Austria

Martin Gore solo: Experimente mit dem Heulen der Affen

© TRAVIS SHINN PHOTOGRAPHY

Der Songwriter von Depeche Mode hat seine Freitag erscheinende EP "The Third Chimpanzee" den Primaten gewidmet

von Brigitte Schokarth

Schon in den 90er-Jahren las Martin Gore das Buch „Der dritte Schimpanse“ von Jared Diamond. Jetzt hat der Keyboarder, Gitarrist und Songwriter von Depeche Mode seine kommenden Freitag erscheinende Solo-EP danach benannt.

Mit „The Third Chimpanzee“ liefert der 59-jährige Brite fünf experimentelle Elektronik-Tracks, die an Industrial erinnernde Sounds zu atmosphärischen, fremdartigen Klanglandschaften verweben, die zwar Gores Gesang, aber keine Texte transportieren.

„Für den ersten Track, den ich für die EP aufgenommen habe, habe ich meine Stimme genommen und mit dem Synthesizer stark verfremdet“, erklärte Gore der Radiostation Worldwide FM. „Herausgekommen ist etwas, das so gar nicht menschlich klang, und mich mehr an das Geheule von Primaten erinnert hat. Weil ich die Howler-Affen kenne, habe ich den Song ,Howler´genannt. Als ich diesen manipulierten Sound meiner Stimme dann auch für einen weiteren Track verwendet habe, dachte ich, ich kann dieses Thema auch auf alle anderen Songs anwenden und allen Affen-Namen geben.“

So heißen die Tracks „Mandrill“ oder „Vervet“ (Südliche Grünmeerkatze). Auf den Albumtitel kam Gore aber erst später. „Ich habe mich dann an dieses Buch von Jared Diamond erinnert“, erzählt er. „Darin bezeichnet er die Menschen als die dritten Schimpansen. Da machte es Sinn, den Titel für die EP zu nehmen, weil ich als Mensch schließlich auch einer der dritten Schimpansen bin. Die Idee dabei war aber auch, dass der Titel die Trennlinie zwischen Mensch und Affe verschwommen erscheinen lässt. Das hat mir gefallen, denn manchmal kann man schon das Gefühl haben, dass wir Menschen in der Evolution noch nicht sehr weit gekommen sind.“

Aber Song- und Album-Titel dem Affenthema zu widmen, war Gore noch nicht genug. Er erinnerte sich daran, dass es malende Affen gibt, suchte im Internet und fand eine Primaten-Auffangstation in Kanada. „Sie haben einen Kapuziner-Affen namens ,Pockets Warhol´, der malt. Ich habe sie kontaktiert, und sie waren sofort davon angetan, Pockets dazu zu bringen, mir das Cover zu malen.“

Die Corona-Krise hat Gore bis jetzt gut überstanden. Er lebt seit vielen Jahren im kalifornischen Santa Barbara, geht mehrmals die Woche raus zum Joggen, ist sonst aber viel zu Hause. Dort ist er aber – trotz Heimstudio – weniger kreativ, als er es sich wünschen würde. „Man sollte denken, dass man extrem kreativ wird, weil man viel Zeit hat. Aber ich habe 2020 nicht allzu viel gemacht, weil dieser Stillstand, wenn sich ein Tag wie der nächste anfühlt, einfach nicht inspirierend ist.“

Was das für das nächste Depeche-Mode-Album (es war lose für 2021 geplant) und eine anschließende Tour bedeutet, lässt Gore offen. „Im Moment ist es unmöglich, irgendetwas zu planen. Was jetzt mit den Impfungen passiert, ist vielversprechend. Aber noch weiß keiner, wie lange es dauert, die notwendigen Durchimpfungsraten zu erreichen. Es braucht so viel Planung, wenn wir auf Tour gehen, dass es dumm wäre, das anzugehen, wenn man nicht weiß, ob es passieren kann.“

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