geschwistern besuchte der Stinatzer eine höhere Schule – das akademische Gymnasium in Graz im humanistischen Zweig – erlernte also schon in jungen Jahren Latein und Altgriechisch, außerdem Englisch und Französisch. Nach der Matura studierte Zsivkovits Kroatisch, Latein und Altgriechisch, verbrachte auch ein Jahr an der Universität Zagreb und begann seine Berufslaufbahn in der Steiermark. „Für mein Unterrichtspraktikum gab es damals nur eine einzige Schule, die infrage kam. Die war in Leibnitz“, erinnert sich der 65-Jährige im Gespräch mit dem KURIER.

Er wechselte nach Birkfeld in der Oststeiermark, wo er vom dortigen Schuldirektor das Angebot erhielt, Serbokroatisch im Rahmen einer unverbindlichen Übung zu unterrichten. „Das wurde sehr gut angenommen. Ich hatte 23 Schüler“, erzählt er.

„Brutaler Kampf“

Am Gymnasium Oberschützen unterrichtete Zsivkovits dann Latein und verstärkt Kroatisch. „Daher wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre, die Aufbauarbeiten für ein mehrsprachiges Gymnasium in Oberwart zu übernehmen. Das habe ich gerne angenommen“, erinnert er sich. „Die Eltern von Schülern der 2. bis 4. Volksschulklassen wurden befragt, wo sie das Gymnasium haben wollen – und da ging Oberwart als Sieger vor Oberpullendorf hervor. Den Ausschlag gab dabei meiner Meinung nach die ungarische Volksgruppe“, ist Zsivkovits überzeugt. Diese hatte die Intention, ein mehrsprachiges Gymnasium zu schaffen, schon 1968 gehabt, allerdings ohne Erfolg. Nun wurden in Oberwart zwei Säulen etabliert: Deutsch-Ungarisch und Deutsch-Kroatisch. „Und weil in Oberpullendorf deutlich weniger Ungarn lebten, fiel die Entscheidung auf Oberwart“, meint Zsivkovits.

„Aber es war ein sehr harter, fast ein brutaler Kampf um den Standort“, erzählt er. „Es gab in der Umgebung zwei weitere Gymnasien und neun Mittelschulen, die mich alle um Schüler bekämpft haben. Auch von Kroaten oder ideologisch Gleichgesinnten wurden mir immer wieder Prügel vor die Füße geworfen. Es gab Klagen gegen mich beim Landesschulrat. Man hat mich vor Gericht gebracht, obwohl ich doch nur für die Volksgruppen eingetreten bin. Das habe ich auch offen gesagt, ich habe mir nie ein Blatt vor den Mund genommen.“

Letztlich habe sich der Einsatz aber gelohnt, freut sich Zsivkovits. „Meine Pläne sind aufgegangen und ich verspüre so etwas wie gediegene Zufriedenheit.“ Überrascht habe die hohe Anzahl an Maturanten in seinem Gymnasium. „Das Ministerium hätte nur mit zehn pro Jahr gerechnet, aber wir hatten manchmal 15 oder sogar noch mehr.“

Hohes Niveau

Das Niveau sei dabei sehr hoch, lobt der ehemalige Direktor – und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich war manchmal fast froh, dass ich selbst nicht maturieren musste.“ Verbesserungsbedarf sieht er noch in der Gestaltung des zweisprachigen Unterrichts. „Da wird es nie eine ideale Lösung geben. Entweder man wechselt wöchentlich die Unterrichtssprache oder je nach Unterrichtsfach“, sagt der 65-Jährige. „Unser Modell ist es, dass ein Lehrer in einer Stunde zweisprachig unterrichtet. Dieses Thema werde ich sicher weiter beobachten.“ Nach einem kroatischen Sprichwort sei er aber überzeugt: „Besser etwas als gar nichts.“

Eisessen mit Ehefrau

In der Pension will sich der Stinatzer weiter seiner universitären Laufbahn widmen. Als Lektor ist er einmal wöchentlich an der Uni Graz tätig, nimmt nun auch seine Doktorarbeit in Angriff. Dazu kommen Einladungen nach Ungarn und Sarajewo zu Gastlesungen.

Und natürlich freut er sich darauf, mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können. „Sie hat mir zum 65er eine Vespa geschenkt und damit fahren wir jetzt jeden Tag Eis essen“, erzählt Zsivkovits. „Das Geschenk war eine Erinnerung an unsere Hochzeitsreise auf Rhodos.“ Und auch die Enkelsöhne „lechzen danach, vom Opa zu lernen“, wie er hinzufügt. „Jeden Montag reden wir Englisch miteinander, um zu üben.“

Zsivkovits war auch der erste Direktor der Volkshochschule der burgenländischen Roma. Und er ist ein Cousin der bekannten Resetarits-Brüder: Musiker Willi alias Ostbahn Kurti, Kabarettist Lukas und TV-Journalist Peter Resetarits. „Unsere Mütter waren Schwestern“, erzählt er. „Ich mag sie alle drei sehr gern, am meisten Gesprächsstoff habe ich mit dem Willi. Wenn er sagt, er sei mein größter Fan, dann freut mich das besonders, wenn man bedenkt, wie viele Fans er hat.“ Und Zsivkovits erinnert sich: „Der Willi war schon immer ein guter Mensch. Als er beim Bundesheer war, hat er uns aus Wien immer Schokolade mitgebracht.“

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